Montag, 13. Juli 2015

GIALLO (2009 Dario Argento)


Auf der Suche nach ihrer Schwester schließt sich Linda dem wunderlichen Inspektor Enzo an, der vermutet dass die Gesuchte von einem Serienkiller gefangen gehalten wird...


Ein Mörder wie ein Simpson...

Dass es ein Argento-Film ist, der den Namen „Giallo“ tragen darf, jenes Italo-Genre, welches der Regisseur mitgeprägt hat, klingt zunächst legitim. Aber leider stimmt es was man so oft liest: der gute Mann ist längst nicht mehr solch ein begnadetes Genie wie zu Zeiten von „Phenomena“, „Profondo Rosso“ und „Suspiria“. Zwar ist „Giallo“ keinesfalls so unterirdisch ausgefallen wie Argentos Tiefpunkt „Mother of Tears“, aber der abgelieferte Thriller ist ein durchschnittliches, zu oberflächlich erzähltes Stück Genre-Kost mit der Härte eines Giallos und der Figurenzeichnung eines TV-Krimis.

Der Sonderling Enzo hätte von seiner Hintergrundgeschichte her und mit dem väterlichen Vorgesetzten im Rücken tatsächlich die Figur einer TV-Serie a la „Dexter“ werden können. Doch was theoretisch an Mystik und Tiefe vorhanden ist, wird unsensibel auf die Schnelle abgearbeitet, so dass man auch gleich von einem Durchschnitts-Kommissar hätte erzählen können. Gleiches gilt für die Geschichte selbst, die ein düsterer Alptraum hätte werden können, die aber so lustlos herunter erzählt wird, als hätten wir es hier mit einem Piloten zu tun der nie in Serie ging.

Argento unterbietet sein bereits recht maues Niveau von „Trauma“ und „Terror in der Oper“, welche trotz mittelmäßigem Ergebnis zumindest noch die Handschrift und den Kunstgehalt des Kult-Regisseurs erkennen ließen. „Giallo“ wirkt austauschbar, so als hätte ihn jeder x-beliebige Neuling inszenieren können. Psychologische Raffinesse blitzt erst in der vorletzten Szene auf, wenn sich die Wege der zwei Hauptfiguren trennen. Verzerrte Wahrnehmungen treffen aufeinander, die eine temporärer Natur, die andere hat längst Wurzeln im Gemüt geschlagen und fühlt sich um ein neues bestätigt. Nein was stecken in den Zutaten für Chancen, und man lässt sie links liegen, als wären sie gar nicht vorhanden, schade!

Im völligen Widerspruch zur schlichten Inszenierung braust uns eine musikalische Komposition um die Ohren, die in einen epischen Science Fiction viel eher hineingepasst hätte als in einen Kriminalfilm, der allein schon mit seinen zu den unpassendsten Zeitpunkten gewählten Rückblicken auf vergangene Ereignisse beweist, wie unsensibel er umgesetzt wurde. Ein Giallo wie ein TV-Film! Argento, was ist nur los mit Dir?


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