Samstag, 17. Januar 2015

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (The Incredible Shrinking Man 1957 Jack Arnold)


Monate nachdem Scott Carey einem fremdartigem Nebel auf hoher See ausgesetzt war, beginnt er zu schrumpfen...


Kompromiss: Käsekuchen...

Jack Arnold war ein Vieldreher, der bis Anfang der 80er Jahre als Regisseur tätig war. Denkt man an sein Gesamtwerk denkt man sicher eher nicht an Filme wie „Per Saldo Mord“, „Ein tollkühner Draufgänger“ oder „Sex Play“, man denkt an seinen großen Einfluss auf die Monsterfilme der 50er Jahre, z.B. an „Tarantula“ und „Der Schrecken vom Amazonas“. Ein Film dieser Dekade steht meiner Meinung nach aber qualitativ über den anderen seiner Streifen dieser Art (vielleicht weil ihm eine Novelle als Vorlage diente), und das ist „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, in welchem Arnold die Idee von Riesenmonstern umdreht und nicht Tier oder Mensch zum Ungetüm groß wachsen lässt, sondern einen Mann klein, damit Tiere in ihrer herkömmlichen Größe zur gigantischen Bedrohung werden.

Auch wenn man sehr viel Wert auf die für ihre Zeit wirklich großartig umgesetzten Spezialeffekte legte, so bietet „The Incredible Shrinking Man“ (Originaltitel) zum Funktionieren der Geschichte auf der Leinwand doch etwas noch viel wichtigeres als diese. Er konzentriert sich auf die Dramatik des Stoffes, lässt uns über Off-Kommentare dem schrumpfenden Helden emotional besonders nah kommen und nimmt trotz kleiner humoristischer Elemente die Leiden, die phantastische Situation und den Helden ernst, so dass der Film nie den Bereich der unfreiwilligen Komik streift, ob nun aufgrund seines übernatürlichen Stoffes oder aufgrund der über die Jahrzehnte veränderten Sehgewohnheiten des Publikums. Empatische Figurennähe weiß zu jeder Zeit zu wirken.

Jack Arnold lässt sich Zeit für die Geschichte, lässt erst einmal das Schrumpfen weniger Zentimeter zum Problem werden, um dieses genau auszuleuchten bevor Scott Carey zur halben Größe schrumpft. In diesem Zustand angekommen pausiert der eigentliche Aufhänger zunächst, jedoch nicht um den Film unnötig in die Länge zu ziehen, sondern um das Seelenleben des Protagonisten genauer unter die Lupe zu nehmen, um seine Trauer und seine Wut besser kennen zu lernen, was ganz wichtig ist, weil man dann besonders nah dran ist, wenn Arnold eine tiefschwarze Zwischen-Pointe setzt, gerade zu jenem Zeitpunkt als Carey wieder neue Hoffnung in sich aufkommen fühlt.

Was dem nach einem gehörigen Zeitsprung folgt ist nun der Thriller-Teil der Geschichte, der nah am Horror angelehnt ist, dabei die Tragik der Geschichte aber nie aus den Augen verliert. Je nach Größe Careys wird zunächst eine simple Hauskatze zur Bedrohung, was großartig inszeniert ist, auch wenn der arg geschrumpfte Carey etwas durchsichtig durchs Bild läuft (der einzig nicht wirklich geglückte Spezialeffekt) und später gar eine im Keller lebende Spinne.

Mit dem Beginn der Keller-Episode sind wir aber nur noch hintergründig im Science Fiction- und Horrorbereich unterwegs. Von hier an schaut sich „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ nun wie ein Abenteuerfilm, der Held selbst zieht offen Vergleiche zu Robinson Crusoe. Hier macht sich die detailreiche Riesenwelt durch die der kleine Mann stolpert nun besonders bezahlt, erweist sich das Drehbuch doch als höchst einfallsreich was alles zur Gefahr werden kann und warum.

Zwar wird man sich je nach Sprachfassung nicht einig ob Carey nun hungrig ein Stück Kuchen oder ein Stück Käse ergattern will und deswegen dem Überlebenswillen geschult den Kampf gegen die Spinne angehen muss, aber das kann man schon nachvollziehen, wenn man das übergroße Stück Kuchen/Käse sieht, das tatsächlich nach beidem aussieht. Unfreiwillig komisch wird dies erst im Originalton mit deutschem Untertitel, da der Untertitel sich an der Deutschfassung orientiert und nicht an der englischsprachigen.

Ob Katze oder Spinne, Arnold verzichtet auf künstliche Monster und hat echte Aufnahmen der Tiere verwendet, was bereits in der Katzenszene trotz überschaubarer Tricks großartig wirkt, in den Spinnenszenen aber geradezu unheimlich wird und das sicher nicht nur für Leute wie mich, die unter Spinnenangst leiden. Wenn man bedenkt wie sehr es Bert I. Gordon immer wieder versucht hat Monsterfilme mit echten Tieren zu drehen, indem er diese hochprojezierte, was lediglich „Die Rache der schwarzen Spinne“ zu einem positiven Ergebnis verhalf im Gegensatz zu „Beginning of the End“ oder „In der Gewalt der Riesenameisen“, der aufzeigte, dass dies Gordon nicht einmal in den 70er Jahren gelang.

Ganz anders die liebevolle Arbeit von Arnolds Spezialeffekte-Team, welche nichts hochprojezieren, sondern den Helden vor einer Leinwand spielen lässt, auf welche wohlausgesuchte Tierszenen im Hintergrund laufen. Für seine Zeit war das sehr glaubwürdig umgesetzt und ließ im Gegensatz zu Gordons Versuchen zu, dass Monster und Mensch sich gegenüber stehen konnten, zusammen im Bild agierend und nicht nur getrennt voneinander.

Man kann tatsächlich von Glück reden, dass es Arnold so wichtig war den dramatischen Bereich in den Mittelpunkt zu stellen, denn wenn der Film geradezu philosophisch empatisch am Schicksal des Helden gebunden schließt, ist dies nach all den atemberaubenden Momenten und der hochinteressanten Geschichte tatsächlich noch der Höhepunkt des Streifens. Arnold trennt sich von uns auf eine liebevolle, herzerwärmende Art und Weise und lässt uns dabei nachdenklich zurück. Nicht mit überholtem reißerischen Pathos, wie es ein „Formicula“ tat, sondern mit zarten Worten, vielleicht etwas zu naiven um wirklich von weise zu sprechen, aber zumindest doch bewegenden Worten, so dass der Film einen genau auf diese Art allein lässt: emotional bewegt.


Weitere Reviews zum Film:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen