Mittwoch, 12. November 2014

SCHULE (2000 Marco Petry)


Abiturient Markus möchte 15 Tage vor Schulabschluss mit seiner Clique noch eine Nacht am See verbringen, so wie man es all die Jahre jeden Sommer tat, ohne Sandra, seine 15jährige Freundin. Die fühlt sich ausgegrenzt und sucht Trost beim zwielichtigen Stone. Markus erkennt erst spät was er falsch gemacht hat...


Pulheim...

Okay, dass fast jeder gekifft hat kam erst einige Jahre nach meiner Jugend auf, und auf die Schulsituation speziell bezogen war ich eine stille, graue Maus. Überträgt man die Erlebnisse, Charaktere und die Mentalität von Marco Petrys „Schule“ jedoch auf Jugendmomente im Schul-unabhängigen Freundeskreis und im breiteren Rahmen zwischen Jahre vor und Jahre nach dem Schulabschluss, sind die Übereinstimmungen ansonsten doch überragend hoch. „Schule“ guckt sich so authentisch wie eine amerikanische Teenie-Komödie für einen Deutschen logischer Weise nie sein kann.

Die Kleinstadt, die Art zu reden, der Schulalltag, fern der nur wenige Jahre nach „Schule“ folgenden Handy- und Internetgeneration, für die sich der hier besprochene Film sicherlich etwas fremdartiger guckt als für Schüler der 90er und späten 80er Jahre, hier stimmt einfach alles, hier atmet man eigene Erinnerungen, während Fremdfiktionen das ganze konzentriert und dramaturgisch ideal verpackt präsentieren. Wenn Axel Stein, der angenehm natürlich spielt, über spezielle Bereiche der Matheklausur schimpft, dann ist es nicht nur die Situation, die einem vertraut vorkommt, sondern auch der Jugendslang, der das ganze so köstlich und nostalgisch verpackt.

Mit Jasmin Schwiers, eine der süßesten Jungdarstellerinnen die mir jemals unterkommen ist, ist man nah an der Gefühlswelt Markus‘ gebunden, und ich muss gestehen, sie erinnert mich optisch wie charakteristisch stark an meine erste richtige Freundin damals, und da weiß ein Film bei mir freilich um so mehr zu wirken. Markus Gegenpart Stone bleibt kein Bösewicht, wie es in einem US-Film typisch wäre. Wir lernen ihn kennen, merken anhand stiller Andeutungen dass Sandra mehr für ihn ist als eine erneute Eroberung, und bevor Brühl einen emotionalen Monolog vortragen darf, der die ganze Thematik des Streifens noch einmal emotional zusammenfasst, darf Stone im stillen Vier-Augen-Gespräch mit Markus einen nicht minder emotionalen Monolog halten, der den Nichtwirklich-Schurken entgültig für den Zuschauer greifbar macht. Erstmals im Film verhält er sich erwachsen, was eventuell eine kleine Hoffnung für ihn sein kann, um endlich aus dem Stillstand herauszukommen, in welchem er sich gefangen fühlt.

Oh ja, „Schule“ ist hochemotional erzählt, suhlt dabei nicht im Kitsch, sondern fühlt sich immer echt und nie gewollt an. Aber an Lustigkeit wird nicht gespart. Mehr noch, trotz der treffsicheren Dramaturgie wird „Schule“ nie zu einer Tragikomödie wie „Der Frühstücksclub“. „Schule“ ist eine Komödie, will lustig sein und ist dies auch, hauptsächlich wegen der gelungenen und pointenreichen Charakterzeichnung der einzelnen Figuren, aber auch wegen so abgedrehter Ideen wie alles was mit Karbrüggen zu tun hat oder der herrlich schrägen Idee eines übergroßen aufblasbaren Pinguins auf dem Dach einer Tankstelle, dem die Luft ausgeht, während die Schüler von der Polizei kontrolliert werden.

Kurzum, Petry ist ein Film geglückt, ob per Intuition oder durch authentischste Verarbeitung der eigenen Schulzeit, für den man ihn umarmen möchte. So war unsere Jugend in der Kleinstadt, so haben wir geliebt, gelitten, gefeiert, geredet, kurzum: so waren wir drauf, und es ist schön seinen eigenen Erinnerungen einen kleinen Schupps geben zu können, indem man den vollkommen geglückten „Schule“ guckt, an dem gerade einmal zwei kurze Momente ziemlich zu Beginn stören (Der Lehrer-Schnubbi-Spruch und das Bläschen), die tatsächlich derart kurz ausgefallen sind, dass es eigentlich eine Schande ist, dass ich in diesem Text überhaupt darauf verweise. Zu spät! Geschehen!

„Schule“ entführt einen zurück in die eigene Schulzeit, in die ich zwar nie im Leben zurückkehren möchte, an die mich aber freilich jede Menge schöne, traurige und prägende Erinnerungen ketten. Es ist schön dank Petrys Film das alles noch einmal nachfühlen zu dürfen, denn allein durch die bloßen Erinnerungen geschieht dies nicht so emotional wie mithilfe dieses Werkes, das von großartigen Jungdarstellern getragen wird. Dass Jasmin Schwiers Sandra mich so enorm an meine erste Liebe erinnert, ist freilich ein Bonus den andere nicht haben werden, so dass andere nicht ganz so intensiv im Film aufgehen können wie ich. Dank der kompletten Authentizität die „Schule" atmet dürfte der Effekt für andere Kleinstädter meiner Generation trotzdem noch sehr intensiv sein. Schließlich geht es hier um viel mehr als um eine olle Teenie-Romanze.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen