Mittwoch, 7. Januar 2015

KOKOWÄÄH (2011 Til Schweiger)


Henry ist Drehbuchautor und bekommt die Chance ein Buch für einen Kinofilm zu schreiben. Dafür muss er mit einer Ex-Freundin, welche die Autorin der Buchvorlage ist, zusammen arbeiten. Kaum soll es losgehen, da steht plötzlich Magdalena vor Henrys Tür, seine acht jährige Tochter von der er nichts wusste und um die er sich von nun an kümmern soll. Hilfe erhält er etwas widerwillig von dem Mann, der bislang dachte er wäre Magdalenas Vater...


Typisch Til...

Es schaut sich entspannend Klischee-frei wie Til eine nicht selten erzählte Geschichte um ein plötzliches Kind erzählt bekommt, gerade wenn man den US-Markt im Kopf hat, mit dem man in der Regel bei Familienstoffen zugebombt wird. Nicht dass „Kokowääh“ frei von Kitsch wäre, aber dieser Kitsch kommt ganz natürlich mit dem Erzählten auf, lässt Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger seine Geschichte doch einfach geschehen, zugegeben im Feel Good-Modus ohne schmerzhafte Problematiken, aber genau das macht seine Komödie um einen überforderten Vater letztlich gerade aus.

Ein wenig musste ich mich an Tils Tochter Emma gewöhnen, welche die Magdalena mimt. Ähnlich wie der Herr Papa gehört deutliche Aussprache nicht gerade zu ihren Vorzeigetalenten. Und die passive Art in der sie zunächst eingebracht wird ist ungewöhnlich zu nennen. Aber auch dies funktioniert letztendlich alles und gehört schlussendlich mit zur authentischen Aura des Streifens. Am Ende empfand ich die Leistung der Kleinen als sehr glaubwürdig und altersgerecht, und darauf kommt es letztlich an. Ihr Niedlichkeitsfaktor liegt nicht über einem erträglichen Wert, was „Kokowääh“ ebenso wie das Umgehen aufgezwängter Moral vom Nerv-Kitsch vergleichbarer Stoffe trennt.

Tils Gegenspieler Samuel Finzi kannte ich bislang nur aus seiner großartig gespielten Rolle als böser Stiefvater in „Delphinsommer“. Wenn man dieses Drama so oft und so intensiv gesehen hat wie ich, tut man sich zunächst ein wenig schwer diesen Mann von dieser Rolle zu trennen. Glücklicher Weise habe ich es geschafft, so dass ich sein Spiel auch hier genießen konnte, eine Rolle die toll geschrieben ist, immer hilfsbereit genug, um das Klischee des bösen Gegenspielers zu umschiffen, aber genervt genug, um Henry rein aus Prinzip nicht zu mögen. Die Gradwanderung aus glaubhaftem Schmerz und komödiantischer Leichtigkeit meistert Finzi, so scheint es zumindest nach außen, mit links, so dass seine Darstellung jener aus dem Sekten-Drama in nichts nachsteht.

Ein unverkrampftes Drehbuch und sympathische Gesichter vor der Kamera machen „Kokowääh“ zu einem angenehmen Filmerlebnis, das ich mit Sicherheit noch einmal vom Regal zur Zweitsichtung heraus nehmen werde. Der leichte Stoff ist schön erzählt, lässt sich dabei Zeit für Unnötigkeiten, die deutlich machen dass der Stoff trotz recht reibungslosem Ablauf ernst genug genommen wird. Und der Verzicht auf eine Stellungnahme wie man ein Kind zu erziehen habe tut der Komödie inmitten von Zeiten von Leistungsdruck und von vorgegebenen pädagogischen Irrwegen endgültig gut. Man fühlt sich beim Sichten regelrecht von falschen Zwängen befreit, während eine süße Geschichte einem das Herz wärmt, ohne dass man nach Ende der Wirkung das Gefühl hat sich hinterher dafür schämen zu müssen. Toller Film!


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