Sonntag, 18. August 2013

DJANGO UNCHAINED (2012 Quentin Tarantino)


Der Kopfgeldjäger Dr. Schulz kauft den Sklaven Django frei, da dieser ihm dabei helfen soll drei Gangster zu identifizieren. Aus einem Deal wird eine Partnerschaft. Schulz lehrt dem guten Schützen den Job des Kopfgeldjägers, und gemeinsam verdienen sie genügend Geld um Djangos Frau theoretisch freikaufen zu können, die als Sklavin auf einer Farm in Mississippi lebt. Es bedarf jedoch einiger Täuschungen, um den Besitzer zu bewegen die Sklavin frei zu lassen, also schmieden die beiden einen Plan...


Gewalttaten im Namen der Liebe...

Was es bedeuten kann einem Sklaven seine Freiheit im Wilden Westen zu schenken, das thematisierte bereits Mel Brooks Mitte der 70er Jahre in seiner Komödie „Is‘ was, Sheriff?“. Freilich kratzte der zu Klamaukzwecken nur an der Oberfläche, und an dieser kratzt Erfolgs-Regisseur Quentin Tarantino nun wesentlich mehr herum und erzielt dabei ein besseres und unterhaltsameres Ergebnis. Gekonnt vereint Tarantino die Genres Western, Action, Drama, Liebesfilm und Komödie und punktet erneut mit seinen beiden Trümpfen, der Charaktergestaltung und den Dialogen. Die Figuren sind lebendig, griffig und innerhalb Tarantinos Comicwelt überzeugend, zumal er, trotz des Genres Westerns, seine Figuren nie zum Ideal Amerikas macht. Ganz im Gegenteil, der konservative US-Zuschauer muss einiges über sich ergehen lassen und in vielen Punkten einfach mal die Wahrheit ertragen.

Am gelungenen Bild nagt leider ein klein wenig Tarantinos ewiger Drang zur Brutalität. Nicht dass mich das ernsthaft stören würde, wer Tarantino-Filme guckt weiß dass der Mann dies für eine obligatorische Zutat seiner Werke hält, aber um in diese Extreme schwenken zu können begeht der Kult-Regisseur nach etwa 120 Minuten einen Bruch in der Charakter-Logik seiner gelungensten Figur, dem Doktor. Und dass nach dieser Enttäuschung das darauf folgende Feuerwerk von prolliger Ghetto-Musik untermalt wird, lässt die Versöhnung mit dem Zuschauerteil, der nicht dem Proletentum angehört, verzögern. Aber sie kommt dennoch recht schnell, wird nach dieser Dosis Action die Geschichte doch wieder interessant, obwohl sie nun endgültig im Bereich des Rache-Films angekommen ist.

Von zwei bis drei Ghetto-Liedern einmal abgesehen ist die Musikuntermalung wirkungsvoll, und auch das Drehbuch weiß zu gefallen, bietet es doch (wie so oft zur späten Hochzeit des Genres geschehen, welche der Film preist) eine zunächst simple Geschichte, die mit der Zeit an Gehalt gewinnt, bis sie sich schließlich gegen Ende  als recht einfallsreich entpuppt. Zwar wird „Django Unchained“ bei weitem nicht so gehaltvoll wie ein „Spiel mir das Lied vom Tod“, das merkt man beim gefühlten zu frühen Erscheinen des Abspanns recht deutlich, aber auch das lässt das gelungene Bild des Filmes und seines Regisseurs nicht wackeln. „Django Unchained“ ist ein gelungenes Stück Unterhaltungs-Kino, losgelöst wie sein Held von den erzählerischen Ketten der Standard-Ware im Kino, umgekehrt jedoch in seiner erzählerischen Struktur gefangen in den Erwartungen an einen Tarantino-Film.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen