Sonntag, 17. Februar 2013

LEADSVILLE NIGHTS (The Evictors 1979 Charles B. Pierce)


Ein Ehepaar kauft sich in den 40ern ein Haus. Von einigen Leuten aus dem Dorf erfährt die Frau, dass es im besagten Haus schon öfters zu ominösen Unfällen und Morden gekommen sei. Dies ist für die neue Besitzerin höchst interessant, fühlt sie sich doch seit dem Einzug beobachtet. Erst als ein Fremder ins traute Heim eindringt, nimmt ihr Ehemann die Sache ernst. Er alarmiert die Polizei und bringt seiner Frau das Schießen bei, da er häufig nachts arbeiten muss und seine Gattin somit nicht beschützen kann. Eines Nachts ist sie wieder allein zu Haus...


Ungebetene Gäste sind die Hölle...

Dieser kleine Thriller, mit Gruselfilm-Elementen, ist wirklich nicht der Rede wert. Das Endprodukt ist ebenso banal wie die eigentliche Geschichte, die in einem 20sekündigen Text zu Beginn als wahre Begebenheit angekündigt wird. Im finalen Off-Kommentar wird uns zudem erzählt was nach Ende der Geschichte dort angeblich wirklich geschah.

Bereits der Vorspann wirkt etwas dahingeschludert, erscheint die Schrift doch immer erst bei angehaltenem Bild. Zumindest hat diese Herangehensweise zum Ende des Vorspanns seinen Effekt, den kann man ihm nicht abstreiten. Das gezeigte Geschehen zwischen den Schriftzügen ist belangloses Rumgeballer, ein Rückblick der viel zu langen und unnötigen Art, der gleich ganze 5 Minuten des Filmes kostet. Das gleiche Material darf man auch gegen Ende wieder sichten, dort sollen aufgedeckte Tatsachen das Geschehen der ersten Szene anders wirken lassen. Das tun sie aber nicht, und die aufgedeckten finalen Ergebnisse reißen einen wegen Überraschungsarmut auch nicht gerade vom Hocker.

Die Regie ist untere Routine, das Drehbuch weiß nichts mit sich anzufangen und die Schauspieler spielen auch nur mit halber Backe. Traurig, immerhin verlief sich Jessica Harper in den Hauptcast. Ihr vorhandenes Talent zeigt sich sehr deutlich in dem verkannten Musical „Das Phantom im Paradies“, aber auch in ihrer wohl bekanntesten Rolle in „Suspiria“ zeigte sie, dass sie mehr als das kleine Horrorfilmpüppchen war. 

Aber was ist in „Leadsville Nights“ mit ihr los? Sie wirkt wie die 08-15-Besetzung eines solchen Streifens. Sie fällt durch nichts auf. Nur wer sie kennt kann immerhin bemerken wie lieblos sie von der Maske zurecht gemacht wurde und wie schockierend alt sie 1979 bereits aussah. Trotz alledem darf sie wenigstens noch niedlich und hilflos wirken, das war es aber auch schon.

In der deutschen Fassung kommt als ärgerlicher Faktor noch die Synchronstimme der zweiten Hauptrolle hinzu. Der Ehemann der Rolle Harpers nervt mit einer grummelig düsteren, gerade zu lüsternen Stimme. Zu Beginn des Filmes dachte ich mir noch, dass er sich vielleicht mit dieser Stimme zu früh als der Bösewicht outet. Die Beziehungspartner haben in solchen Werken immerhin häufig Dreck am Stecken. Aber schnell wird klar, dass er ernsthaft Sympathiecharakter sein soll. Eine merkwürdige Synchronisationsbesetzung. Der Deutschton reißt ohnehin nicht vom Hocker, ist aber noch o.k. zu nennen. Dafür sind die Texte manchmal sehr gewöhnungsbedürftig. Sie klingen in normalen Situationen teilweise völlig skurril, obwohl sie theoretisch authentisch wirken müssten. Sie sind filmfremd, im Prinzip etwas dass ich im Normalfall als sehr positiv empfinde. Aber ich wurde nicht ganz warm mit diesen Texten.

Die Regie kurbelte ziemlich simpel das fertige Filmchen herunter. Viel Zeit hatte man scheinbar nicht, echte Mühe ist nicht erkennbar. In einem Szenenwechsel sieht man kurz, wie die weggeblendete Frau gerade noch etwas sagen wollte. Herrlich, es wird immer mehr gedreht als verwendet wird, aber einen so herrlichen Patzer sieht man nicht so oft. Was soll’s, von seiner Machart her hat der Film ohnehin nur TV-Film-Flair, da sollte man in solchen Punkten dann doch nicht so streng sein. Sollte es ein Kinofilm gewesen sein müssten sich die Macher allerdings doch noch schämen.

Der Mann, der das Ehepaar belästigt, sieht nicht einen Hauch bedrohlich aus. Er wirkt wie ein Bauer mit Hut, bewegt sich wie jeder stinknormale Mensch und wird auch inszenatorisch nie nervenkitzelnd eingesetzt. Manche Möglichkeiten Thrill zu erzeugen werden deutlich durch unpassende Schnitte ruiniert, bei anderen Szenen hätte eine bessere Kameraarbeit eine effektvollere Wirkung erreichen können.

Die Mordszenen sind entweder in der deutschen Fassung lästig gekürzt oder bereits im fertigen Film ruppig zurechtgeschnitten. Bei der komplett kruden Machart würde es mich nicht wundern, wenn es letzteres wäre. Die Morde werden spektakulär unspektakulär gezeigt, was heißen soll, dass da zwar reißerisch ein großer Möchtegern-Wirbel entsteht, der Übergang von Angriff über eine nicht gesehene Tötung zum fertigen Ergebnis, der Leiche, allerdings harmlos und stümperhaft wirkt.

Immerhin kann die Musik in den spannend gewollten Szenen etwas punkten und gerade in der ersten Hälfte die Erwartung etwas steigern, bevor man endgültig enttäuscht wird. Auch die Kulisse weiß zu überzeugen. Die 40er werden zwar schlicht aber brauchbar wiedererweckt.

Die in die ohnehin recht langatmige Story eingebauten Rückblicke wissen leider nicht zu überzeugen. Sie strecken „Leadvilles Night“ lediglich in die Länge um Dinge zu erzählen, die in kurzen Worten auch anders hätten abgeklärt werden können. Die Auflösung ist relativ banal, zunächst überraschungsarm und erst in der allerletzten Szene einen Deu pfiffiger.

Die paar wenigen geglückten Punkte können das fertige Filmchen jedoch auch nicht mehr retten. Eine ähnliche Thematik auf härter hätte der wesentlich unterhaltsamere „Mondo Brutale“ zu bieten. Wer auf Horror nach wahrer Begebenheit hoffte sollte lieber zu „Amityville Horror - Eine wahre Geschichte“ greifen. „Leadsville Nights“ ist jedoch nur ein Stück Billigthriller, den man sicherlich schnell wieder verdrängt hat.



Trailer,   OFDb

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