18.03.2013

DESPERATION (2006)

Menschen werden von einem Sheriff grundlos festgenommen und eingesperrt. Manche von ihnen werden gar erschossen. Doch der fehlgeleitete Gesetzeshüter ist nicht geisteskrank, er ist von etwas besessen, von etwas, das mit der Geschichte des Ortes zu tun hat, in der er tätig ist: Desperation...
 
Plädoyer zum Missionieren...
 
Regisseur Mick Garris liefert mal nettere, mal schlechtere Routine ab. „Psycho 4“ und „Schlafwandler“ gehören meiner Meinung nach zu seinen besseren Werken. Letzterer ist bisher seine einzig geglückte Verfilmung nach Stephen King, von dem er so einiges in bewegte Bilder umwandelte. „Quicksilver Highway“ hatte zwei Geschichten von der eine schlecht war. Es war die von Stephen King. „The Stand“ hatte sein Für und Wider und „The Shining“ als TV-Mini-Serie, nach einem Drehbuch von King selbst, war arg billig routiniert, wenn auch näher am Buch orientiert als Kubricks sehr gute erste Verfilmung.

Nun wagte sich Garris an „Desperation“ heran, dessen Buchvorlage mir so gar nicht gefallen hat. Kein gutes Zeichen für einen guten Film. King war wieder höchstpersönlich für das Drehbuch zuständig, was auch kein gute Omen ist. Nach seinem häufig gescholtenen Versuch als Regisseur („Rhea M“) reduzierte er seine Arbeiten im Filmbereich auf das Schreiben, und selbst da ist ihm noch keine Meisterleistung geglückt. Die Zeichen für „Desperation“ standen wirklich nicht gut.

Und was soll man sagen: mehr als Routine ist Garris erneut nicht geglückt. Wobei man dies bereits als Meisterleistung betrachten kann, wenn man sich ansieht worauf die Geschichte hinarbeitet. Zunächst nervt nur ein ewig betender Junge, der versucht seine Mitmenschen zu Gottes Glauben zu bekehren. Letztendlich gelingt ihm das sogar, damit die Helden vereint als Gottes Krieger den Kampf gegen Tak aufnehmen können, einem bösartigen Wesen aus einer anderen Dimension.

Als Ausrede dieses unschönen Christen-Geplappers versucht King das Erörtern vom Sinn des Glaubens und dem Versuch Gott zu erklären einzubauen. Aber diese Bemühungen bleiben im Ansatz stecken, wenn sie denn überhaupt ehrlich gemeint sind. Auf mich wirkte das ganze nicht so glaubhaft. Hat King nun den Glauben zu Gott gefunden und will damit ähnlich nerven wie der olle Schlingensief, der einst so ein interessanter Provokateur-Künstler war? Ich hoffe nein, denn „Desperation“ bekommt damit einen Esoterik-Touch, der dem Horrorgehalt schadet.

Menschen glauben nun mal, also was hänge ich mich so daran auf? Mich stört es, andere sicher nicht. Es ist nur mein persönliches Empfinden, was mit jedem gesprochenen Gebet und dem Versuch des Bekehrens auf ein neues negativ gepuscht wurde. Wer mit dieser Thematik also keine Probleme hat, kann anständig unterhalten werden. Zu viele King-Filme oder gar Bücher sollte man jedoch nicht kennen. Denn „Desperation“ ist nicht nur eine sehr gottesgläubige Geschichte, sie ist auch ein Cocktail kingscher Zutaten.

Die größten Parallelen erlebt man mit „Es“. Da haben wir das nie sterbende, übernatürliche Wesen, dem sich eine Gruppe Menschen stellen muss, nachdem sie endlich zu ihrer bevorstehenden Aufgabe stehen. Da wird vor dem Betreten der Höhle (der Kanalisation) ein Gruppengebet gesprochen (ein Freundschaftsschwur abgelegt). Und die Hintergründe der Geschehnisse, die in der Vergangenheit der Stadt zu finden sind, erfährt ein Kind über magisch bewegte Bilder. Das sind schon allerhand Übereinstimmungen.

Den predigenden Jungen kann man nun noch gleichsetzen mit dem ebenso weisen, blinden Mädchen aus „Die Langoliers“. Raben als Vorboten des Bösen stammen aus „Stark“. Und zum x-ten Mal ist einer der Protagonisten ein Buchautor. Ich will gar nicht wissen welche Parallelen mir bei dieser Aufzählung nicht eingefallen sind.

Diesen King-Cocktail mixt der werte Herr nun mit allerhand Horror-Elementen, die in der hier präsentierten Form jedoch nie Eins werden und eher wirken, als wolle man mit allerhand Gimmicks die Geschichte lang ziehen. Böse Tiere (häufig Spinnen und Schlangen), Körperbesetzung, blutende Gegenstände, eine Geisterstadt, mysteriöse Todesfälle, ein übernatürliches Gebilde, das die Persönlichkeit verändert. King will viel, viel, viel und bietet dadurch viel zu wenig. Weniger ist mehr heißt ein weiser Spruch, und er bestätigt sich durch Werke wie „Desperation“.

Dass dieser einfallslose Mix mit seiner Gottesthematik dennoch halbwegs zu unterhalten weiß, verdankt er der Figurenkonstellation und den Schauspielern, die diese verkörpern. Tom Skerritt hat den besten Part erwicht und füllt diesen sehr lebendig aus. Ron Perlman spielt etwas unter seinen Fähigkeiten, aber gut genug. Der Helfer des Schriftstellers und seine Anhalterin werden ebenfalls gut verkörpert und bekommen glaubhafte Dialoge beschert. Und Henry Thomas schaut für einen längeren Gastauftritt vorbei, darf in der langen Eingangsszene zum ersten Opfer werden und damit seiner Partnerin aus „E.T.“ freundschaftlich die Hand reichen. Denn Drew Barrymore durfte in „Scream“ in einer längeren Eingangssequenz sterben.

Bis man weiß um was es geht, wird auch die Neugierde des Zuschauers geweckt, was zu einem gewissen Spannungsgehalt führt, auch wenn dieser nicht so hoch ist wie bei Werken, die auf ähnliche Art arbeiten, z.B. „Phantoms“ nach einem Buch von Dean Koontz. Dieser zählt in Amerika zu Stephen Kings härtester Konkurrenz auf dem Buchmarkt. Umso schöner, dass er augenzwinkernd in einem Dialog erwähnt wird.

Man sieht also, es wurde nicht alles falsch gemacht, „Desperation“ ist durchaus Routine geworden. Leider wollen die einzelnen Versatzstücke diverser Kinggeschichten neu zusammenmontiert nicht so gut wirken wie in ihren Originalen. Und das Gottesthema ist auch so eine Sache für sich. Gucken kann man Garris’ Film aber durchaus. Für Fans des Tierhorror-Bereichs gibt es sogar kleine Momente großer Wirkung, auch wenn das Hauptthema nicht wirklich etwas mit Tieren zu tun hat.  OFDb

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