Dienstag, 19. Februar 2013

LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN (The Holiday 2006 Nancy Meyers)


Eine reiche Karrierefrau und eine bescheidene Londonerin tauschen in den Ferien ihre Wohnungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden beide Gefallen am anderen Lebensstil. Die Menschen, die sie treffen, geben ihnen ein anderes Lebensgefühl...


Stars auf RTL-Niveau...

Männer werfen ja schnell mit dem Begriff „Frauenfilm“ um sich. Alles was Romantik oder familiäre Dramatik zum Schwerpunkt macht, bekommt diesen Stempel aufgedrückt. In meinen Augen sind geschlechtsorientierte Filme jene, die nicht einmal dem aufgeschlossenem anderen Geschlecht die Chance geben, sich auf das Werk einlassen zu können. Das macht geschlechtsorientierte Streifen in meinen Augen zu eher schlechten Filmen. Das kann aber halt nur der verstehen, der z.B. das Genre Action nicht als Männerterritorium versteht.

Werke, die ich als reine Frauenfilme betrachten würde, kreuzen meine Wege nur höchst selten. In Komödienform gab es da mal den „Club der Teufelinnen“ und nun im Bereich des Dramas bzw. der sehr harmlosen Form der Tragikomödie kam mir „Liebe braucht keine Ferien“ zwischen die Finger.

Es war die Besetzung, die mich reizte. Mit Cameron Diaz und Jack Black lächelten mich gleich zwei Namen an, die ich gerne sichte, Kate Winslet weiß ich durch ihre nicht so hollywoodtypische Art zu schätzen und Jude Law gehört zwar nicht zu meinen bevorzugten Schauspielern, lieferte aber auch schon das ein oder andere mal eine nette Leistung ab. Alle diese 4 Berühmtheiten sind eigentlich auch gar nicht typisch für einen Frauenfilm, wenn überhaupt dann Winslet, da sie häufig einen modernen Frauentyp verkörpert, ähnlich wie Diane Keaton. 

Recht still und zaghaft beginnt der Film mit seiner schlichten Geschichte, eine die kaum des Erzählens wert ist, und gerade deshalb wieder so neugierig macht. Immerhin sind es häufig gerade die herausragenden Filme, die lediglich eine kaum erwähnenswerte Geschichte erzählen. Filme wie „Die Royal Tenenbaums“, „Raus ins Leben“ und wie sie alle heißen sind große Unterhaltung mit einer Story, die schlichter kaum sein könnte, oft auch zunächst erst schlicht erscheint.

„Liebe braucht keine Ferien“ erzählt ebenfalls ein Nichts, dies auf über 2 Stunden mit einem Tempo, das man niemandem wirklich zumuten möchte. Da manche Werke häufig lahm beginnen, sich mit der Zeit daraus aber mehr abzeichnet als zunächst vermutet und das Tempo mit der Zeit flotter wird, bin ich auch erst in dem hier besprochenen Film davon ausgegangen es wäre so. Die Fastgeschichte war immerhin auch nicht komplett uninteressant erzählt. Für kurze Momente gibt es immer wieder Nebensächlichkeiten, die wenigstens etwas Schwung in die Bude bringen, beispielsweise Winslets Nachbar in L.A., ein Rentner.

Solche rettenden Elemente sind aber leider zu rar verteilt. Der gewünschte Schwung kam nie auf, stattdessen durfte ich nun das Nichts an Story in lahmen Tempo sichten, garniert mit Figuren, die viel zu seicht herausgearbeitet wurden. Und damit kommen wir nun zu dem Bereich, der den männlichen Zuschauer gnadenlos aus dem Bereich des Zielpublikums ausblendet.

Diaz´ Rolle ist eher eine Diane Keaton-Rolle, allerdings nicht so positiv emanzipiert verkörpert wie bei ihr üblich, sondern eher Richtung rückradlosem Verhalten wie typische Goldie Hawn-Rollen. Diaz ist vollkommen fehlbesetzt, weiß zwar zu verkörpern was da verkörpert werden sollte, hat es aber mit ihrem Talent eigentlich nicht nötig für so ein Produkt herzuhalten. Sie ist zu modern um eine sympathische, moderne Frauenrolle aus Frauensicht zu spielen, um in Wahrheit doch eher seicht statt keck und blass statt stark zu wirken. 

Jack Black darf wieder den nebensächlichen Sympathisanten spielen, wohl seine zweittypischste Rolle neben dem Chaoten. Aber auch seine Rolle ist derart durch den Weichspülgang gejagt worden, dass sie einfach nicht positiv wirkt. Die Dramatik um seine Person ist lahm, die Größe seiner Rolle so schlicht, dass man meint sie wäre nur eingeführt worden, damit die Rolle der Kate Winslet auch jemanden abkriegt, obwohl es schlicht gereicht hätte, ihr trauriges Leben durch den Kontakt mit dem Drehbuchautor-Rentner zu bereichern.

Ohnehin ist Winslets Rolle die schlimmste von allem. Sie ist vergleichbar mit Jason Biggs' Figur in „Loser“, bei beiden Charakteren ist die Naivität einfach viel zu hoch geschraubt, als dass sie noch irgendwie als realistisch durchgehen könnte. In einem Film, der so krampfhaft erwachsen sein will wie dieser hier, kommt es schon recht peinlich rüber, solch dick aufgetragenes Hollywood-Klischee ertragen zu müssen. „Loser“ war immerhin eine Teenie-Komödie, bei der mit einem Auge zudrücken über das Manko hinwegzusehen war. „Liebe braucht keine Ferien“ baut in der Winslet-Story jedes Thema auf dieser Dramatik auf und kann damit nur scheitern.

In der ersten Hälfte ist immerhin Laws Rolle angenehm geschrieben. Er ist der etwas geheimnisvolle Fremde. Der One Night-Stand entwickelt sich auf eine Art, wie sie untypisch im Kino ist und wie sie interessant zu verfolgen ist (und zudem ohne lästige Nacktheiten). Nach einiger Zeit wird aus der etwas mysteriösen Rolle ein Familienvater, an sich nichts schlechtes, außer man befindet sich in der Frauenwelt, an der sich auch die grausige Vater-Sohn-Kaffeewerbung („und eine 5 in Erdkunde“) orientierte. Der arme Mann ist Witwer, die Unschuld in Person, und das Vatersein ist ein Hindernis bei der Partnersuche. Natürlich nur wenn man sich als Mann so saudämlich anstellt, wie es die Augen einer Frau scheinbar gerne sichtet, oh weh! Hört mir auf!

Ja, „Liebe braucht keine Ferien“ ist ein Frauenfilm, aber diese Bezeichnung ist arg ungerecht, schließt sie doch eigentlich nur die unaufgeklärten Frauen ein, jene, die glücklich ihr Klatschheftchen lesen, Stars und Königsfamilien anhimmeln, Liebes-Groschenromane lesen und sich in ihrer Person verkannt fühlen, da sie nie lernten sich in andere hineinzufühlen. Diese Beschreibung passt zwar auf viele, aber zum Glück nicht auf alle! Frauen mit RTL-gewaschenem Hirn können reinschalten, Männer prinzipiell nicht. Seit mir also nicht böse, wenn ich das Wort Frauenfilm verwende, obwohl es nur auf den eher unangenehmen Frauentyp passt.

Eigentlich ist der Film trotz alledem bis zum Schluss guckbar. Ich habe ca. 20 Minuten vor Ende dennoch ausgeschaltet, was ja auch egal ist, immerhin gehöre ich nicht zum Zielpublikum.


Trailer,   OFDb

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