Sonntag, 11. Januar 2015

THE DEVIL'S ROCK (2011 Paul Campion)


Zwei neuseeländische Soldaten schleichen sich 1944 auf einer Insel in eine deutsche Festung. Einer stirbt, der andere gerät in Gefangenschaft. Der Oberbefehlshaber der Deutschen ist der letzte Lebende seiner Truppe. Er versucht den Gefangenen davon zu überzeugen, dass die Frau, die er ebenfalls gefangen hält, eine Dämonin ist, die für den Tod seiner Männer verantwortlich ist...


Traue niemals dem Feind...

Ja ja, die Nazis und ihre verrückten übernatürlichen Ideen die Welt zu erobern! Auf diese fixe Idee bauen etliche Horrorfilme auf, und diesmal geht es wieder mal um Hitlers angebliche Leidenschaft für das Okkulte. In den meisten Fällen fallen Billigfilmchen dieser Thematik arg trashig aus. Ernst nehmen kann man sie aufgrund ihrer naiven Grundlage alle nicht, und „The Devil‘s Rock“ ist da leider auch keine Ausnahme. Allerdings muss ich ihm zugestehen, dass ich lange Zeit geglaubt habe es hier mit einem besseren Vertreter seiner Zunft zu tun zu haben, sind die ersten 20 Minuten doch hochatmosphärisch und spannungsfördernd inszeniert, und die Darsteller erledigen ihre Arbeit ebenso gut wie die Verantwortlichen auf der technischen und theoretischen Seite.

Zu früh wird uns leider die Wahrheit der Geschehnisse in der Festung offenbart, damit verliert der Streifen seine Mystik und wird leider aufgrund ewiger Beteuerung einander vertrauen zu müssen und der Schwierigkeit sich darauf einzulassen zu geschwätzig. Das ist schon schade, ist doch gerade dies der Kern der Geschichte, der den eigentlichen Reiz ausmacht. Kannst du deinem Feind aufgrund der Anwesenheit eines noch größeren Feindes vertrauen? Und dies in einem Film mit dem klassischen Weltbild, in welchem Nazis zu unmenschlichen Monstern degradiert werden, wie es bei Werken aus dem englischsprachigem Raum üblich ist?

Um diesem Kern mehr Kraft zu geben hätte man die Übernatürlichkeit der Frau länger im Zweifel halten müssen. Aber die drei Drehbuch-Autoren fallen viel zu schnell mit der Tür ins Haus, und da sie uns eine klassische Dämonengeschichte präsentieren, kann ich den Film ab der Aufdeckung seines Geheimnisses auch nicht mehr ernst nehmen. Die wahre Gestalt könnte klassischer kaum aussehen: ein roter Körper mit Hörnern versehen. Und ihre Waffe ist das Wort und ihr wandlungsreicher Körper. Aber wer würde dieser Frau in vertrauter Gestalt verfallen, wenn er vorher mit ansehen durfte wie ihr wahres Ich aussieht und der dabei zusehen musste, wie das Wesen Leichenteile verspeist hat? Wie notgeil kann dann noch ein Mann sein? Wie ernst kann man einen solchen Stelzbock nehmen, wenn ihn diese Gelüste trotz allem zuvor Erlebten in seinem Glauben wanken lassen?

Somit wurde aus einem Film mit Potential das klassische nicht ernstzunehmende Stück Horrorunterhaltung, durchaus gourtierbar aber nicht in der Lage ernst genommen zu werden. Ein klassischer Dämon in Gestalt einer verführerischen Frau, der einen lüsternen Mann emotional umgarnt, so etwas kann keinen Schrecken oder Grusel verbreiten. So etwas funktioniert nur als augenzwinkernde Trivialunterhaltung. Aber man sieht „The Devil‘s Rock“ an, dass er mehr sein möchte und sich sichtlich mit seinem Anliegen verhoben hat.

Vielleicht wäre die Rechnung noch aufgegangen, wenn der innere Konflikt um das Vertrauen mit dem Nazi noch etwas spezieller umgesetzt worden wäre, wenn man als Zuschauer näher dem Zweifel des Neuseeländers gekommen wäre, seinem inneren Konflikt näher hätte beiwohnen dürfen. Aber allein die Charakerisierung des Nazis macht eine finale Wendung diesbezüglich schon viel zu deutlich, so dass auch dieser reizvolle Storyaspekt in dieser schlichten Art der Umsetzung und inmitten der parallel laufenden lächerlichen Horror-Story nicht zu wirken weiß.

Zumindest macht „The Devil‘s Rock“ trotzdem Spaß, vorausgesetzt man kann mit der Enttäuschung umgehen, so stark wie der Streifen begonnen hat. Zu Beginn war er auf einer Höhe mit „Outpost“, jenem Streifen zur Thema übernatürliche böse Nazis, den man noch am ehesten ernst nehmen kann. Der schaffte es seine Atmosphäre bis zum Schluss beizubehalten, Regisseur Paul Campion, für den der hier besprochene Streifen sein Langfilm-Debut ist, schafft dies nicht. Da jedoch nie Langeweile aufkommt und das ganze trotzdem recht putzig zu schauen ist, ist sein Werk zumindest besser ausgefallen als der olle „Horrors of War“. Aber was hat das schon zu heißen? Selbst der sympathisch trashige „Schreckensmacht der Zombies“ ist „The Devil‘s Rock“ vorzuziehen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen