Freitag, 8. November 2013

THE BLACK SCORPION (1957 Edward Ludwig)


Ein Vulkanausbruch setzt ein verborgenes Stück Lebensraum frei, in welchem u.a. riesige Skorpione hausen. Ein Forscher-Team nimmt das Gebiet unter die Lupe, ein riskantes Unterfangen wie sich herausstellt...


Nicht alles Gute kommt nach Deutschland...

Es lässt sich kaum zählen, was in den 50er und 60er Jahren so alles an Monsterfilmen produziert wurde. Da gab es viel kurzweiligen und viel lahmen Trash, hin und wieder sogar gelungene Filme, für die der Begriff Trash zu streng klingt. „Black Scorpion“ ist einer der wenigen Beiträge, die sich zu letztgenannter Kategorie zählen dürfen. Auch "Black Scorpion" ist in gewisser Hinsicht dem Trash-Bereich zuzuordnen, aber auch nur aufgrund seines Alters und der Naivität seiner Zeit, nicht aber weil er schlecht erzählt oder schlecht getrickst wäre.

In Sachen Special Effects wurde alles gegeben was seiner Zeit möglich war. Es gibt Stop Motion vom feinsten mit äußerst gelungenen Modellen, Angriffe aus verschiedensten Perspektiven, das Übereinanderlegen von Bildmaterial um Massenfluchtszenen mit Tierszenen zu kombinieren und noch vieles mehr. Die Tricks lassen somit schon mal nicht zu wünschen übrig. Die Kreaturen selbst sind mit Skorpionen für das Monster-Tier-Horror-Genre auch gut gewählt. Man sieht sie jedoch erstmals nach 30 Minuten.

Schlimm ist das nicht. In den ersten 10 Minuten wird eine gute Atmosphäre aufgebaut, die weiteren 20 Minuten beginnen sich nun zu ziehen. Das ist der kleine Wermutstropfen des Filmes den man ihm jedoch leicht verzeihen kann, denn danach wird man mit einem Tempo belohnt wie es eher typisch für die heutigen Horror- und Actionfilme wäre, nicht aber für das Erscheinungsjahr 1957. Ein Spezialeffekt folgt dem nächsten, ähnlich wie in den Hohlstreifen eines Emmerichs, mit dem feinen Unterschied dass es neben dem groben Getue auch Feinheiten zu betrachten gibt. Da gibt es mitten in der Schlacht einen Stromschlag wegen eines menschlichen Fehlers, da erleben wir eine Welt unter der Erde, in der es noch andere Wesen außer der Skorpione gibt, und da erleben wir Feindlichkeiten sogar unter den Skorpionen. Das sind allerhand nette Ideen.

Dass die Geschichte an sich typisch naiv verläuft und aufgrund dessen auch einige Fehler liefert sind alles Zeichen der Entstehungszeit, ebenso der positive Umgang mit der Berufsgruppe der Pfarrer. Ein solcher wird freilich als selbstloser Sympathisant eingesetzt, traurig, aber so war die bravere US-Kinozeit nun einmal. Nichts davon ist Grund genug sich über etwas ernsthaft zu ärgern, dafür macht „The Black Scorpion“ viel zu vieles richtig. Der Vergleich zu „Formicula“ dürfte nicht nur nahe liegen, der Film dürfte sogar drauf angelehnt sein.

Trotzdem gibt es einen Kritikpunkt zu äußern, über den nur der Trash-Fan und der Filmnostalgiker gnädig hinweg sehen kann, da dieser Punkt unfreiwillig belustigt. In den Nahaufnahmen haben die Skorpione fast menschliche Gesichter. Sie haben Kulleraugen, sie sabbern mehr als Huutsch aus "Scott und Huutsch" und sie sehen viel zu niedlich aus. Mal ganz davon abgesehen, dass in den Stop Motion-Aufnahmen, in welchem die Viecher als komplette Tiere gezeigt werden, im Gesicht ganz anders aussehen.

Mich stört es nicht. Im Gegenteil, ich finde es sympathisch, dass sich darum damals keiner der Verantwortlichen geschert hat. Es ist nur ein Film. Die Engstirnigkeit heutiger Zeiten gab es damals nicht, nicht im Bereich der Trivialunterhaltung. „The Black Scorpion“ ist immerhin trotz dem Fakt dass er banale Unterhaltung bieten soll abwechslungsreich erzählt. Nach besagter etwas zäher halber Stunde ist er nur noch kurzweilig und temporeich und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Für seine Zeit geht er sogar recht ruppig mit den Menschen um, freilich ohne blutige Details zu zeigen. Es wundert quasi, dass ein solch wunderbarer Film es in all den Jahren nie nach Deutschland geschafft hat. Wenn man einmal bedenkt, dass so etwas immerhin Mistfilmen wie "Angriff der Riesenkralle" und „Das todbringende Ungeheuer" gelungen ist, die schon zu ihrer Zeit unterdurchschnittlich gewesen sein müssten, ist das schon sehr traurig.


Weitere Reviews zum Film:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen