Donnerstag, 30. Mai 2013

50 ERSTE DATES (50 First Dates 2004 Peter Segal)


Endlich trifft Tierarzt Henry Roth die Liebe seines Lebens, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Lucy leidet seit einem Unfall daran kein Kurzzeitgedächtnis mehr zu besitzen und die kann sich schon einen Tag später nicht mehr an Henry erinnern. Der nimmt die Herausforderung an und versucht Lucys Herz jeden Tag aufs neue zu erobern, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Zunächst sieht Lucys Vater das gar nicht gerne...


50 blöde Fehler...

Manchmal möchte man sich Adam Sandler einfach greifen um ihm mal ein paar Ohrfeigen zu verpassen, so ärgerlich sind manche Negativpunkte an Filmen mit seiner Beteiligung, die eigentlich gelungene Werke sein könnten. Ganz vorne an bei dieser Art Ärgernis steht „50 erste Dates“, der eine wunderbare romantische Komödie sein könnte, angereichert mit Elementen aus so wunderbaren Filmen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Vergiss mein nicht“, und der auf völlig unerklärliche Weise einen Humor beherbergt, der im Film eigentlich nichts zu suchen hat.

Neben der Vermenschlichung von Tieren, über die man noch gnädig hinwegsehen kann, da der Held Tierarzt ist und der Film ohnehin eine blauäugige Hollywood-Geschichte erzählen möchte, tauchen Figuren im fertigen Film auf, die weder für die Geschichte wichtig sind, noch die Atmosphäre des Streifens zu unterstützen wissen. Ein alter Opa in einem Restaurant sitzt herum um ständig abfällige Bemerkungen der unkreativen Art zu machen. Eine russische Gehilfin des Tierarztes steht nur für untersten Humor und der beste Freund des Helden bietet neben manch halbwegs nettem Gag immer wieder Fremdschämen, fast im Stil des eben erwähnten Opas.

Richtig unangenehm wird es, wenn Gast-Star Dan Aykroyd hin und wieder auftaucht, einst ein Meilenstein im US-Komikerangebot und Meister der Improvisation. Der ist sich mittlerweile für nichts mehr zu schade und darf nach einem gelungenen ersten Auftritt ein weiteres Mal vorbeischneien, um ähnlich schlechte Sprüche von sich zu geben wie die anderen drei Figuren des Filmes. Nimmt man nun noch ein kotzendes Walross dazu und den krampfhaften Versuch schräge Figuren wie einen Transsexuellen für einige Sekunden mit in die Story zu integrieren, lediglich um sie als Freakshow wirken zu lassen, dann könnte man dem Film voreilig den Zettel an den Zeh hängen und urteilen, der Patient sei am verfehlten Rezept verstorben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Was sich in den ersten 5 Minuten fast komplett unangenehm guckt erfährt dann eine positive Wende, wenn Drew Barrymore mit ihrer Rolle Lucy ins Spiel kommt, und die Geschichte sowohl jede Menge Pfiff als auch ein süßes Gesicht beschert bekommt. Im ernst, welcher Mann fühlt sich nicht von dieser wunderschönen Frau angezogen, und selten sah die gute Drew süßer aus als im hier besprochenen Film, der diesbezüglich nur noch von „Mitten ins Herz“ getoppt wird. Zudem ist sie eine gute Schauspelerin, und im gemeinsamen Spiel mit ihr kommen auch wieder Sandlers positive Seiten ans Licht, der, wenn er denn mal will, ebenfalls gar nicht so schlecht spielen kann. Zu schade dass er sein Potential nur selten offenbart.

Inmitten der eben erwähnten Negativpunkte der besonders aufdringlichen Art, schafft es Regisseur Segal tatsächlich, dass der romantische Teil der Geschichte aufblüht, so immens weiß das Paar vor der Kamera zu wirken und so stark ist die Geschichte, welche die beiden erleben. Klar, Realität wird hierbei ausgeblendet, aber „50 erste Dates“ soll eine RomCom sein, ein Film zum Träumen, und würden die anfänglich aufgezählten Alptraumsequenzen einen nicht immer wieder hochschrecken lassen, könnte der Film auch genau dies leisten.

Die ohnehin schon gute Geschichte erfährt immer wieder einige interessante Wendungen, die weder humoristische noch dramatische Seiten umgehen. Ohnehin ist es dem Film hoch anzurechnen, dass seine dramatischen Szenen so intensiv zu funktionieren wissen, wohingegen die humoristischen häufig, auch in ihren guten Momenten, sicherlich Geschmackssache bleiben. So würde manch einer sicherlich auch den Bruder Lucys zu den Negativpunkten zu Beginn der Review mit aufzählen, wohingegen ich ihn auf geglückte Art als absichtlich stillos empfinde. Und dank einer deutschen Lispelstimme ist auch die Vertonung in Sachen Humorwirkung auf seiner Seite.

Die Komik, die mit der Geschichte automatisch einhergeht, ist zudem Selbstläufer, kann also nur funktionieren und dürfte phasenweise auch beim völlig enttäuschten Publikum ankommen. Auf dem Regiestuhl sitzt ohnehin kein völlig untalentierter Mann. Peter Segal durfte schon mit seinem ersten Langfilm „Die nackte Kanone 33 1/3“ beweisen was er drauf hat, trat er mit dieser Fortsetzung doch in große Fußstapfen großer Erwartungshaltung und lieferte er doch eine recht gute Arbeit mit einem längst verschlissenen Leslie Nielsen ab. Während sein erstes Projekt mit Sandler, „Die Wutprobe“, eher negativer Natur war, weiß „50 erste Dates“ zumindest recht gut zu unterhalten, selbst mit den angesprochenen dominanten Negativseiten. Eine richtig gute Arbeit sollten beide zusammen als Team aber erst mit „Spiel ohne Regeln“ abliefern. Mit diesem endete die Zusammenarbeit mit Sandler auch leider schon. Das ist schon schade, hätte ich mir persönlich doch eher gewünscht Sandler hätte sich mal von seinem Hausregisseur Dennis Dugan getrennt. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Und genau dies lässt „50 erste Dates“ den Freund romantischer Filme immer wieder spüren. Klar kommt dieser Aspekt auch in der Hauptgeschichte herüber, aber selbstverständlich spiele ich wieder auf den Bereich an, über den ich schon seit Beginn der Review nörgle, und wer den Film gesichtet hat wird sicherlich wissen, dass ich damit nicht einmal übertreibe. Zu gerne würde ich eine Art Director‘s Cut sichten, in welcher etwa 5 Minuten Laufzeit fehlen, besagte Figuren und Szenen nicht mehr auftauchen, um am Ende einen Film zu haben, den man am liebsten freundschaftlich drücken möchte, so gut ist das Gefühl dass er einem hinterlässt, selbst mit seiner gewagten Schlussidee, welche die Phantasie des Zuschauers einige Zeit zu beschäftigen weiß.

Sicherlich könnte man sich auch eine Neuverfilmung wünschen, aber dann wäre ja die Besetzung eine andere, und von dieser lebt „50 erste Dates“ dann doch zu sehr, als dass man die wichtigsten Personen da mal eben ausgetauscht bekäme. Leider bleibt dem interessierten Cineasten also nichts weiter übrig als weiterhin in den sauren Apfel zu beißen, um diese zuckersüße, sehenswerte Liebesgeschichte konsumieren zu können. So unangenehm der Beigeschmack auch ist, ich stelle mich alle paar Jahre immer wieder dieser Herausforderung, weil ich weiß wie sehr es sich für die eigentliche Geschichte lohnt.


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