Donnerstag, 17. Oktober 2013

LAST ACTION HERO (1993 John McTiernan)


Durch eine magische Eintrittskarte gerät der kleine Danny in den Film seines liebsten Actionhelden Jack Slater und erlebt dessen Abenteuer mit. Slater wundert sich woher Danny seine Informationen hat, gleichzeitig geht ihm der Bengel jedoch gehörig auf den Keks, weil er immer wieder davon redet Slaters Leben wäre nur ein Film...


Brachial anstatt subtil...

Wenn sich der Drehbuch-Autor von „Lethal Weapon“ mit dem Regisseur von „Stirb langsam“ zusammen tut, um mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle eine Parodie auf das 80er Jahre Action-Kino zu drehen, dann sollte man meinen, dass die richtigen Leute an einem solchen Projekt beteiligt sind. Wer sollte sich bitte besser auskennen als jene Menschen, die das Action-Genre durch ihre Innovationen mitgeprägt haben? Doch was sich in der Theorie so ideal liest, wird in der Praxis gerne mal von der Realität eingeholt. „Last Action Hero“ floppte an den Kinokassen, und dies nicht weil er seiner Zeit voraus war oder zu anspruchsvoll für das Blockbuster-Publikum war, nein, aus dem gerechtesten Grund den es überhaupt gibt um finanziell zu scheitern: er ist eine Enttäuschung.

Als Ausgangspunkt eine magische Eintrittskarte zu nehmen, ist schon nicht die beste Entscheidung, passt aber zum Grundton des Films, der das Action-Genre auf das Niveau eines Kinderfilmes stellt und das erwachsene Publikum ausblendet. Das ist ein Unterschied zu der alternativ möglichen Herangehensweise den Actionfilm aus den Augen eines Kindes erleben zu lassen, ein Unterschied der für den fertigen Film leider nicht zählt. Aber selbst auf dieser Grundlage aufgebaut hätte ein ordentliches Ergebnis erzielt werden können. Denn auch die einzelnen Zutaten klingen in der Theorie sehr reizvoll. Ein Junge gerät in einen Film, später gerät der Actionheld in die Realität und muss der Tatsache ins Auge sehen, dass er lediglich eine erfundene Figur ist, Schwarzenegger darf sich selbst als arrogantes Hollywood-Arschloch spielen wenn er bei einer Premiere auf Slater trifft, Gastauftritte und Anspielungen auf andere Filme gibt es zuhauf, die Bösewichter sind gut gecastet, das Genre wird nicht nur in seinen Schwachpunkten parodiert und die Action kommt trotz Schwerpunkt Komödie auch nicht zu kurz.

Wenn aber nun ein kleiner Junge stets mit schriller Stimme Sachen ruft wie „Au man, ich bin im Film“ wenn etwas atemberaubendes passiert, oder „Ich kann doch nicht mal Auto fahren“ wenn der Bengel einen Kran steuern soll, dann sind wir genau im Kernbereich warum der fertige Film nicht funktioniert. Klar, der Knabe nervt, aber da sind schon ganz andere Produktionen mit fertig geworden. Nein, den Verantwortlichen fehlte es an einer zurückhaltenden, subtilen Grundform, die das Action-Genre mit Respekt hätte parodieren können. Stattdessen stampft man wie ein Elefant durch den Porzellanladen und zeigt mit dem Finger auf die meisten Parodiemomente, damit der Zuschauer sie auch ja nicht übersieht. Immer wieder wird man auf die stolzen Momente hingetreten, so als bekäme man sein Gesicht in eine Toilettenschüssel gesteckt, um bloß nicht den wunderbaren Haufen zu übersehen. Das ist penetrant. Das nervt. Und so geht es bei „Last Action Hero“ am Stück zu.

Ideen für den kleinen Schmunzler, wie der Einfall ein Cartoon-Tier im Präsidium als Polizist arbeiten zu lassen, werden durch unnötige Wiederholungen verwässert. Kurzum: der Film ist bestens geeignet für Menschen fürs Grobe. Wer gerne an die Hand genommen wird, selbst gerne in jenen Momenten „WOOOOW“ ruft, in welchen es auch der kleine Danny tut, und wer quantitative Sehwerte wichtiger findet als psychologisches Feingefühl, der ist in „Last Action Hero“ bestens aufgehoben, ein Film auf den Schwarzenegger zur Erscheinungszeit laut Interviews sehr stolz war.

Schade ist das magere, aber durchaus noch guckbare Ergebnis mit Blick auf seine wirklich genialen Ideen. Trockene Sprüche hagelt es reihenweise, inklusive meinem liebsten bezüglich Falschgeld und dieses für die Alimente an die Ex-Frau verwenden zu wollen. Stallone darf für ein „Terminator 2“-Plakat herhalten und von Slater als toller Actionheld bewundert werden, wenn Danny Slater beweisen will, dass er nur Fiktion ist. Und auch Slater durch die Gefühlshölle schreiten zu lassen, wenn er erfahren muss, dass er nicht real ist, wäre theoretisch auch eine gute Idee, die aber nur im Schnellverfahren abgefertigt wird, anstatt sich diesem seelischen Elend tatsächlich einmal feinfühlig zu nähern. Dass man dafür nicht zur Tragikomödie werden muss oder zu viel Laufzeit in Anspruch nehmen muss, zeigt der passende Vergleich von Danny DeVitos Rolle in „Zwillinge“, in welcher er erfahren muss, dass er nur genetischer Abfall ist.

Kurzum: mit weeeeeit heruntergeschraubten Ansprüchen kann man sich „Last Action Hero“ mal geben. Aber es wird keine kurzweilige Unterhaltung ohne zwischendurch enttäuscht den Kopf zu schütteln und man verpasst auch nichts, wenn man sich den Streifen überhaupt nicht zu Gemüte führt. Am interessantesten ist „Last Action Hero“ dann, wenn man ihn rein theoretisch guckt, um nachzuschauen an welchen Stellen welche Fehler begangen wurden. Wahrscheinlich hätte es aber auch einfach gereicht dem legendären Action-Trio vor Drehbeginn das Wort subtil zu erklären. Das hätte einiges retten können.

Kommentare:

  1. Mittelmäßig? Nee, das ist schon wirklich ein guter. Ein guter Arnie, ein guter Actioner und ein guter 90er Jahre Film. Ich mag den. Sehr sogar.

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  2. Ist vielleicht wirklich ein Zielgruppenproblem. Als ich den als junger Teenager gesehen habe, fand ich den einfach großartig und habe mich regelrecht weggeschmissen. Dies wich dann deutlicher Ernüchterung, als ich mir den Film vor ein paar Jahren mal wieder gegeben habe.

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    1. Ja, genauso war es bei mir auch. In den 90er Jahren fand ich den Film auch ganz toll.

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    2. Fand ihn früher auch toll und hab ihn seitdem nicht mehr gesehen, belasse es aber wohl auch dabei.

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