Donnerstag, 23. April 2015

DIE RACHE DER KANNIBALEN (Cannibal ferox 1981 Umberto Lenzi)


Im Dschungel Kolumbiens möchte die angehende Anthropologin Gloria beweisen, dass Kannibalismus nicht existiert. Vor Ort stößt sie auf Weiße mit denen die Wilden noch eine Rechnung offen haben...


Kannibalismus existiert nicht und hat niemals existiert...

Wenn das Geld lockt, dann wird auch gerne mal die eigene Mentalität um 180 Grad gedreht. Das könnte man zumindest meinen wenn man Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“ mit seinem ein Jahr zuvor gedrehten „Lebendig gefressen“ vergleicht, der von seiner Weltsicht her viel selbstgerechter ausgefallen ist als der hier besprochene Film, der plötzlich höchst ethisch und moralisch daher kommt. Woher der Sinneswandel kommt? Vom ein Jahr zuvor gedrehten Erfolgsfilm „Nackt und zerfleischt“ von Regie-Kollege Ruggero Deodato, der den Weißen zum Bösewicht im Dschungel machte.

Allerdings kam dessen Film sehr ehrlich daher, regt er den Zuschauer doch tatsächlich zum nachdenken an und führt ihn an seine Grenzen, wenn er Brutalitäten nutzt um die Blindheit der Zivilisation einzureißen. Bei Deodato muss der Zuschauer der Wahrheit ins Auge blicken. Ob er will oder nicht. Lenzi jedoch ist im reißerischen Kino zu Hause. Film ist sein Geschäft. Es geht lediglich ums Geld. Und dementsprechend unehrlich fällt sein Sinneswandel aus, wenn auf geheuchelte Art von Moral die Rede ist und über den Weißen Mann geschimpft wird, beginnend beim angeblichen Mythos Kannibalismus, dem Aufhänger der Geschichte.

Eigentlich geht es Lenzi jedoch nur um den Ekeleffekt, um harte Bilder, also nur darum zu schocken. Das gelingt ihm aufgrund der gelungenen Spezialeffekte durchaus, aber spätestens sein Hang immer wieder Tiere zu zeigen, die einander töten oder von Menschenhand getötet werden, Aufnahmen die aufgrund damals nicht existierender Tierschutzgesetze nicht künstlich getrickst werden mussten, zeigen wie plump die Mentalität ist die „Cannibal ferox“ (Originaltitel) versprüht.

Ignoriert man einmal die fragwürdige Moral des Streifens und betrachtet man „Make Them Die Slowly" (Alternativtitel) als puren Pulp weiß Lenzis Werk tatsächlich zu funktionieren, sogar besser als der eher mittelmäßig ausgefallene Vorgänger „Lebendig gefressen“. Dass der Film funktioniert liegt zwar mehr an seinem Abenteuerfilm-Faible als am Horrorpart, der ohnehin wie erwähnt nur auf grenzwertige Ekelbilder setzt, aber das ist letztendlich auch egal solang ein Unterhaltungswert vorhanden ist.

Zwar sind die Handlung und ein guter Teil der Charaktere so unglaubwürdig ausgefallen wie die propagierte Ethik, das macht aber nicht zwingend die Quantitäten eines Schundfilmes kaputt, wie man anhand von „Die Rache der Kannibalen“ sieht. Schnell hätte aufgrund dessen der Film zu lächerlichem Trash werden können, aber unfreiwillig komisch erscheint hier seltsamer Weise recht wenig, dafür ist man viel zu sehr drin in einer atmosphärisch dicht erzählten Geschichte in schöner Kulisse in einem Werk das untermalt wird von einem Soundtrack der in seiner schlichten Art zu gefallen weiß.

Zudem haut Lenzi alles rein was irgendeinen Unterhaltungswert schaffen könnte. Da gibt es Drogen, nackte Haut, Schatzsucher, Blutegel und eine Piranha-Attacke ebenso, wie eigentlich sinnlose Kriminalfilm-Momente, die parallel zu den Ereignissen des Dschungels laufen. Was genau Lenzi mit der Schluss-Szene bezweckt ist mir nicht ganz klar, aber als ominöse Pointe weiß auch sie zu gefallen.

Etwas weniger drastische Gewalt an Mensch und Tier, und ich könnte mich versöhnlicher von „Die Rückkehr der Kannibalen“ (Alternativtitel) trennen. Dementsprechend kann ich nur Zuschauern mit harten Nerven und hartem Magen empfehlen einen Blick zu riskieren. Als schundiger Trivialfilm macht „Beyond the Dark“ (Alternativtitel) tatsächlich Spaß. Aber die Moral sollte man lieber solange tief im Keller einsperren. Lenzis Film ist nicht gerade ein ethisch korrekter Streifen. Ganz im Gegenteil!


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