Sonntag, 27. April 2014

HALLOWEEN 2 - DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK (Halloween 2 1981 Rick Rosenthal)


Michael konnte entkommen, obwohl mehrmals auf ihn geschossen wurde. Laurie kommt ins örtliche Krankenhaus, doch auch dort ist ihr der monströse Killer auf den Fersen...


Die selbe Nacht des Grauens...

Für eine Fortsetzung des legendären Kult-Horrors von John Carpenter, der zu meinen absoluten Lieblings-Horrorfilmen schlechthin gehört, ist „Halloween 2“ schon ein wenig enttäuschend ausgefallen. Obwohl er auf der einen Seite auf dem optischen Stil des Vorgängers aufbaut, sind es doch viele Kleinigkeiten die Teil 2 nicht die fesselnde Atmosphäre bescheren wollen, die das Original so einzigartig macht und manchen Unsinn der Geschichte vergessen ließ. Ob es die neue Maske Michaels ist, die auf zu düster getrimmt ist, ob es der Soundtrack ist, welcher den von Teil 1 auf 80er Jahre-Stil modernisiert, oder ob es der zeitgemäße Drang der Verantwortlichen ist, Messer Messer sein zu lassen, und Michael auf Jason-Art abwechslungsreicher morden zu lassen, um optisch grausamere Szenen zeigen zu können, all dies arbeitet gegen eine dichte Atmosphäre und einen hohen Spannungsbogen.

Michael weiß nie zu überraschen. Man weiß immer vorher wo er zuschlagen wird, was den Verlauf des Films in seinem möglichen Nervenkitzel zu sehr ernüchtert. Hin und wieder, wenn Regisseur Rosenthal John Carpenter kopiert, der in Teil 2 u.a. noch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich war, bekommt auch er atmosphärische Aufnahmen hin, z.B. wenn er Michael aus dem Dunkeln langsam ins Helle treten lässt und ihn damit wie ein Phantom aus dem geglaubten Nichts wirken lässt. Auf eigenständige Art schafft er solche Kunststücke jedoch nie.

Klar, ein Ergebnis wie Teil 1 war nicht mal eben noch einmal nachzuschieben, das brauchte man nicht zu erwarten. Aber der fehlende Spannungsbogen macht Teil 2 schon ein wenig enttäuschend. Gibt man sich aber erst einmal mit weniger als erwartet zufrieden, weiß auch die Fortsetzung zu unterhalten, gewinnt sie doch allein deshalb an Charme, weil sie in der selben Nacht wie Teil 1 spielt. Wo hatte man dies vorher schon einmal erlebt? Die wichtigen Figuren von einst sind alle noch mit an Bord, auch wenn wenige, wie der Sheriff, bereits nach kurzer Zeit ersetzt werden.

Drei Jahre nach Teil 1 gedreht wirkt auch keiner der Schauspieler gealtert. Da hat die Maske wahre Wunder vollbracht, auch wenn ihr das biedere erwachsene Aussehen von Laurie Strode dafür entgegen kam. Der optische Stil des Originals, das Aussehen der Figuren aus Teil 1, all dies ist jedoch wesentlich einfacher wieder hinzubekommen als das Verhalten Michaels aus psychologischer und strategischer Sicht. Und selbst dieses schwierige Unterfangen hat man geschafft einzuhalten. Es gibt keine Widersprüche im Verhalten des ominösen Killers. Und dass man dessen Hintergrund nicht beleuchten sollte und nie dem Warum seiner Unzerstörbarkeit nachgeht, hat man glücklicher Weise ebenfalls begriffen.

Ob man Michael seiner Mystik beraubt hat, weil man ihm einen Hintergrund für seine Taten im letzten Drittel beschert, vorher bereits durch Traumsequenzen Lauries angedeutet, sei einmal dahingestellt. Die Deutungsvielfalt des Originals geht sicherlich damit flöten, um eine Fortsetzung interessant zu halten und das eigentliche Nichts an Story ein wenig zu erweitern, ist die Idee jedoch gut zu nennen, nicht nur im Hinblick auf die Fortsetzungen ab Teil 4, die davon zehren konnten, auch Teil 2 hat diese Erweiterung dringend nötig, um nicht im völligen Leerlauf zu enden.

Für meinen Geschmack kommt der Versuch diesen zu unterbrechen etwas zu spät, mordet doch Myers fröhlich monoton, wenn auch wie erwähnt im unterschiedlichen Stil, vor sich hin, während hin und wieder zu Laurie geblendet wird, die von einem Mitarbeiter des Hospitals bezirzt wird und bis auf das Finale nicht wirklich wichtig für den Verlauf der eigentlichen Handlung ist. Für diese muss das Krankenhauspersonal herhalten, das aber zu oberflächlich charakterisiert wird, als dass man sich für deren Schicksal interessiert, zumal Rosenthal wie erwähnt die Spielerei wann ein Opfer nun zum Opfer wird weg lässt.

Loomis darf in der Zwischenzeit mit dem Kollegen des Sheriffs aus Teil 1 die Stadt nach Michael absuchen. Und auch wenn man versucht diesen Momenten etwas Abwechslung zu bescheren, wenn nach einem Brand die Frage offen ist, ob Michael noch lebt oder nicht: der Zuschauer weiß ohnehin dass er lebt, hat von diesem Erzählzweig somit nicht viel, zumal die Dramatik dieses eigentlich bösartigen Irrtums nicht eingefangen wird. Zumindest macht ihr Fehlen noch einmal das unterkühlte Verhalten Loomis deutlich, der mit dem Festbeißen in den Fall Michael längst seine Seriosität verloren hat, was die Glaubwürdigkeit unterstreicht warum damals in der Anstalt niemand auf die warnenden Worte dieses Mannes gehört hat.

Man versucht also so einiges um gegen eine monotone Wirkung der Geschichte anzukämpfen. Meiner Meinung nach hat man dies aber nicht wirklich geschafft. Es sind die Dinge die vom Original übernommen wurden, die nicht zulassen, dass „Halloween 2“ auch nur ansatzweise langweilig werden würde. Etwas zu gewöhnlich kommt Rosenthals Werk mit diesem Nichts an Story bei fehlender dichter Atmosphäre und fehlendem Spannungsbogen jedoch schon daher, so dass am Ende nur Freunde der Reihe zufrieden gestellt werden und Freunde harter Bilder. Da ich mich zu erstgenanntem Zielpublikum dazu zähle ist mein Eindruck trotz aller Kritik noch immer positiv ausgefallen. Für die meisten anderen dürfte „Halloween 2“ jedoch nur lahmer Durchschnitt sein.

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