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Sonntag, 20. Juli 2014

NATÜRLICH BLOND (Legally Blonde 2001 Robert Luketic)


Nachdem sie sitzen gelassen wird, weil ihr Tussi-Getue der Politkarriere ihres Freundes schadet, studiert Elle in Harvard Jura um es allen zu zeigen...


Natürlich doch dumm...

„Natürlich blond“ ist zwar naiv erzählt, aber auch kurzweilig, witzig und mit Witherspoon in der Hauptrolle gut besetzt. Der Film schippert seicht daher und weiß 90 Minuten lang auf ganz schlichte Art zu unterhalten. Aber muss eine Geschichte wie diese wirklich gleich so extrem naiv daher kommen, wie es für Hollywood-Verhältnisse üblich ist? Ist eine Spur von Logik denn schon zu viel verlangt?

Wie oft liest man, dass Witherspoon in diesem Film zeigt dass auch eine Blonde intelligent sein kann und sich gegen die Welt behaupten kann. Schön und gut, aber dafür hätte man ein Drehbuch gebraucht dem dieser Aspekt auch wirklich am Herzen liegt. Was uns in „Natürlich blond“ präsentiert wird ist eine pfiffige Blondine, klug in ihrem Interessenbereich, aber dumm genug im Verlauf des Filmes nur geistfreies und oberflächliches zu tun. Dass sie im Laufe der Story die Karriereleiter hoch schreitet, verdankt sie lediglich ihrem Glück. Ihr Wissen über Dauerwellen, Beautyschuppen und ähnlichem helfen ihr die kleinen und großen Probleme im Studium und im Praktikum zu meistern. Nie fordert das Drehbuch sie auf über ihre Grenzen hinweg zu agieren und damit zu beweisen wie klug sie nun wirklich ist.

Ich weiß, man kann schon sehr pingelig sein. „Natürlich blond" soll geistfrei kurzweilig unterhalten, und das tut er schließlich auch. Aber ich denke mal dass auch ein seichter Film nicht zwangsläufig auf Kosten der Logik seine blauäugige Story präsentieren muss. "Pretty Woman" war auch alles andere als realitätsorientiert erzählt, aber er war innerhalb seines Universums, 90 Minuten für sich eingeschlossen glaubwürdig. Elle kauft man ihren Erfolg aufgrund ihres peinlichen Denkens und Verhaltens nie ab.

Spätestens wenn die von Witherspoon so passend verkörperte Blonde zum Ende des Films ihren Schritt in die große Karrierewelt tut und mitunter die beste Studentin ihres Jahrgangs war ist dies völlig an den Haaren herbei gezogen. Wieviele Justizfälle, die für den Zuschauer aus Zeitgründen ausgeblendet werden, werden denn noch mit ihrem Schickimicki-Wissen zu tun gehabt haben? Wann hat sie mal außerhalb ihrer Beautywelt mehr getan als irgend etwas auswendig zu lernen? Und was hat auswendig lernen mit Intelligenz zu tun? Das sind Fragen die nicht beantworten werden, deren Antwort aber in den übersprungenen 3 Jahren vermutet werden können, ein von Zuschauerseite wohlgesonnener Rettungsanker, um auf den an sich heiter und kurzweilig erzählten Film nicht mehr zu schimpfen als nötig.

Was bleibt ist eine Komödie für Träumerinnen, ein Film für dumme Püppchen zur Selbstwertsteigerung und ein kleiner Streifen für Menschen wie mich, die sich hin und wieder gerne auch mal unter Niveau ein locker flockiges Filmchen angucken mit einem Naivitätsgehalt hoch zehn. Die bessere Alternative wäre jedoch eine geistfreie Komödie gewesen ohne das Makel der vollkommenen Unglaubwürdigkeit.


Weitere Reviews zum Film:

Kommentare:

  1. Hast du den zweiten Teil auch gesehen? Wie denkst du über den? (Nach dem traurigen DTV-Spinoff frage ich gar nicht erst.)

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  2. Teil 2? Ein schrecklicher Film, der gegen Ende noch leicht den Bogen bekommen hat. Aber allein die noch belanglosere Story lässt es nicht zu ein gleichwertiges Ergebnis abzuliefern. Kann man meiner Meinung nach mit "Miss Undercover 2" vergleichen. Einen Kurzkommentar zu "Natürlich blond 2" habe ich sogar mal verfasst, dolle ist der aber nicht:
    http://schlombies-filmbesprechungen.blogspot.de/2014/01/naturlich-blond-2.html

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  3. Ja, Teil 2 finde ich ähnlich schrecklich. Deine Beobachtungen zum ersten finde ich interessant; ich sehe die Entwicklung der Figur allerdings etwas anders - es geht, denke ich, hauptsächlich um Selbstachtung, und auf der Linie funktioniert die Story schon stimmig. Teil 2 schafft es dann irgendwie, diese Entwicklung komplett über Bord zu werfen, damit derselbe Bogen nochmal erzählt werden kann.

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    1. Ja, das ist der klassische Fortsetzungsfluch, der auch oft in Kinderfilmen wie den Fortsetzungen zu "In einem Land vor unserer Zeit" vorzufinden ist. Geläuterte Bösewichter werden wieder böse, Gelerntes wird verworfen und muss erneut erlernt werden. Was in Serien wie "Die Simpsons" und "Hör mal wer da hämmert" nur im geringen Maße nervt, kann dem Sequel eines Films enorm schaden.
      Ob der erste "Natürlich blond" gut damit fährt Elle Selbstachtung erfahren zu lassen, indem sie in ihrer Schickimicki-Welt bestätigt wird anstatt sich charakterlich weiter entwickeln zu dürfen, ist aber sicherlich ein berechtigter Punkt über den man diskutieren könnte.

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