Samstag, 8. März 2014

VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL (Kyûketsu Shôjo tai Shôjo Furanken 2009 Yoshihiro Nishimura u.a.)


Das Vampirmädchen Monami hat sich in Mitschüler Jugon verliebt und macht ihn zu ihresgleichen. Keikon, die ebenfalls in Jugon verliebt ist, findet Monamis Geheimnis heraus und muss kurz darauf sterben. Ihr Vater erweckt sie mit Hilfe vom Blut des Vampirs jedoch wieder zum Leben und der Kampf der Untoten um die Liebe Jugons beginnt. Der weiß zunächst gar nicht zu wem von beiden er halten soll...


Mary Shelley auf Extasy...

Dass der moderne Vampirfilm sich oftmals einen Dreck um die alten Regeln kümmert, zeigen Erfolge wie „Twilight“ und scheinen ihnen recht zu geben. Was meiner Meinung nach dort aufgrund mangelnder anderer Pluspunkte und einer eher typischen Erzählweise jedoch negativ auffällt, wird in einem Werk wie „Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ zum Pluspunkt, ist der Streifen der Regisseure Nishimura und Tomomatsu doch alles andere als ein Durchschnitts-Film geworden, selbst für asiatische Verhältnisse.

„Kyûketsu Shôjo tai Shôjo Furanken“ (Originaltitel) ist aber umgekehrt auch nicht das erste Werk seiner Art, er gehört lediglich einer Welle von Veröffentlichungen an, die an ein relativ kleines Publikum gerichtet sind, ein Publikum welches Streifen jenseits des Jenseits von Mainstream konsumiert. Ein Film wie der hier besprochene ist noch verstrahlter als ein „Invasion aus dem Innern der Erde“, hektischer als der wirre „Kung Fu Zombie“ und einfach so eine Sache für sich.

Ob mir das was ich da sah gefällt, konnte ich beim Sichten eine Zeit lang gar nicht für mich beantworten, so sehr hat mich der poppige Stil ertränkt im Extremklamauk überrannt. Ich war auf vieles eingestellt, aber auf solch eine irrsinnige Umsetzung nicht. Nachdem ich ihn gestern in fröhlicher Runde tapfer bis zum Schluss gesehen habe, kann ich aber behaupten, dass er mir durchaus Spaß gemacht hat, zumal sich die zweite Hälfte (ob nun durch Gewöhnung oder durch einen Gang zurück geschaltet) angenehmer geguckt hat als die erste.

„Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ pfeift wie erwähnt auf die gängigen Vampir-Regeln, erschafft aber so herrlich schräge neue, dass es ein Spaß ist zuzusehen. Da flüchtet der Bluttropfen eines Vampirs auf dem Fußboden vor einem Schrubber, da benötigt ein Vampir einen Mantel um, flugunfähig wie man als Blutsauger hier ist, von oben zur Erde gleiten zu können, da wird das eigene Blut als eine Art Schwertwaffe im Kampf gegen den Feind verwendet und vieles mehr.

Der Einfallsreichtum findet sich jedoch auch in anderen inhaltlichen Bereichen: Wiedererweckung funktioniert über Schrauben, Vampir-infizierte sehen Menschen als Blutadergefäße umherwandern, Augäpfel dienen als Brustwarzen-Waffen und mein persönliches Lieblingsbeispiel an abgedrehter Ideen: ein Zombie bastelt sich zur besseren Fortbewegung aus Körperteilen einen Propeller mit dem er umherfliegt. Den debilen Schwachsinnsideen sind hier keine Grenzen gesetzt. Manches Mal bedient man sich auch an Ideen anderer Werke, so z.B. an das Kombinieren diverser nicht zusammengehörender Körperteile zum Erwecken einer selbst kreierten Kreatur, ganz im Sinne von „Bride Of Re-Animator“.

Insgesamt macht das muntere, wenn auch arg anstrengende, Treiben das einen vom Bildschirm her anstrahlt Spaß, letztendlich war ich aber auch froh als der Film endlich vorbei war. „Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ ist ein Film für sich, und wer Japankost der sehr anderen und arg albernen Art mag, der wird hier bestens bedient, auch wenn die deutsche DVD-Fassung um 3 1/2 Minuten gekürzt ist. Ich weiß nicht was da fehlt, aber an morbiden Ideen und Blutfontänen mangelt es hier nicht. Viel extremer können die fehlenden Effekte kaum sein. Vielleicht fehlen aber auch nur Handlungsstränge, die man an europäische Sehgewohnheiten angeknüpft weggekürzt hat. Da der Streifen jedoch so gar nicht den Sehgewohnheiten Europas entspricht, wäre dies allerdings eine besonders unsinnige Aktion innerhalb einer grundlegend unsinnigen Unart mit Kunst umzugehen.

Wer es beim sehr gelungenen „Let Me In“ übrigens schade fand, dass der Junge für das Vampirmädchen nicht nur Mittel zum Zweck war, der wird sich über die finalen Überraschungen in „Kyûketsu Shôjo tai Shôjo Furanken“ freuen. Mit der Art wie dieser Schlussgag in Kombination mit der Gleichgültigkeit seines männlichen Helden vorbereitet wird, kann man diese Überraschung definitiv als gelungen betrachten, so dass selbst in einem überdrehten Popkorn-Film der chaotischsten und überdrehtesten Art noch ein Hauch wirksamer Psychologie durch den Raum schwebt.

Um zum Schluss aber noch einmal auf den eingangs erwähnten „Twilight“ zu sprechen zu kommen: trotz der im Zentrum stehenden Lovestory besitzt „Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ übrigens genau so viel romantisches Potential wie dieser, nämlich gar keines. Der Unterschied: das hier besprochene Werk denkt nicht eine Sekunde daran romantisch sein zu wollen (trotz des üblichen Drangs der Japaner selbst in Extremwerken wie „The Happiness Of The Katakuris“ in Kitsch baden zu wollen, ein Drang der hier einfach nicht auftauchen möchte). „Twilight“ setzt es ins Zentrum um daraufhin gnadenlos daran zu scheitern. Ach, da darf man als Cineast ruhig mal schadenfroh werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen