Sonntag, 28. Dezember 2014

DIE TANZMEISTER (The Dancing Masters 1943 Malcolm St. Clair)


Stan und Ollie betreiben eine Tanzschule, stehen aber kurz vor dem Rauswurf weil sie pleite sind. Obwohl sie selbst in Nöten sind helfen sie einem Freund dabei mit seiner neuen Erfindung, den unsichtbaren Strahlen, an Fördergeld zu gelangen...


Versicherungen, Bananenschalen und eine versteckte Bar...

„Die Tanzmeister“ ist der dritte in den FOX-Studios produzierte Dick und Doof-Film nach „Schrecken der Kompanie“ und „Dick und Doof als Geheimagenten beim FBI“. Er guckt sich auch wesentlich entspannter als die ersten zwei Versuche Laurel und Hardy in ein Konzept hineinzuzwängen, welches ihre klassischen Filme um Normen anderer Filme erweitert. Die hier besprochene Komödie wirkt wie ein verzweifelter Rückschritt zu alten Ufern, und wird dem fertigen Streifen damit zum Vorteil, gehört er doch neben „Stierkämpfer wider Willen“ zum besten was die beiden Komiker unter den strengeren Produktionsbedingungen von FOX abgedreht haben.

Eine Geschichte braucht hier niemand suchen. Die gibt es nicht. Der Storyverlauf ist gar holpriger und sinnloser eingebracht als in alten Hal Roach-Filmen, die sich diese Kritik immer gefallen lassen mussten. Trotz solcher Schritte zurück zum alten Stil krankt auch „Dick und Doof - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) wie viele der FOX-Produktionen mit den beiden Komikern an zu dominanten Nebenrollen.

Unangenehm fällt in erster Linie die Rolle des jungen Erfinders aus, von der man nicht weiß was die Autoren eigentlich mit dieser bezwecken wollten. Er ist ähnlich trottelig wie die beiden Helden, was ihn je nach Sichtweise entweder zum extremeren Sonderling macht oder Dick und Doof zu normaleren Personen. Eigentlich soll er aber eher ein liebevoller Versager sein, der seine Herzensdame gewinnen soll, was aber dann doch nicht mehr interessiert, da es plötzlich doch eher um seine Karriere geht, und um die zu einem Happy End zu führen baut man auf das diesbezüglich holprige Verhalten eines Unternehmers auf. Was ein Drehbuch!

Ob gewollt oder nicht: wer ebenso wie bei Erni und Bert meint nach homosexuellen Verweisen bei Laurel und Hardy suchen zu müssen, der wird wenn hier fündig werden, wenn Stan Laurel seine Tanzstunden in Frauenkleidung abhält und die klassische Rollenverteilung in Sachen Finanzen, Haushalt etc. immer wieder Ollie als Mann und Stan als Frau positionieren. Das ist zwar Unsinn, „Gehopst wie gesprungen“ (Alternativtitel) will lediglich entspannt unterhalten und Homosexuelles weder fördern noch veralbern, aber wer nach „Hinweisen“ sucht wird auch immer irgendwie fündig werden.

Der Aufhänger dass Dick und Doof Tanzmeister sind, ist nicht von großer Bedeutung und spielt nach der ersten viertel Stunde auch keine Rolle mehr. Das tut dem Film auch sichtlich gut. So darf man dem üblich chaotischen Treiben folgen anstatt endlosen Tänzen, und zu den Highlights zählen diesmal eine Bananenschalenszene (man soll‘s nicht glauben), eine wahnwitzige Busfahrt und das Szenario rund um ein Versteck im Schlafzimmer. Den ahnungslosen Stan unbedingt verletzen zu wollen, um an das Geld der Versicherung zu gelangen, macht aus Ollie in einer längeren Phase des Streifens eine bösartige Person und damit zu jemanden, den wir so nicht kennen. Daran erkennt man die Fremdautoren, denen die Psychologie seiner Figuren nicht vollends bewusst waren, was glücklicher Weise aber selbst in den FOX-Produktionen ein einzelner Ausrutscher bleiben sollte.

Ich persönlich mochte Stan und Ollies ersten Langfilm „Hinter Schloss und Riegel“ nicht, u.a. weil dort auf recht unwitzige Art getanzt wurde. Deswegen tat ich mich etwas schwer mich auf „The Dancing Masters“ (Originaltitel) einzulassen. Um so erleichterter war ich, dass dem Tanzen nicht viel Beachtung geschenkt wird, und die wenigen Ausnahmen charmant lustig ausgefallen sind. Am Ende war trotz aller Skepsis  „Laurel und Hardy - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) gar einer der kurzweiligsten und lustigsten FOX-Filme mit den beiden Comedy-Stars, aber auch der konfuseste, sind seine Storyfragmente doch noch viel mehr Ausrede und Alibi als in anderen Dick und Doof-Komödien.


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