Samstag, 6. Juni 2015

HOFFNUNG AUF EIS (The Chilling 1989 Deland Nuse u.a.)


Ein Blitzschlag in die Stromversorgung eines Cyrogenic-Instituts lässt die eingefrorenen Toten wieder auferstehen...


Tanz der Grünlinge...

Was wie eine richtig schöne Idee für den B-Movie-Horror-Bereich der 80er Jahre klingt, entpuppt sich leider als die schlechte Variante eines „Return of the Living Dead“. Parallelen gibt es zu genüge. Allein die reißerische Einleitung, im hier besprochenen Film durch seinen strengen religiösen Schwerpunkt gar noch provozierender eingebaut als in Dan O‘Bannons Werk, sowie das Erwecken der Toten durch die Idiotie zweier Mitarbeiter (einem Alteingesessenen und einem Neuen) sind schon unübersehbare Übereinstimmungen. Selbst die Aufbewahrungscontainer der Toten lassen sich vergleichen mit den Army-Fässern aus der anderen Horror-Komödie!

Nun war 1989 jedoch nicht das beste Jahr für Zombiefilme, kamen in Amerika doch nur noch die zu sehr auf Humor konzentrierten Varianten zum Vorschein, denen es am gewissen Etwas fehlte welches selbst der 1987 erschienende „Return of the Living Dead 2“ noch auszustrahlen wusste, den viele bereits viel zu albern umgesetzt fanden. Zwar ist „Hoffnung auf Eis“ nicht völlig verblödelt ausgefallen wie „C.H.U.D. 2“, aber zu wirken weiß der Horrorpart leider trotzdem nicht. Dass die zurückgeschraubte Komik ebenfalls nicht wirkt, ist mir eigentlich egal, drängte sie sich doch ohnehin nicht auf, so trocken wie der Humor eingeworfen wurde. Aber dass der Horrorpart in keinster Weise zu funktionieren vermag, weder als Partyspaß, noch als Gruselfilm, noch als Trash, ist schon enttäuschend.

Nun gut, was soll man auch von einem 80er Jahre Horror erwarten, in welchem Linda Blair für die Hauptrolle besetzt wurde? Damit bin ich bislang immer schlecht gefahren. Aber wenn man einmal bedenkt wie viele Möglichkeiten diese an sich sympathische Geschichte im lockeren Gewand der 80er Jahre Videoproduktionen gehabt hätte, darf man schon zurecht über das Ergebnis maulen. Die Geschichte ist uninspiriert erzählt, versehen mit peinlichen Dialogen (nur im Deutschen?) und übelsten nicht lustig gemeinten Soap-Momenten im überraschend vorhandenen zwischenmenschlichen Teil. Wie sich zwei Personen annähern und ihre Sympathie füreinander bekunden, kommt noch übler daher als das Liebesgeplänkel der zentralen Figuren in „Angriff der Klonkrieger“.

Dass die Zombies mit ihren grünen Gesichtern und der Alu-Folie, in die sie eingewickelt wurden, eher wie Marsianer wirken anstatt wie tiefgekühlte Zombies, wäre in wirksamer Umsetzung ein trashiges Plus gewesen. Da man aber scheinbar gar keine Lust hatte etwas halbwegs Nettes zu erzählen, ist es sogar langweilig sie dabei zu beobachten, wie sie auf Menschen stürzen, um diese zu töten. Zudem sind mir die Gesichtsmasken etwas zu übertrieben ausgefallen um tatsächlich zu wirken. Ebenso wie in „Wrong Turn“ nimmt diese Übertreibung den Schrecken der Monster. Weniger wäre mehr gewesen.

Wirklich schaden tut „The Chilling“ (Originaltitel) jedoch lediglich seine hölzerne und dümmliche Umsetzung. Wenn der Blitz zum x-ten Mal eine der Aufbewahrungsboxen der Toten trifft, wirkt das nicht nur zu zufällig, es fehlt auch jegliche Stimmung die eine Auferweckungsszene besitzen müsste. Und genau dieser Mangel an Stimmung durchfließt den kompletten Film wie ein roter Faden. Was nutzt es da noch einen Sub-Plot über illegalen Organhandel einzubinden oder den Nachtwächter augenzwinkernd wie Kurt Russell im ebenfalls frostigen „Das Ding aus einer anderen Welt“ aussehen zu lassen, wenn der Film wie ein liebloses Produkt wirkt?

Vier Jahre zuvor schaffte es Wes Craven mit „Chiller - Kalt wie Eis“ auf routinierte Art das Thema wiedererweckter Eingefrorener besser umzusetzen und erreichte dies sogar innerhalb eines ernsthaften Horrorbeitrags. Die Regisseure Jack A. Sunseri (der nie wieder etwas drehte) und Deland Nuse (der fünf Jahre später den dritten Teil der 1980 von Ulli Lommel begonnenen „Boogey Man“-Reihe inszenierte) schafften es eine für Trash-Verhältnisse einfache und reizvoll klingende Rezeptur zu zerstören und sie jeglicher Sympathie zu berauben. Das Jahrzehnt der 80er Jahre war eigentlich bestens dafür geeignet kleine naive Billig-Genreperlen wie „Das Gehirn“, „Shopping“ und „The Curse“ hervorzubringen. Wer bei „Gamma 693“ (Alternativtitel) ähnliches erhofft wird übelst enttäuscht. Die Stimmung des Streifens ist derart ernüchternd, dass auch eine spätere Zweitsichtung unter anderen Erwartungen nicht wirklich etwas bringen dürfte.


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