Donnerstag, 9. Mai 2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (The Raven 1963 Roger Corman)


Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...


Was vom Raben übrig blieb...

Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.


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1 Kommentar:

  1. Wow, den schaue ich mir die kommende Woche mal an. Allein schon wegen dieser Mörder-Besetzung...

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