Dienstag, 5. Februar 2013

HAUPTSACHE FERIEN (1972 Peter Weck)


Da der Lehrer Peter Markus nicht bestechlich ist und die jüngste Tochter nicht versetzt werden soll, denkt sich der reiche Bauunternehmer Kannenberg eine List aus. Als angeblicher Wettbewerbsgewinn schenkt er dem Lehrer ein Fertighaus zur Selbstmontage. Damit der noch geheime Bestechungsversuch nicht zu früh auffällt, darf seine ältere Tochter Ursula die fröhliche Nachricht überbringen und den Aufbau begleiten. Erst nachdem sie sich in Peter verliebt hat (und er sich in sie) erfährt sie die wahren Gründe ihres Vaters. Doch da ist es schon zu spät...


Häusle bauen mit den Chaoscampern...

Peter Alexander als verständnisvoller Lehrer, Balduin Baas als böses Gegenstück, Schüler, die Lehrern Streiche spielen, Lehrer bestechende Eltern, Rachestreiche Peters, und da könnte man sicherlich noch viel mehr aufzählen, was als Rezeptur bereits aus diversen Teilen der „Lümmel von der ersten Bank“ bekannt ist, insbesondere aus „Hurra, die Schule brennt“ und „Zum Teufel mit der Penne“, da dies die einzigen Teile mit Peter Alexander waren.

Der Vergleich passt jedoch nur zum ersten Drittel, denn danach beginnt die Ferienzeit, ein Bereich der die Lümmelfilme nie interessiert hat. Ein Hintertürchen wegen des späten Erscheinungsjahres und dem Abflauen des Interesses an Pennäler-Komödien schien jedoch nicht der Grund zu sein, denn fröhlich wird nach Jahren der Schulklamotten im deutschen Kino augenzwinkernd ganz offiziell in „Hauptsache Ferien“ das Subgenre als solches innerhalb eines solchen Filmes erwähnt.

Das sind nicht die einzigen Seitenhiebe seiner Zeit. Peter Alexander darf manch derbe zweideutige Bemerkung machen, die entschlüsselt schon gar nicht mehr zu seinem schmalzigen Charme passen, den er stets versprüht. Doch sein Rezept bleibt erfolgreich: wie gehabt verzeiht man dem guten Mann alles, und im Gegensatz zu früheren Werken muss man ihm ohnehin weniger durchgehen lassen. Diesmal ist es Peter dem man übel mitspielt, und bis auf einige Aktionen (z.B. jene fragwürdige, in der er Manipulation mit Manipulation bekämpft) ist er der Unschuldige.

Die im Titel so in den Vordergrund gedrängten Ferien sind im fertigen Werk eigentlich nur Nebensache. Fröhliche Camper aus dem deutschsprachigen Raum helfen dem Peter beim Bau eines Fertighauses, was wiederum dem Hintergrund dient dass ein reicher, böser Bauunternehmer den Lehrer kaufen will, damit das Töchterchen bessere Noten bekommt.

Nicht nur Theo Lingens toll gespielte Rolle als Bauunternehmer ist eine Kritik an den damals aufkommenden Seiten des Kapitalismus, auch die Eingangssequenz weist dies auf, gemixt mit Kleinbürger-Kritik. Diese Einstiegsszene erinnert an Udo Jürgens berühmtes Lied „Das ehrenwerte Haus“ und handelt davon wie sich Nachbarn gegenseitig auf den Wecker gehen und ihre eigenen Nerven strapazieren, da die Rolle Lingens sie in einem aus Kostengründen sehr hellhörigen Haus wohnen lässt, in welchem es keine Privatsphäre gibt, während gleichzeitig Mieten erhöht werden.

Lediglich die leichte Art, mit der man hier auf Missstände aufmerksam machen will, lässt das Entstehungsjahr erkennen. Immerhin spielt der Film zu einer Zeit in der es den Deutschen gut ging und Optimismus in der Luft lag. So mag aufgrund der Humororientierung eher das comicartige Spiel mit dem bösen Unternehmer a la Dagobert Duck im Raum gestanden haben, als das ernste Anliegen auf eine Gefahr hinzuweisen, die in den 80er Jahren später Fuß fasste, in den 90er Jahren fruchtete und im (noch) laufenden Jahrzehnt langsam von allen bemerkt wurde.

Kann man Regisseur Peter Weck deshalb nun loben oder eben nicht? Wahrscheinlich letzteres, denn „Hauptsache Ferien“ soll ein fröhliches, musikuntermaltes Lustspiel sein, dass gute Laune machen soll. Da das Ziel erreicht wird, wenn auch auf trivialste Art, braucht man auf der Gegenseite auch nicht über etwas zu schimpfen, dessen Umfang damals noch nicht für jedermann ermessbar war.

Peter Weck hat übrigens keine Rolle übernommen. Der Schauspieler konzentriert sich hier komplett auf die Regie, und innerhalb des Bereichs der fröhlich deutschen Komödie der 60er und 70er Jahren scheint er auch Talent dafür zu besitzen. Immerhin zeigte bereits seine erste Regiearbeit „Hilfe, ich liebe Zwillinge“, dass mehr als reine Peinlichkeit in deutschen Komödien möglich ist. Zudem ist der gerade angesprochene Film wohl der einzig erträgliche Streifen mit Roy Black in der Hauptrolle. Peter Weck drehte noch bis 2007 Filme, das zeigt dass er in seiner Zweitkarriere ebenso unermüdlich war wie in seiner ersten.

„Hauptsache Ferien“ funktioniert eigentlich ganz gut. Die Lovestory ist nicht so aufdringlich wie typisch für das Subgenre (dafür sind Peters Anmachversuche dreist platt wie immer), Peter Alexander spielt die Rolle die er meistens spielt, Theo Lingen erweist sich als einzig herausragender Schauspieler, die Geschichte ist kurzweilig, die kürzen Anflüge der „Lümmel"-Filme angenehm erheiternd, insgesamt kann man also von einem gelungenen Werk sprechen.

Abstriche gibt es meinerseits jedoch im Musikbereich. Peter singt nicht seine besten Songs, aber sie sind durchschnittlich. Etwas das man von ihrer Inszenierung innerhalb der Geschichte nicht behaupten kann. Zwar passen die meisten Lieder zum gerade angegangenen Thema, sie wirken jedoch wie ein Fremdkörper innerhalb eines ansonsten funktionierendem Gesamten.

Kostümänderungen und Peters oftmals peinliche Tanzeinlagen wirken unsympathisch. Was man bei der kurzen Dauer eines Liedes jeweils gut verzeihen kann, wird zur Zerreißprobe für den nicht auf Peter Alexander-Musik abonnierten Zuschauer, der während eines Liebesgeplänkels ziemlich zur Mitte der Laufzeit einen Endlossong inklusive Nachzügler-Lied über sich ergehen lassen muss, mit einem Text, der leider nicht den kreativen Charme manch anderer im Film gesungener Textzeilen besitzt.

Hat man diesen Musikmarathon in der Mitte der Laufzeit überlebt, wird es wieder fröhlich und kurzweilig wie zuvor. Wer einen Peter Alexander-Film einschaltet weiß ohnehin was ihn da ungefähr erwartet, und wer ihn auf Zelluloid gebannt mag kann mit Peter Wecks Werk nicht falsch liegen.

Mir ist übrigens nur ein „gravierender“ Unterschied zu Vergleichsfilmen (oft mit Heintje) aufgefallen: das Kind, das bei Peter wohnt, ist kein Neffe sondern eine leibliche Tochter. Und diese sucht dem Herrn Single-Papa diesmal keine Frau. Das kann Peter diesmal sogar allein.


Trailer,   OFDb

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