Mittwoch, 26. März 2014

ADAPTION. (2002 Spike Jonze)


Charlie Kaufman will ein Drehbuch zu einer literarischen Vorlage schreiben, ohne diese zu verfälschen. Da es in dem Buch vordergründig lediglich um Pflanzen geht, stößt er an die Grenzen seines Könnens...


Die böse Stimme aus dem Off...

Nicolas Cage, nein, was wird er immer Opfer von Gespött, weil er es liebt zu übertreiben, selbst dann wenn man es nicht sollte. Somit passt er hervorragend in diesen Film hinein, einen den man gesehen haben sollte, wenn man nicht glauben kann oder will, dass dieser Mann auch anders kann. Er tut etwas das er nicht darf, jedoch nicht in diesem Film und deswegen passt er hinein? Was für ein wirres Zeug schreibt Schlombie da?

Drehbuchautor Charlie Kaufman arbeitet zunächst an einem Drehbuch zu einem Buch, im nächsten Schritt schreibt er hierfür über sich selbst. Der Drehbuchautor von „Adaption.“ ist Charlie Kaufman, der für diesen Film also über sich schreibt, bzw. über ein Fake-Ich, so wie Malkovich in „Being John Malkovich“ sein eigenes Fake-Ich spielte, in einem Film der übrigens auch aus der Feder Kaufmans stammt. Ein Erfolgsrezept wird damit nicht plump wiederholt, auch wenn zudem der Regisseur beider Filme der selbe ist. „Adaption.“ geht als Tragikomödie in eine völlig andere Richtung und zeigt anhand authentischer Monologe und eigentlich recht belanglos wirkender Passagen, was in Menschen vorgeht, speziell im Kopf eines einfallsreichen Autors ohne Ideen.

Kaufman ist der Mann wilder Ideen. Seine Filme treten gängige Erzählstrukturen mit den Füßen, Strukturen für die Theoretiker morden würden um ihre Richtigkeit zu unterstreichen. Und Kaufman stellt uns im hier besprochenen Streifen einen solchen Mann seinem eigenen Ich gegenüber, einer der glaubt zu wissen wie ein Drehbuch auszusehen habe, und der den Bruder Kaufmans (auch von Cage gespielt) inspiriert ebenfalls ein Drehbuch zu schreiben. Der eigene Bruder verlässt sich auf vorgekaute Formeln, während Kaufman, berühmt für seine schrägen Ideen, diesmal so wenige hat, dass selbst das braven Mustern folgende Drehbuch seines Bruders besser ausfällt als seine bisherigen Entwürfe zum aktuellen Projekt.

„Adaption.“ erzählt davon dass man anders sein muss als das was angeblich richtig ist. Er erzählt davon dass man sich verändern muss, oder es tut ohne es zu wollen, was auch immer. Aber auf jeden Fall dass es kein richtig oder falsch gibt. Und damit passt Nicolas Cage hervorragend in diese Geschichte, zumal er gegen seinen Ruf besetzt ist und stille Töne in Mimik und Gestik einbaut anstatt wie verhasst überzuagieren. Er pfeift auf das Erwartete ebenso wie der Fake-Kaufman, der innerhalb der Geschichte nicht nur ein Seminar seines mentalen Feindes aufsucht, sondern auch noch einen seiner Ratschläge beherzigt, der so unsinnig klingt, der Geschichte aber Recht geben soll. Somit wird das grundlegend Falsche richtig wenn es in der Ausnahme der tut, der sich sonst dem richtigen zuwendet. Alles läuft konsequent gegen den Strich in einer Erzählung, die uns vorgaukelt man wäre als Zuschauer gerade bei der wahren Entstehung jenen Drehbuches beteiligt, dessen Film man gerade sichtet.

Das ist alles nur halb so verwirrend umgesetzt wie es sich in diesem Text lesen mag, und es ist auf seine ganz eigene Art einfallsreich, tiefsinnig und keineswegs gewöhnlich. Und doch hat „Adaption.“ nicht das Kaliber eines „Being John Malkovich“ oder „Vergiss mein nicht!“, beides Werke die vor Ideen nur so übersprudeln und beide auf ganz eigene Art zu bewegen wissen. Der eine als bösartige Satire, der andere als lebensbejahende Satire mit einem ungewöhnlichen Mix aus Science Fiction und Lovestory. „Adaption.“ ist im direkten Vergleich zu gewöhnlich, lässt auf ruhigere Art die kreativen Wellen höher schlagen, und ist damit im Vergleich zu den anderen Kaufman-Werken ein Abbild dessen wovon er erzählt: das Gegenteil servieren zum Entgegensetzen von Erwartungen.

Hier spiegeln sich Ebenen wieder aus Filmrealität, Buchrealität, Traumsequenzen und eine uns vorgegaukelte Realität, die wir freilich nicht sichten, da wir einen Film sehen. Kaufman provoziert mit diesem Realitätskarussell, provoziert gleichzeitig mit Banalität und damit dass sein Film vordergründig nichts erzählt bevor er gegen Ende ins absichtlich Reißerische abgleitet, um einem vorzugaukeln nun würde doch etwas passieren. Und dabei passiert das Eigentliche versteckt, versteckt und doch offen vorgetragen per Off-Kommentar, ein Stilmittel das von Theoretikern, zumindest laut Film, als billiges Stilmittel eines Autors gilt, ist ein Off-Kommentar doch der leichteste Weg etwas unkreativ auszudrücken.

Doch auch wenn ich das eigentliche Herzstück des Streifens in der zweiten, bzw. fast dritten Reihe parkend für mich entdeckt habe und damit für mich herausgefunden habe wie tief „Adaption.“ tatsächlich geht, mehr als ein sich wohlfühlend gekitzelter Intellekt kommt für mich dabei nicht heraus. Kino, das eigentlich aufwühlen und bewegen könnte, so wie es Kaufman mit seinen in dieser Review erwähnten Vergleichsfilmen geglückt ist, ist „Adaption." nicht geworden, solche Gefühle kommen in mir beim Sichten von der hier besprochenen Tragikomödie nicht auf, ebenso wenig wie ein Identifizieren mit Situationen und Figuren. Letztendlich guckt sich der Film einfach zu theoretisch, vielleicht etwas vergleichbar mit „Human Nature“, der, ebenfalls aus der Feder Kaufmans stammend, ebenfalls vor Ideen nur so übersprudelte, als Komödie zudem mit hervorragendem Humor versehen war und doch zu distanziert blieb, da er keine wirklichen Emotionen beim Zuschauer duldete.

Dass Kaufman-Filme aufgrund ihres kreativen Geistes auch in der distanzierten Ausfertigung interessant sind und unterhaltungstechnisch einen gewissen Spaß versprühen, will ich ihnen gar nicht abstreiten. Trotzdem ist es verglichen mit seinen Werken die dies zulassen traurig wie viel Potential dabei verloren geht, wenn man den Zuschauer nicht tief genug eintauchen lässt. „Adaption.“ ist ein interessantes Werk, weit weg vom Durchschnitt. Aber er ist mir zu theoretisch um ihn wirklich als Empfehlung empor heben zu können. Der intellektuelle Geist eines Filmes bleibt eben doch nur ein Gerüst, wenn die Figuren, die Emotionen und die Situationen nicht zu Fleisch werden. Klingt das jetzt zu sehr nach Cronenberg?


Weitere Reviews zum Film:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen