Sonntag, 26. Mai 2013

MARIA, IHM SCHMECKT'S NICHT! (2009 Neele Vollmar)


Jan macht seiner großen Liebe Sara einen Heiratsantrag, ohne zu ahnen, dass alles mit einer turbulenten italienischen Hochzeit samt Großfamilie ausarten wird, was er seinem Schwiegervater Antonio zu verdanken hat, der mit der Wahl seiner Tochter nicht wirklich einverstanden ist...


Neele, es guckt sich! ...

Über Deutsche und Italiener gibt es unzählige Klischees, und diese häufen sich im Film „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ extrem, bedient man sich doch pausenlos an ihnen, ja sind sie in gewisser Weise doch gar der Kern des Ganzen. Und doch fühlt es sich nicht wirklich wie Klischee an. Woran mag das liegen? Daran dass sie nur Ausgangslage sind, um gegen Ende ein Plädoyer für mehr Toleranz und Individualität zu sein? Oder daran, dass es eine gleichnamige Buchvorlage gab, was einem solchen Film meist gut tut, als lediglich auf einem Drehbuch zu basieren?

Ich weiß es nicht. Vielleicht gehe ich auch nur so gnädig mit dem Klischeemeer um, weil mir der Film gefallen hat und ich diesbezüglich nicht sachlich reagiere, was ja auch durchaus legitim wäre, wenn ein Film es schafft einen derart einzulullen. Wie auch immer, Auslöser diese Komödie von Neele Vollmar zu sichten, für welche „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ der vierte und bislang letzte Langfilm war bei dem sie Regie führte, war für mich die große Rolle von Christian Ulmen im Zentrum, einen Mann den ich immer wieder gerne sehe, mehr sogar noch gerne höre, denn die Art wie er redet bereicherte bisher jedes Projekt das ich von ihm sichten durfte. Die etwas leere „Dr. Psycho“-Serie lebte einzig durch ihn, „Jerry Cotton“ bereicherte er ganz individuell, auch wenn er dort nicht einziger Pluspunkt war, und dass ihm auch etwas ernstere Rollen liegen weiß jeder der den Kino-Hit „Herr Lehmann“ gesehen hat.

„Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ ist interessanter Weise keine romantische Komödie geworden, steht die Verlobte Jans doch gar nicht so sehr im Mittelpunkt wie ihr Vater Antonio, was spätestens dann deutlich wird, wenn erstmals seine Vergangenheit beleuchtet wird. Das tut man in einer derartigen Geschichte keinesfalls als Lückenfüller. Sie wird wichtig für das Gesamte des Films. Das hätte nicht zwingend sein müssen, soll die Buchvorlage doch wohl eine Ansammlung an Kurzgeschichten sein, die man für den Film zu einem Ganzen zusammenführte, da hätte eine solche Szene auch inmitten des Filmes verloren wirken können.

Aber wer auch immer am Drehbuch herumgezimmert hat, er hat seine Arbeit gut getan, so dass sich „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ auch wirklich als komplette Geschichte mit rotem Faden guckt. Da kann man ruhig ein Lob aussprechen. Kritisch ist man zunächst dennoch, denn der Film ist als Rückblick erzählt, und ein Rückblick im Rückblick ist eigentlich eine recht stillose Angelegenheit, ähnlich der eben erwähnten Anhäufung der Klischees. Aber es wirkt. Nicht dass diese Komödie um zwei unterschiedliche Kulturen nun ein großes Erlebnis wäre, der Film plätschert eher angenehm vor sich hin, aber er scheitert zumindest nicht bei solch unterhaltungsgefährdendem Konzept.

Neben Ulmen und der großen Bereicherung Lino Banfi als Schwiegervater mit an Bord zu haben, tut es dem Film sichtlich gut eine Co-Produktion von Deutschland und Italien zu sein, damit schaut sich der Film nicht zu einseitig, auch wenn die Identifikationsfigur ein Deutscher ist. Außerdem finde ich es an einem Film wie diesem immer wieder gut, dass Menschen anderer Kulturen untereinander in ihrer Muttersprache sprechen. Dementsprechend sind viele Momente des Streifens untertitelt, was sich auf der von mir gesichteten DVD auch ordentlich mitlesen lässt. Da „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ im Kino lief, wird es aber wohl der Untertitel der Kinoversion sein und keine eigene DVD-Ausfertigung. Auf jeden Fall schaut sich Zweisprachigkeit in einer solchen Geschichte etwas realitätsnäher, was einem Film, der bereits im Titel in Klischees suhlt, sichtlich gut tut.

Was inhaltlich sehr geglückt ist, und da gehe ich mal davon aus dass wir dies der Buchvorlage zu verdanken haben, ist der Wechsel der Perspektive von Jans Sicht auf Antonios, dessen Vergangenheit mit jedem weiteren Rückblick näher beleuchtet wird, so dass wir ihn mit seinen Schwächen und Fehlern nicht nur besser kennen lernen, sondern auch verstehen. Parallelen zwischen den beiden Hauptfiguren, die zunächst nicht zu existieren scheinen, verdeutlichen sich immer mehr, auch wenn die Grundlage völlig verschiedenen Zeiten und Situationen entspringt. Der Übergang gelebte Ärgernisse zu beseitigen und Verständnis für das Tun Saras zu entwickeln, kommen gegen Ende leider aber doch etwas zu abrupt, das ist der einzige Wermutstropfen in diesem Themenbereich.

Schön hingegen ist der Kniff den Film mit einer Hochzeit enden zu lassen, jedoch völlig anders als gedacht. Da wird wohl jeder Zuschauer überrascht sein, auch wenn man hinterher denkt, dass man es hätte voraus ahnen können. Hinterher ist man halt immer schlauer. So oder so, mit „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ wird man 90 Minuten auf schlichte Art, aber mit einem Hauch Tiefe versehen, nett unterhalten, selbst dann wenn das urige Thema um Kultur-Klinsch einem schon zu den Ohren heraus kommt. Trotz versöhnlicher Botschaft ist das Werk zumindest nicht aufdringlich korrekt ausgefallen. Es ist umgekehrt jedoch auch kein böswilliges Werk. Es ist einfach ein ehrlicher Film, der gerne mal übertreibt, aber doch immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

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