Samstag, 16. November 2013

EIN RISS IN DER WELT (Crack In The World 1965 Andrew Marton)


Der Versuch den Erdkern zur Energiegewinnung anzuzapfen, endet damit dass ein wandernder Riss in der Erde entsteht, der droht unseren Planeten zu halbieren...


Das Wandern ist des Risses Lust...

Nur 30 Jahre später, und der Film wäre ein waschechter Emmerich-Film geworden. Da kann man nur von Glück reden, dass dem nicht so ist, denn auch wenn „Ein Riss in der Welt“ inhaltlich flacher ausgefallen ist als manch anderer Film aus dieser Entstehungszeit, und auch wenn er sein Hauptaugenmerk auf die Spezialeffekte richtet (quasi alles Zutaten, die geradezu typisch heute in einem Emmerich-Film vorzufinden wären), so besitzt der Streifen doch dank seines Alters einen nostalgischen Charme der ihn letztendlich doch noch zum Hingucker macht. Ob auch Emmerich-Filme dieses Glück haben werden, bleibt abzuwarten, nach 30 Jahren sind wir schlauer.

Misstrauisch darf man diesbezüglich dennoch sein, denn es ist schließlich nicht nur das Alter von „Crack In The World" (Originaltitel) der ihn sehenswert macht. Denn selbst Schrottfilme, um sie mal besonders hart zu bezeichnen, wurden in den 60er Jahren mit einer gewissen Mühe gedreht, während "Godzilla", "The World After Tomorrow" und Co abgesehen von ihren Computereffekten wirken wie schnell heruntergekurbelt. "Ein Riss in der Welt" weiß zumindest zu unterhalten, und dies ohne Zusatz von humoristischen Elementen, auch wenn sich ein gewisser Grad unfreiwilliger Komik bei einem Film dieser Zeit mit solch schräger Geschichte nicht verhindern lässt.

Und da braucht man gar nicht drum herum zu reden, die Story ist komplett bescheuert, aber auch derart naiv erzählt, dass man eigentlich nur noch mit ihr sympathisieren kann. Sie stützt sich schließlich auch nicht wie ein "The Day After Tomorrow" auf möchtegern wissenschaftliche Erkenntnisse. Damals war die Phantasie noch sehr groß, als es um die Frage ging was eine Atombombe alles anrichten kann. Das hier vorliegende auf Zelluloid gebannte Panikprodukt dürfte dem denkenden Menschen von damals zwar keine ernstzunehmende Wahrscheinlichkeit präsentieren, dem Bildleser von einst servierte er aber immerhin rasante, angstschürende Action.

So weit hergeholt die Idee um einen wandernden Riss, der droht die Welt zu halbieren, auch ist, das Mitfiebern des Zuschauers ist groß, weil man sich trotz alledem in diese Nonsens-Situation hineinfühlen kann. Und wenn sich zum letzten Drittel des Films die Situation auch noch zuspitzt aufgrund eines missglückten Plans die Katastrophe aufzuhalten, dann wird der Spannungsbogen trotz allem Schundgehaltes hochgepuscht.

„Ein Riss in der Welt“ braucht keine Charaktere, er braucht auch keine guten Spezialeffekte (für diese ist er mittlerweile für das Auge von heute eh zu alt). Es ist der nostalgische Charme gepaart mit dem Spannungsbogen der diesen Film so sehenswert macht. Seinerzeit waren es die Effekte statt der Nostalgie. "Ein Riss in der Welt" unterhält auch nach all den Jahren noch, und er hat dieses Ziel erreicht ohne je ein namhafter Hit geworden zu sein. Wer Science Fiction der hohlen Art mag gepaart mit dem Genre Katastrophenfilm, der ist mit dieser Regiearbeit von Andrew Marton („Clarence, der schielende Löwe“) bestens bedient. Er hält sich in Sachen unfreiwilliger Komik trotz des mehr als bescheuerten Grundthemas wunderbar zurück.


Weitere Reviews zum Film:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen