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Sonntag, 17. November 2013

THE BUTCHER (1991 Maik Ude)


Ein Streich dreier Jugendlicher endet tödlich für das Opfer, welches später wieder lebendig wird um als Killerzombie Rache zu nehmen...


Missachtung der FSK...

Wenn ein 15jähriger mit etwas jüngeren und etwas älteren Kumpels einen eigenen, kleinen Horrorfilm auf die Beine stellt, dann ist das sicher nichts was man als Außenstehender gesehen haben muss, aber mit den richtigen Augen betrachtet ist das fertige Produkt durchaus einen Blick wert. Mit seinem kindlichen Charme guckt sich dieses Amateurprodukt relativ angenehm, auch wenn ihm Inhalt, Sinn und Talent fehlen. Der Trupp männlicher Jugendlicher hat einfach mal nachgedreht was er in den „Freitag der 13.“-Filmen und diversen Zombiefilmen gesehen hat, typisch Teen freilich ohne das ganze zu reflektieren und in der Gesamtheit zu verstehen, sondern einfach jene Oberfläche abgrasend, die einen in jungen Jahren an solchen Horrorfilmen wichtig war.

Der Unterhaltungswert ist für den Normalzuschauer gering, nur wer sich empathisch in das Denken und die Gefühlswelt der Flegeljahre hineinfühlen kann, kann verstehen was Maik Ude und seine Freunde auf die Beine gestellt haben. „The Butcher“ krankt an allen Jugend-Fehlern die ein solcher Film haben kann: Selbstgespräche in Soloszenen, Hauptaugenmerk auf Goreeffekte, fehlendes Einfühlungsvermögen in Personen und Situationen. Viele Fans wird ein solcher Film nicht gewinnen.

Betrachtet man ihn aber als Jugendprojekt, losgelöst von irgendwelchen Institutionen wie Schule und Kirche, völlig eigenhändig umgesetzt, dann ist Ude mein Respekt gewiss, erst recht wenn ich bedenke was wir damals selbst mit 18 Jahren für einen Jason-Ableger gedreht haben, und der war wesentlich uninspirierter umgesetzt als „The Butcher“, reichte es uns doch damals mit Ketchup Blut ins Gesicht und an die T-Shirts zu zaubern, während Ude sich im Gorebereich ordentlich austobt. Da erkennt man jeden Trick, z.B. wenn die Jacke nach dem Köpfen über den Kopf gezogen wurde, beim Armabhacken der besagte Arm plötzlich wesentlich länger aussieht als zuvor und Metzgerutensilien vom Körper einer Leiche gemampft werden. Aber um Echtheit geht es in solchen Szenen beim Betrachten eines solchen Werkes nicht. Es geht darum dabei zusehen zu dürfen, wie junge Geister experimentieren und dabei noch an der Oberfläche dessen kratzen, was man tatsächlich kreativ nennen könnte.

Die 90er Jahre-Generation war die Videogeneration in welcher Kinder Filme sahen, die für ihr Alter noch gar nicht gedacht waren, und „The Butcher“ ist ein Beispiel dafür wie man das Gesehene verarbeiten und sein geliebtes Hobby zelebrieren kann. Der Film ist harmloser als er sein will, auch wenn konservative Köpfe das Treiben der Jungspunde sicher als bedenklich und fragwürdig empfinden. Eltern, die in Gastauftritten teilnehmen, scheinen von dem Hobby der Kinder auch nicht sonderlich überzeugt zu sein und spielen der Pflicht wegen uninspiriert einmal mit. Schaut man sich das Massaker an, das Ude hemmungslos zelebriert, kann man sich vorstellen wie unwohl sich die Eltern gefühlt haben müssen, nicht wissend wie sie das Hobby ihres Sohnes einzuschätzen haben.

„The Butcher“ ist lediglich ein blutrünstiger Kinderfilm, deswegen ist es ein bisschen dreist, dass die DVD auf dem Cover vorgibt mehr zu sein als dies. Ein Amateurfilm a la „Aberracion“, „Slasher“ oder „Violent Shit“ ist es nicht geworden, dafür sind die Verantwortlichen zu jung. Um so lustiger ist es auf dem Cover von einem strengsten Jugendverbot zu lesen, dann hätten die Kids zur Entstehungszeit ja ihr eigenes Filmchen nicht gucken dürfen. Wie albern, aber auch ein Zeichen dafür wie engstirnig man in Deutschland noch immer mit Horrorfilmen umgeht. Filme ab 18 gehören in Amerika zur Jugendkultur, nur Deutschland hat sich nie ehrlich dieser Horrormentalität geöffnet, dabei kenne ich kaum wen, der damals nicht als Minderjähriger Spaß mit harten Filmen des Genres hatte.

Leider ist der Ton sehr schlecht, was direkt in der ersten Szene auffällt, in der man von einem Dreiergespräch so gut wie nichts inhaltlich mitbekommt. Die Qualität der Optik ist auf Video-Niveau mit den typischen Fehlern die dabei auftreten können, wie z.B. ein Wellen werfendes Bild. Die Musik mixt Metal mit dem Soundtrack von „Freitag der 13.“, die Story dümpelt orientierungslos vor sich hin, lässt zwischendurch auch mal ein paar Zombies aus unerfindlichen Gründen auferstehen (mit Laub zugedeckte Körper erheben sich), damit diese daraufhin wieder erschossen werden können. Dass „The Butcher“ bei all dem Brimborium und seiner sich ewig im Kreis drehenden Geschichte zu lang ausgefallen ist, ist fast schon selbstverständlich.

Als 25-Minüter wäre er richtig nette augenzwinkernde Unterhaltung aus Kinderhänden gewesen. Zu diesem Zeitpunkt gab es sogar einen Schluss, der unnötiger Weise wieder erweitert wurde (wobei ich denke dass Ude seinerzeit einen Teil 2 gedreht hat und 1 und 2 zu einem 60-Minüter später zusammengeschnitten hat), so dass der Spaß am Gesehenen mit der Zeit immer mehr schwindet. Somit wird das simple, wie gleichzeitig interessante Produkt schlussendlich doch zu anstrengend um von einem sympathischen Ergebnis zu sprechen. Aber geht man fair mit „The Butcher“ um, was sicherlich schwer fällt, dann kann man ihm genug Respekt entgegen bringen und mehr in ihm sehen als pure Zeitverschwendung.


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