Sonntag, 8. Juni 2014

[REC]² (2009 Jaume Balagueró, u.a.)


Ein Seuchenexperte geht mit einem SWAT-Team ins Haus der Infizierten um an eine Blutprobe für ein Gegenmittel zu gelangen...


Teuflische Zombies...

[Rec]“ war seinerzeit neben „Paranormal Activity“ und „Cloverfield“ der Film, der den Hype um Found Footage-Werke wieder aufleben ließ, dementsprechend waren die Erwartungen für die zwei Jahre später erscheinende Fortsetzung recht hoch. Wer nun glaubt den x-ten Zombiefilm zu sichten, der sich lediglich in seiner Wackelkamera-Optik von den Dutzenden Produktionen pro Monat unterscheidet, die den DVD-Markt überschwemmen, der täuscht sich, gehen die Regisseure Plaza und Balagueró, die auch für Teil 1 verantwortlich waren, mit dem vorliegenden Stoff doch völlig anders um als man es je erwartet hätte, denn die von Teil 1 geglaubte Story wird um einige Zusatzinformationen derart erweitert, dass das ganze mit der im Zombie-Genre mitschwimmenden Infizierten-Welle kaum noch etwas zu tun hat.

Die neuen Erkenntnisse sind mutig und schwachsinnig zugleich zu nennen, weswegen es sehr schwer fällt über „[Rec]²“ zu urteilen. Mit seinen neuen Elementen wird die „[Rec]“-Reihe, die angeblich mit Teil 4 enden soll, zum Horrorcocktail aus Infizierten-Story und Exorzismus-Horror. Das wird manch einem sicherlich nicht schmecken, zumal dem Christentum damit freilich wieder einmal hinten herum Wahrheit bescheinigt wird. Aber zumindest haben es die Christen mal wieder selbst versaut, das weiß die Wogen für Atheisten wie meiner einer Richtung Versöhnung zu glätten.

Interessant ist der Storyaufbau zu nennen, der relativ kurz nach Teil 1 spielt, gekonnt Elemente des Vorgängers verarbeitet, so dass der Streifen trotz seines radikalen Richtungswechsels äußerst kompatibel mit Teil 1 wird. Die Geschichte setzt an zwei Punkten an, die nicht parallel nebeneinander herlaufen, sondern zunächst nacheinander erzählt werden, bevor sie aufeinandertreffen um das Finale gemeinsam zu beschreiten. Leider muss man mit der recht einfallslosen Wahrscheinlichkeit klarkommen, dass sich zwei Kamerateams im Haus der Vorkommnisse von Teil 1 befinden. Das ist schon sehr zufällig. Aber zumindest wissen die Drehbuchautoren auf dieser wackeligen Grundlage einiges herauszuholen. Teilweise kommt die an sich unsinnige und so provokativ andere Geschichte recht gewitzt daher.

Leider steht sie meist nervigen Charakteren gegenüber und einer Optik, die mir ein wenig zu sehr Geschenk für Ego-Shooter-Freaks ist. „[Rec]²“ wird damit zu sehr Nerd-Film, zumal die Zombies fast eh nur bei ruckeligem Bild zu „sichten“ sind, was den Sehwert nicht gerade bereichert. Auch wird der Zombieaction wesentlich mehr Beachtung geschenkt als dem Spannungsgehalt, der Teil 1 spätestens im Finale so unglaublich packend gucken ließ. Teil 2 kümmert sich mehr um äußere Schauwerte und seinem penetranten Kampf gegen Zuschauererwartungen, so dass dies zwar Momente-weise die Fortsetzung aufwertet, aber nicht auf Komplettfilm-Basis zu gefallen weiß. Das Gesamtprodukt hinterlässt eher einen unbefriedigenden Eindruck, obwohl wirklich vieles für ein Lob der Autoren und Regisseure spricht, so z.B. ihr Kniff mit dem auf die Kamera zugeschaltetem Bild der Leute vom SWAT-Team.

„[Rec]²“ wird nie langweilig und weiß somit zumindest halbgar zu unterhalten. Wer mit den Charakteren warm wird, kann sogar einen unterhaltsamen Videoabend erleben. Ich konnte mich nicht mit Situation und den Figuren identifizieren. Für mich blieb die Fortsetzung ein zu theoretisches Produkt, dass sicherlich vieles richtig macht, dies aber nicht zu einem einheitlichen und vor allen Dingen atmosphärischem Ganzen zu verschmelzen weiß. „[Rec]²“ ist definitiv anders und kein reiner Mitläufer in der Zombie/Infiziertenwelle, er übernimmt sich jedoch mit seinem inhaltlichen Wandel, der es aufgrund seiner arg trashigen Grundidee ohnehin schwer gehabt hätte einen kompletten Film auf seinen Schultern zu tragen. Nettes Experiment, durchaus sehenswert, aber kein wirklich unterhaltsamer Filmgenuss!

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