Freitag, 8. Februar 2013

BLANKMAN (1994 Mike Binder)



Als Kinder schauten sie mit Begeisterung die Abenteuer Batmans im Fernsehen. Nun sind sie erwachsen. Zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der eine ein Durchschnittsbürger mit mittelmäßiger Intelligenz, der andere ein intelligenter, kindlicher Sonderling mit gesellschaftlicher Dummheit. Letzterer ist Erfinder und träumt noch immer seinen Kindheitstraum auch den Hilfsbedürftigen als kostümierter Retter zur Seite zu stehen. Bei einem seiner Experimente geschieht ein Unfall, und ein Stück Stoff wird unzerstörbar, als es mit einer ominösen Flüssigkeit in Verbindung kommt. Dies sieht der Sonderling als seine große Chance, bastelt sich aus dem Wunderstoff ein Superheldenkostüm und geht von nun an auf Streife. Dass darüber alle lachen ist seinem Bruder natürlich peinlich, und auch das Argument, dass Batman reich war und man selbst zur Unterschied gehört interessiert den Phantasten nicht. Erst nachdem der sogenannte Blankman positiv auf sich aufmerksam macht und Zuspruch von den einfachen Bürgern erhält, erklärt sich auch der Bruder bereit sich ebenfalls ein Kostüm überzustreifen und ihm bei der Verbrechensbekämpfung zu helfen...


Wenn Batman keine Kohlen hat...

Dass Damon Wayans im Humorbereich trotz solcher Werke wie „Auf Kriegsfuß mit Major Payne“ auch punkten kann, bewies er in der Komödie „Blankman“. Der Humor ist zwar meist albern und unter der Gürtellinie, den vom Privatfernsehen vergebenen Alternativtitel „Blöd-Man“ hat er dennoch nicht verdient.

Klamaukgegner brauchen nicht zugreifen, wer diese verpönte Humorrichtung allerdings bei guter Pointensetzung mag, sollte reinschalten. Allein die Grundidee ist schon als interessant zu bezeichnen. Unsere Filmhelden sind arme Schwarze. Der eine ist mehr oder weniger ein Durchschnittsschwarzer, der andere ein Phantast. Er lebt in seiner eigenen Welt, gehört in unsere nicht wirklich herein. Er erfindet merkwürdige Apparaturen und ist eigentlich nur ein großes Kind. Seit Kindertagen schwärmt er für Batman und möchte auch ein Retter der Hilfsbedürftigen sein. Also beschließt er, wie sein großes Vorbild Batman, kostümiert die Straßen vom kriminellen Unrat zu reinigen. Es gibt nur einen wesentlichen Unterschied zum Fledermausmann: Blankman hat überhaupt kein Geld. Dies hält unseren Helden natürlich nicht davon ab das Richtige zu tun, und im Laufe der Geschichte gewinnt er die Anerkennung der Bürger.

Dieser vorhersehbare Storyverlauf ist in eine flotte Erzählung gepackt, die wirklich viele herrlich alberne Ideen hat. So stößt der Bruder Blankmans, ein Realist (betrachtet auf seinen geringen Intelligenzquotienten), erst spät bei der Verbrechensbekämpfung dazu. Es war ihm peinlich ein Kostüm zu tragen, und erst mit wachsender Popularität des Helden und auch weil seine große Liebe so für den maskierten Rächer der Unterwelt schwärmt, erklärt er sich bereit, seinem Bruder bei den Heldentaten zu helfen. Ein Kostüm bekommt er auch (wie sich im Gefecht später herausstellt lediglich knallbunt, im Gegensatz zu Blankmans Kostüm allerdings nicht kugelsicher), und von nun an ist er bekannt als „der andere Kerl“. Er bekommt nie einen Namen. Zunächst nennt ihn nur das Lokalblatt so, später, auf einem Fest zur Ehre der beiden Helden, zeigen die Plakate dass der Robin-Verschnitt immer noch so genannt wird. Hey, da kommt Blankman – und der andere Kerl. Lustig!

Wie eben erwähnt haben die beiden unterschiedlichen Brüder kein Geld. Als die ersten Bürger beginnen Blankman zu unterstützen, kommt der vernünftige Part des Duos nach Hause und findet seinen seltsamen Bruder inmitten von Müll wieder. Auf die Frage, was das ganze Gerümpel zu bedeuten habe, antwortet Blankman, dass Bewunderer dies geschickt haben (Blankman bastelt aus Schrott seine Apparate zur Verbrechensbekämpfung). Zunächst hätten sie jede Menge Geld geschickt, aber das wolle er nicht und auf Bitten vom Helden haben sie daraufhin ihren Schrott geschickt. Nur eine von vielen Szenen, in denen der eigentlich vernünftige Bruder einen Aussetzer kriegt und seine aggressive Ader ausleben darf.

Missverständnisse darüber, dass man mit seinem Schniedel reden würde, ein peinlicher Roboterhelfer, der nicht einmal heil die Treppe heruntersteigen kann, ein Superheldenkostüm, dass so eng sitzt, dass jede Erektion zur Tortur wird, all dies sind weitere Beispiele für den zwar recht plumpen aber nicht unsympathischen Humor dieses Streifens. „Blankman“ hat kein „Die nackte Kanone“-Niveau, er ist mehr der „Police Academy“ unter den Superheldenparodien, ist dabei aber wesentlich lustiger als herkömmlich humoristisch erzählte Vergleichswerke wie „Meteor Man“ oder „Mystery Men“.

Wayans selber ist lustig, steht sich gleichzeitig aber auch selbst im Weg. Meist ist es witzig, was er spielt, oft aber auch zu überagierend. Etwas Zurückhaltung beim Herumblödeln inmitten von Albernheiten hätten den Film noch etwas aufwerten können. Wayans zeigt keine Würde wie die Schauspieler von Werken wie „Highschool High“, „Crazy Instinct“ und „Die nackte Kanone“. Er gibt den Kasper ohne Rücksicht auf Verluste. Die trottelige deutsche Synchronstimme passt dementsprechend blendend zu Wayans Spiel. 

Man muss aber auch bedenken, dass die Story so, wie wir sie hier sichten dürfen, anders nicht funktionieren würde. Wayans muss diesen würdelosen Trottel spielen, damit sein Bruder, der andere Kerl, dementsprechend wirkt. Dieser wird nämlich immer wieder in peinliche Situationen gezogen, in denen er versucht seine Würde zu behalten, was die Figur so unglaublich lustig macht (und Humorgrößen wie Oliver Hardy schließlich auch).

Was über den Hauptdarsteller gesagt wurde passt, eben wegen Wayans dominanter Präsenz, zum kompletten Film: Blankman ist kompromisslos albern. Das macht ihn auf der einen Seite dank seiner netten Ideen so unverkrampft witzig, auf der anderen Seite dennoch zu einer arg niveaulosen Komödien, deren Idee es verdient hätte noch etwas besser umgesetzt zu werden. Aber gerade schwarze US-Komödien sind ja eigentlich meistens besonders albern, verglichen mit so üblen Filmen wie „House Party“ oder „Sind wir schon da?“ hält sich „Blankman“ erfreulich zurück, aber eben auch nur wenn man das Extreme mit dem Extremen vergleicht.

Ich kann verstehen wenn man „Blankman“ nichts abgewinnen kann. Auf mich trifft dies allerdings nicht zu. Ich habe mich köstlich amüsiert und diesen Streifen auch schon des öfteren gesichtet. Die klassische Variante, dass über den Trottel der Normalo die Pointen erntet, ist hier wunderbar eingefangen. Wenn Albernheiten so kurzweilig und unterhaltsam umgesetzt sind wie hier, schalte ich gerne mal den Kopf aus.


Trailer,   OFDb 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen