Sonntag, 10. März 2013

SCHLOCK - DAS BANANENMONSTER (Schlock 1973 John Landis)


Viele Menschen sterben. An den Tatorten finden sich allerhand Bananenschalen. Kaum nachdem ein Wissenschaftler im TV seine Theorie darüber geäußert hat, dass es sich bei dem Killer nicht um einen Menschen sondern um das Zwischenglied zwischen ihm und dem Affen handelt, da erscheint es auch schon und erkundet mordend die Stadt...


Der Affe entstand vor der Tomate...

Angriff der Killertomaten“ ist ein großartiger, provozierender Film, der die Medien seiner Zeit, das Genre Tier-Horror und all das was den Amis heilig war mit Anarcho-Humor angereichert herumalbernd aufs Korn nimmt. Nach Sichten von „Schlock - Das Bananenmonster“ war ich allerdings überrascht genau die selbe Rezeptur in einem Film zu sichten, der 5 Jahre vor De Bellos Tomaten-Komödie erschien und zumindest zu seiner Entstehungszeit unter Jugendlichen ebenso beliebt war wie Brooks „Frankenstein Junior“.

Von all diesen drei Filmen (wobei sich „Frankenstein Junior“ von den anderen beiden stilistisch und vom Humor stark unterscheidet) ist „Schlock“ (Originaltitel) in unseren Breitengraden das unbekannteste Werk, vielleicht weil die Idee von Killertomaten einfach extremer klingt und sowohl Frankenstein als auch Mel Brooks bekannte Namen im cineastischen Bereich sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass „Schlock“ der schwächste dieser drei Filme ist, was er in meinen Augen als eine Art Vorreiter dieser Art Komödien auch ruhig sein darf.

Immerhin brachte diese Welle albernen Anarcho-Humors neben den eben erwähnten Streifen auch Werke wie „Kentucky Fried Movie“ hervor, welcher sich der Idee des eher schwachen „Big Gag Movie Station“ annahm und sie verbesserte. Es war eine Welle von Komödien, die ihr Zielpublikum hauptsächlich unter den Jugendlichen fanden, einer Jugend, die noch immer im Zeichen der 60er Jahre-Rebellion stand und alles Konservative bekämpfte. Was in den 80er Jahren mit „Police Academy“ und „Die Killertomaten schlagen zurück“ seinen Anarchogehalt verlor und dem Mainstream zum Fressen zugeworfen wurde (etwa zur selben Zeit wie der Rock‘n Roll), war zur Entstehungszeit von „Schlock“ noch so rebellisch wie albern, und daher unverkrampft und genießbar.

Regisseur John Landis, der Berühmtheit über solche Hits wie „Blues Brothers“, „Kentucky Fried Movie“, „American Werewolf“ und „Der Prinz aus Zamunda“ erlangte, lieferte mit diesem fast auf Amateurfilm-Niveau gedrehten Streifen sein Regie-Debut ab und steckt sogar höchst persönlich im Affenkostüm, womit er somit gleich auch die Hauptrolle eines Streifens verkörpert, in welchen es sonst so etwas wie Hauptfiguren nicht wirklich gibt.

Von einer kleinen Schar bekloppter Figuren bedient sich Landis immer an jener, die er gerade benötigt in einem Plot, der eher von Situation zu Situation springt, anstatt eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Dank der wirklich vielen gelungenen Gags, die meist dem Bereich des Klamauks zuzuordnen sind, geht das auch vollkommen in Ordnung, auch wenn ich sagen muss, dass nach der ersten schwungvollen halben Stunde ab und an Stillstand herrscht, bevor es mit gleichem Tempo wie zuvor weiter geht.

Dass Landis sich nur wenige Jahre nach der großen Monsterfilmwelle in amerikanischen Autokinos einen Affen als zentrale Figur wählte, kommt sicher nicht von ungefähr, war „King Kong“ doch noch immer eine Berühmtheit, die Flower Power-Welle noch nicht ganz abgebrochen und das Tier somit auch eine tolle Gelegenheit den Hippie auf entfremdete Art darzustellen, und außerdem ließ sich Landis wohl von „Schlacht um den Planet der Affen“, dem letzten Kinofilm dieser berühmten Science Fiction-Reihe, inspirieren, in welchem er im selben Jahr wie "Schlock" immerhin in einer kleinen Rolle mitwirkte.

Natürlich ist die olle Schlock-Maske inmitten von Anarcho-Humor und einer Amateurfilm-nahen Umsetzung nicht so professionell gestaltet wie die Masken der „Planet der Affen“-Reihe, aber das Vieh weiß zu wirken. Landis schien sich bewusst zu sein wie wichtig es ist das Zwischenglied zwischen Mensch und Affe in der richtigen Körperhaltung zu spielen und aus dem richtigen Blickwinkel gucken zu lassen, da war es schon die richtige Entscheidung selbst in das Kostüm zu schlüpfen. Manche Szene wird einzig über die Mimik des Schlocks lustig, z.B. wenn Schlock sich zu einem Musiker ans Klavier setzt und musikalisch loslegt, oder wenn das Tier verwundert vor einem Automaten steht, aus welchem sich Menschen stets Lebensmittel heraus holen können, Schlock jedoch nicht.

Schön ist es zudem mit anzusehen, wie „Schlock“ humoristisch in jede Richtung austeilt. Da werden die Extremen der „heile Welt und alle sollen sich lieben“-Flower Power-Welle ebenso verarscht wie die Institutionen wie Medien und Polizei, die selbiges mit den Bürgern taten. Gleichzeitig kritisiert man auf höchst alberne Art die Schwäche des Amis sich in andere nicht hineinversetzen zu können und Andersartige auszugrenzen. Denn die gelebten Aggressionen Schlocks gehören nun einmal zu seiner Natur und meist will er nur in Ruhe gelassen werden. Hin und wieder zeigt Landis zur Unterstreichung hierfür auch den liebevollen Umgang Schlocks mit Kindern.

Eine solche Szene ist nur eine unter vielen, die Landis nutzt um auch berühmte Werke des Kinos zu zitieren und zu veralbern. Neben dem recht häufig herauszuerkennenden „Frankenstein“ aus den 30er Jahren findet sich z.B. auch ein Verweis auf „2001 - Odyssee im Weltraum“. In einer augenzwinkernden Kino im Kino-Szene, eine Sequenz in welcher nicht nur diesbezüglich Überschneidungen stattfinden, darf man zudem Originalaufnahmen aus „Blob - Schrecken ohne Namen“ und anderen Klassikern sichten. Schön dass ausgerechnet in jenem Moment, in welchem Schicksale wie das von Schlock empathisch in einem Film besprochen werden, es dem Primaten zu langweilig wird, und er das Kino aufgrund mangelnder Action verlässt. Das bietet sich in der heutigen Kinokultur eigentlich noch mehr zum parodieren an als damals.

Wie dem auch sei, „Schlock - Das Bananenmonster“ ist lustig, aber bei weitem nicht so gut wie der treffsichere „Angriff der Killertomaten“. Allerdings ist „Schlock“ wesentlich früher erschienen und nimmt vieles vom bekannteren Independent-Film vorweg. Vielleicht muss man „Schlock“ zu seiner Zeit gesichtet haben, um ihn fair beurteilen zu können. Aufgrund diverser Leerläufe in Kombination mit seiner Episodenhaftigkeit weiß er heutzutage aber nur eher angenehm routiniert zu unterhalten.

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