Sonntag, 8. Februar 2015

THE FARM - SURVIVE THE DEAD (Farm 2011 Hank Bausch u.a.)


Es ist etwa ein Jahr her dass ein Großteil der Menschheit von einer Zombieepidemie überrascht und getötet wurde. Zwei Brüder leben völlig selbstständig auf einer einsam gelegenen Farm. Sie regeln einen relativ normalen Alltag abseits des Untergangsszenarios. Eines Tages steht eine fremde junge Frau in ihrer Wohnung und bittet um Hilfe...


Vier Hühner...

Dass sich „The Farm - Survive the Dead“ nicht dem Massengeschmack anbiedern möchte und nicht nur für schnell verdientes Geld in der noch immer stark beliebten Zombie-Welle gedreht wurde, merkt man bereits an dem schlichten Titel „Farm“ (Originaltitel), der im Gegensatz zum Beititel der deutschen Veröffentlichung auf jeglichen Verweis der im Film auftretenden Kreaturen verzichtet. Dieser Horrorbeitrag ist ein Debutfilm, produktionstechnisch nah am Amateurfilm angesiedelt, fast so selbstständig auf die Beine gestellt wie der Alltag auf der titelgebenden Farm in der Geschichte selbst. Häufig wiederholen sich im Abspann Namen. Der Genrebeitrag ist ein sehr persönlich durchgezogenes Werk.

Die Ambitionen der Regisseure Hank Bausch und Andrew M. Jackson sind lobenswert und verdienen Respekt, aber selbst auf die schlichte unter 80 Minuten laufende Länge des Streifens weiß das Werk nicht wirklich zu überzeugen. Das beginnt bereits bei der sanft untermalenden Klaviermusik in welche „Farm“ getaucht ist. Theoretisch eine gute Idee, praktisch jedoch zu gewollt und gar nicht prickelnd komponiert. Schade! Auch das ewige Ausweichen im Dialog, der ständige Verzicht über Konkretes zu sprechen wirkt nicht echt und bremst den Film aus anstatt ihn interessanter zu machen.

Sicherlich hätte bei mehr Geld ein professionelleres Abfilmen, sprich schönere Bilder, die in der Theorie so großartig klingende Anderasartigkeit unterstützen und zu einem guten Ergebnis führen können. Aber dieses zu sterile Videobild, das fast wie selbstgedreht abgefilmt wirkt, weiß diesen Minimalismus nicht zu stützen, der leider zu gewollt daher kommt. „Farm“ ist nicht schlecht. Er ist nett erzählt und bietet manch interessante kleine Idee. Filminteressierte jenseits des Mainstreams können mit genug zurückgeschraubten Erwartungen durchaus einen Blick riskieren, verkehrt ist der Film nicht ausgefallen. Aber bei aller Liebe zu diesem Projekt fehlt ihm der letzte Schliff, damit ich von einem Film sprechen könnte, der sich als schlichte Unterhaltung wirklich lohnen würde. Das ist echt schade, denn es hängt echtes Herzblut an diesem Streifen.

Leider wissen die Darsteller nicht wirklich zu überzeugen. Es sind Amateure, und sie geben ihr bestes, was man daran sieht dass sie zumindest nicht so arg stümperhaft agieren wie in manch echtem Amateurfilm a la „Infekt“, „Dark Area“ oder „Zombie Bloodbath“. Aber für ein stilles, minimalistisches Werk das an sich selbst einen gewissen Anspruch stellt, ist das leider nicht genug. Zumal dem Streifen zum wahren Tiefsinn die interessanten philosophischen Ideen fehlen. Minimalismus allein macht noch keine Kunst aus, stellt aber trotzdem innerhalb des Genres, und erst recht betrachtet für einen Independent-Film, eine Ausnahme dar, weswegen „The Farm“ meiner Meinung nach definitiv eine Daseinsberechtigung inmitten des sonst so austauschbaren Zombieeinerleis besitzt.

Wenn alles etwas professioneller angegangen wäre und doch nicht auf Fremdhilfe verzichtet worden wäre, hätte aus dem kleinen Debutfilm durchaus mehr werden können als der sympathische, lobenswerte und gewagte Versuch der all zu oft erzählten Zombiethematik anders zu begegnen. Eben weil hier Anfänger am Werk waren lohnt sich trotzdem ein Blick. Zumindest haben es die Regisseure geschafft einen Film zu drehen dem man mühelos bis zum Schluss folgen kann, zumindest wenn man kein reiner Gorehound ist. Die (anbei klassisch langsam vor sich hin schlurfenden) Zombies sind innerhalb des Streifens rar gesät, so wie es die Story bereits vermuten lässt. Dementsprechend fließt auch der Lebenssaft sehr selten und die Action spielt nur in der letzten Reihe angesiedelt eine Rolle.

Doch auch wenn die Dramatik lobenswerter Weise zum Hauptaspekt erklärt wird darf man den Spannungsbogen nicht fast gänzlich aus den Augen lassen. Doch gerade dies ist Bausch und Jackson passiert. Als Übungsfeld weiß „The Farm“ zumindest Theoretikern wie mir zu gefallen. Am Unterhaltungswert, der auch in minimalistisch gehaltenen anspruchsvolleren Werken eine Rolle spielt, muss noch gearbeitet werden. Der ist noch nicht auf einem Spielfilm-füllenden Niveau angelangt. Aber all die positiven Elemente des Streifens und die lobenswerten andersartigen Ansätze machen zumindest neugierig auf eventuelle zukünftige Projekte des Teams. Potential ist definitiv vorhanden.


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