Donnerstag, 2. April 2015

DER TODESENGEL (1999 Andreas Bethmann)


Ein Vergewaltigungsopfer nimmt Rache an ihren Peinigern...


Jaja, der Bethmann...

Bethmann hat das Horror-Genre als Geschäft für sich schon vor Jahren entdeckt. Er schreibt inhaltsarme und informationsschwache Bücher, die er mit vielen Bildern versucht aufzuwerten, und er dreht Filme, die er schon zu VHS-Zeiten in x Fassungen herausbrachte um dem Horror-Fan auch noch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Und damit das besser funktioniert kommen verschiedene Fassungen auch gerne mal unter verschiedenen Titel heraus, so wie z.B. "Insel der Dämonen" auch als "Rückkehr der Dämonen" wiederverwertet wurde.

Mit "Der Todesengel" hat er zumindest sein erstes brauchbares Werk herausgebracht. Nach den unerträglich schlechten Werken "Tanz der Kürbisköpfe" und "Insel der Dämonen" tat ich mich zunächst schwer mich doch noch einmal an einen seiner Filme zu wagen. Aber Bethmanns Mix aus Porno und Horrorstreifen wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Und auch wenn ich das nach den Vorgängern kaum für möglich gehalten hätte, Bethmann hat dazu gelernt. „Der Todesengel“ ist etwas augenzwinkernd gemeint, leiser Humor ist zu vernehmen, das ist ein ganz klarer Pluspunkt im Vergleich zu den viel zu ernst angegangenen Langeweilern die er zuvor verzapfte.

Humor hilft Amateurfilmen oft weiter, gerade weil Umsetzung und Darbietungen meist auf wackeligen Beinen stehen. Das kann zwar nicht verhindern dass das harte Kerl-Getue trotzdem arg lächerlich da kindisch wirkt, aber das ist man schließlich auch aus anderen Werken der deutschen Amateurfilm-Szene gewohnt, z.B. aus „Psycho Jack", gedreht von Timo Rose der im hier besprochenen Werk einen der Gangster spielen darf. Scheinbar haben sich die richtigen für solch ein Projekt zusammen gefunden.

Im Gegensatz zu Joe D‘ Amatos frühem Versuch mit „Porno Holocaust" das Horror-Genre mit dem des Pornofilms zu vereinen weiß die weibliche Besetzung in Bethmanns Film zu gefallen, gerade jene Damen, die geradezu eine niedliche Art ausstrahlen. Das ist auch ganz gut so, denn leider widmet sich Stelzbock Bethmann mehr der Erotik als dem Horror, bzw. dem Genre des harten Thrillers, Horror ist dies ja nur bedingt. Da verwundert es nicht, dass er später immer wieder mal reine Pornofilme abseits der Horror-Szene drehte und damit ebenfalls in D‘Amatos Fußstapfen trat.

Ich erinner mich noch mit Schaudern an den völlig verhunzten "In der Gewalt der Zombies", der es neben seiner geradezu erbärmlichen Erotik nicht einmal schaffte in Sachen Effekte zu überzeugen. Diesen Bereich hat Bethmann, zumindest für Amateurfilm-Verhältnisse, im Griff. Sie fallen zumindest nicht negativ auf und sind für ein Werk dieser Art auch verhältnismäßig selten zu sehen. Provokante Szenen, wie das Befriedigen mit einem abgehackten Kopf, kann man ohnehin nicht ernst nehmen. Hier genießt „Angel of Death“ (Alternativtitel) einen gewissen Trash-Gehalt, ein weiterer Grund warum der augenzwinkernde Grundton dem Film nur gut tun kann. Etwas konsequenter hätte er dennoch umgesetzt werden können, vermisst man bei einigen Darstellern doch die nötige Distanz, so dass immer ein Hauch Gewaltverherrlichung mit einher weht.

Somit wird es manch einem sicherlich schwer fallen, sich auf diesen morbiden Mix aus Sex und Gewalt einzulassen, zumal er rein reißerischer Natur ist. Bethmann hat weder das Zeug zur subtilen Federführung noch das kognitive Potential Tiefe mit einfließen zu lassen. Geht man nicht all zu bierernst an „Der Todesengel“ heran kann er durchaus unterhalten, dies freilich unter Niveau, aber das ist immer noch ein besseres Ergebnis als komplette Hohlbrot-Filme wie „Slasher“ oder Einschlaf-Garantien wie „Infekt“ zu bieten haben. Verwöhnt wird man als Horror-Fan in der deutschen Amateurfilm-Szene nicht. Da geht es immer nur um reißerische Storys und Gewalt, schade. Und mir fällt da auch nur Ralf Möllenhoff („Dead Eyes Open“, „Lifeless“) ein, der für die Ausnahme steht. Aber ein Blick nach Polen auf die erschreckend plumpe „Fantom Killer“-Reihe, die so wie der hier besprochene Streifen ebenfalls Porno mit Horror mixt, zeigt dass das Niveau woanders noch viel weiter unten ist als bei uns in Deutschland.


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