Samstag, 11. Mai 2013

MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR (Driving Miss Daisy 1989 Bruce Beresford)


Miss Daisy bekommt gegen ihren Willen von ihrem Sohn einen Chauffeur engagiert, nachdem sie mit ihrem Wagen einen Unfall gebaut hat. Nach einiger Zeit der Ignoranz kann der schwarze Hoke sie dazu bewegen, sich von ihm endlich fahren zu lassen. Im Laufe der Jahre entwickelt sich auf seine ganz eigene Art eine Freundschaft zwischen den beiden...


Was das Leben wichtig macht...

Es darf schon ein wenig verwundern, dass ein Film, in dem relativ viel Auto gefahren wird, ausgerechnet auf einem Bühnenstück basiert. Schaut man sich „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ an, lässt sich dies allerdings auch gar nicht übersehen, so sehr stehen Dialoge im Vordergrund, wirken Abfolgen von Geschehnissen episodenhaft und schaut sich die Geschichte trotz häufiger Ortswechsel doch fast Kammerspiel-artig.

Das großartige an Beresfords Regie-Arbeit ist die unaufgeregte Erzählweise, entwickelt sich die Geschichte doch ebenso still und sensibel wie die Freundschaft von der sie erzählt. Klischees werden nie bedient, und ins Reißerische rutscht man auch nie ab. Das hätte passieren können, wenn man von einer Jüdin und einem Schwarzen in den Südstaaten erzählt, zu einer Zeit in der rassistische Ansichten zum Alltag gehörten. Aber diese Problematik und der Wandel der Gesellschaft (der Film spielt über mehrere Jahrzehnte) ist ohnehin nie Zentrum des Films. Solche gesellschaftlichen Probleme und Veränderungen sind nur einflussbare Randerscheinungen zweier Menschen, die sich auf recht ungewöhnliche Art durchs Leben begleiten.

Unterschiedlicher könnten beide nicht sein, und so ist es wichtig zwei so starke Persönlichkeiten von guten Schauspielern verkörpern zu lassen. Während Jessica Tandy bereits durch Bühne und Film eine Berühmtheit war (sie durfte bereits eine alte Dame im 26 Jahre zuvor gedrehten „Die Vögel“ spielen), bedeutete die späte Rolle Freemans den Durchbruch für den damals 62jährigen, der 2006 in „The Contract“ noch einmal für Regisseur Beresford vor der Kamera stand.

Der Sohn, die drittwichtigste Rolle, wurde gegen den Strich mit US-Komiker Dan Aykroyd besetzt, was sich als für viele Menschen überraschend passend herausstellte, so dass er später in „Chaplin“ und in „My Girl - Meine erste Liebe“ ebenfalls in dramatischen Rollen vergangener Zeiten eingesetzt wurde, bevor es ruhig um den talentierten und improvisationsfreudigen Aykroyd wurde.

So gut das Trio auch schauspielert, gebührenden Respekt muss man auch der Maske aussprechen, welche die drei auf beeindruckende Art durch 25 Jahre Alterungsprozess begleitet und dabei immer glaubwürdig bleibt. Fallen bei Freeman eher die heller werdenden Haare auf, sind die Erscheinungen des Alterns bei den anderen beiden doch recht raffiniert umgesetzt, bis hin zu den Altersflecken auf Aykroyds Haut, die eher unterschwellig wahrgenommen werden, so wenig wie sie sich aufdrängen.

Aber das ist ohnehin genau der Clou des Films: er drängt sich niemals auf. Man muss schon ein recht unsensibler Zeitgenosse sein, um „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ langweilig zu finden. Ereignislos ist die simple Geschichte nie, und wer selbiges doch so sieht, hat gar nicht erst verstanden worum es in dem Film geht. Um so mehr darf man Beresford und den Autor des Films, der auch für die Vorlage im Theater verantwortlich war, dazu beglückwünschen, die Geschichte nicht mit dem Tod von einem der beiden Protagonisten enden zu lassen, denn der ist gar nicht wichtig für das Zentrum dessen was erzählt werden soll. Am Ende zählen die wichtigen gemeinsamen Augenblicke in einem Lebensabschnitt dem manch einer aufgrund seiner Endgültigkeit schon keine Bedeutung mehr einräumt.

Es ist wichtig was wir aus unserem Leben machen, wie wir es mit Leben füllen. Und es ist wichtig dem Charakter treu zu bleiben. „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ bleibt der Zeit in der er spielt und seinen Charakteren immer treu und spiegelt damit nicht jene Freundschaft wieder, wie wir sie heutzutage verstehen würden. Miss Daisy selbst erkennt diese ohnehin erst recht spät, was aber nicht einmal zum dramatischen Aspekt der Geschichte wird, hat sie doch keine Zeit verloren, sondern, ganz im Gegenteil, diese intensiv gelebt mit Hoke verbracht.

Sicherlich ist das Leben vergänglich, und das sieht man auch am Sohnemann, der im Laufe der Zeit selbst mit diesem Bewusstsein konfrontiert wird und irgendwann selbst ein alter Mann wird, der sich um seine noch ältere Mutter noch immer kümmert. Aber es geht nie um die Erlebnisse auf den letzten Metern, sondern einfach um die Erlebnisse selbst, so schlicht sie auch sein mögen. Und es geht freilich um die Gefühle, die mit ihnen einhergehen. Dass zu Zeiten der Streitgesellschaft, das Gegenstück der heute gelebten Political Correctness, auch die Auseinandersetzungen, die Diskussionen und der Streit zu den positiven Momenten des Gelebten dazu gehören, mag manch einer der in der modernen heutigen Mentalität feststeckt nicht mehr nachvollziehen können, aber das zeigt nur wieviel reifer der Film im Vergleich zur heutigen Gesellschaft ist.

„Miss Daisy und ihr Chauffeur“ begleitet mich nun schon seit meiner Jugend durch mein von Filmleidenschaft geprägtes Leben, und er schafft es noch immer mich zu beeindrucken, mich zu unterhalten und mir ein Wohlgefühl zu bescheren. In einer Zeit der Hektik, der Oberflächlichkeiten und in welcher Leistungsdruck von vielen zum immer wichtiger werdenden Element der Welt wird, zeigt er einem was im Leben wirklich wichtig ist.


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