Dienstag, 23. September 2014

SOLO FÜR ZWEI (All of Me 1984 Carl Reiner)


Durch einen unglücklichen Zufall landet die Seele einer reichen, zu Lebenszeiten ewig kranken Klientin in die rechte Körperhälfte des Anwalts Roger Cobb...


Schüttel, schüttel...

„Solo für Zwei“ war für Steve Martin der Sprung zur weltweiten Berühmtheit. Seine Rolle als Roger Cobb brachte ihm den Titel bester Komiker des Jahres 1984 ein, und wenn man Martin spielfreudig beim Herumalbern zusieht, kann man das auch gut verstehen. Wie er auf offener Straße mit sich selbst um die Richtung kämpft, in welche gegangen werden soll, wenn er auf geradezu weibische Art männlich vor Gericht auftritt und wenn er auf seinen Finger guckend mit sich selber schimpft ist das urkomisch, was aber auch daran liegt dass für „Solo für Zwei“ ein sehr lustiges Drehbuch vorlag, eines mit dem Mut zu Albernheiten ohne je in den billigen Klamaukbereich hinein zu rutschen.

Aber auch die wenigen subtilen Momente weiß Steve Martin zu meistern. Er ist nicht nur der Extrem-Clown, den er in seinen Werken immer wieder freudig herauszuhauen wagt, er kennt auch die grauen Zwischentöne, ebenso wie der Autor der hier besprochenen Komödie, der es zwischendurch schafft Tragikomik aufkommen zu lassen, die eine echte schmunzelnde Traurigkeit beim Zuschauer hinterlässt, kurz bevor er wieder vor Absurditäten loslachen darf, in einer wilden, schrägen und recht abenteuerlichen Geschichte.

Diese ist eigentlich Nonsens pur, im Vergleich zu „Reichtum ist keine Schande“ und „Ein Single kommt selten allein“ aber zumindest eine richtige mit Gehalt angereicherte Geschichte. Die Anzahl der schrägen Ideen und skurrilen Gags mag im direkten Verleich zu den Vergleichsfilmen heruntergeschraubt sein, aber die angewandte Anzahl harmoniert auch gleich viel mehr mit der Stimmung des fertigen Filmes, bremst Tempo weder aus, noch puscht es dies unnötig, und nie wirkt ein Witz fehl am Platz, nicht einmal wenn ein großer Schwarzer mit Sonnenbrille albern mit piepsiger Stimme sprechen darf, da die Seele der Verstorbenen sich nun in ihm befindet.

„Solo für 2“ ist sprudelnd komisch, bietet innovative Story-Ideen, kreuzt trotz Geister-Thematik nie den Horror-Bereich und hängt sich nur sehr selten an mit der Geschichte einher gehende Klischees. Den größten Pluspunkt landet man in der Umgehung dieser meiner Meinung nach mit dem Vermeiden dem Auslöser einen Voodoo-Hintergrund zu verleihen.

Stattdessen dürfen indische Hintergründe herhalten, die sich nicht so verbraucht wie schwarze Voodoo-Klischees anschauen, und Dank des schrägen Einsatzes eines spielfreudigen Richard Libertini als der Guru Prahka Lasa, bleibt dieses Alternativ-Klischee auch bis zum Schluss ein sprudelndes Meer an Komik. Allein wie der Guru Klavier spielt oder die Toilettenspülung mit dem Klingeln des Telefones in Verbindung bringt, bringt mich auch bei der x-ten Sichtung noch immer zum lauten Lachen, so lustig ist die Mimik des guten Mannes, eingebunden in absurde Situationen.

Die Komik des „Solo für Zwei“ ist nicht mehr so laut und provozierend wie die der von mir geäußerten beiden Vergleichswerke Steve Martins, sie findet die Mitte, ohne dass „All of Me“ (Originaltitel) dafür gleich in den Mainstream-Bereich abrutscht. Dafür ist er viel zu eigenständig und gewagt erzählt, und dafür findet er viel zu sehr seine eigene Handschrift in einer perfekt getimten Erzählung. „Solo für Zwei“ ist Komödien-Kunst, weit entfernt von Massenware und ewig wiedergekäuerter Story-Fragmente.

Dass es zwischen Steve Martin und Victoria Tennant während der Dreharbeiten funkte, was die beiden für einige Jahre zum Paar inklusive Hochzeit machte, macht den wunderbaren „Solo für Zwei“ auch privat für Steve Martin zu einem wunderschönen Erlebnis. Dass dieses Erlebnis während der Dreharbeiten stattgefunden hat, beflügelt mich als Zuschauer zusätzlich, auch wenn der romantische Aspekt des Streifens nur angedeutet wird und eigentlich auch nicht mit der Rolle Tennants stattfindet, sondern mit der Rolle der gern unterschätzten Lily Tomlin. Schön dass sie hier einmal vor einem großen Publikum in einem Kinoerfolg zeigen durfte was in ihr steckt - auch wenn sie im hier vorliegenden Fall dafür eigentlich in wem anders steckt.


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