Samstag, 26. Dezember 2015

INSIDIOUS 2 (Insidious: Chapter 2 2013 James Wan)


Da der Spuk im Kreise der Familie Lambert noch immer kein Ende nimmt, nimmt die Großmutter Kontakt zu dem verstorbenen Medium auf, um herauszufinden wie sie die übernatürlichen Geschehnisse stoppen kann. Währenddessen muss Renai feststellen, dass seinerzeit nicht ihr Mann aus dem Reich der Toten zurückgekehrt ist, sondern die Frau in Schwarz, die ihn schon seit seiner Kindheit verfolgte...


Der Norman Bates des Geisterreiches...

Es wäre naiv darauf zu hoffen, dass die Fortsetzung eines gelungenen Spuk-Horrors einem ebenfalls das Gruseln lehren könnte. Zu inflationär wird das Genre um weitere Werke bereichert, zu sehr wiederholen sich immergleiche Szenarien und Schreckversuche, und das Beleuchten von Hintergründen, eine typische Fortsetzungsmotivation, nimmt dem Grauen in der Regel seine Faszination und das Unheimliche. Das Dunkle ist gruseliger als das Licht. Und dies wird nun im Wissensbereich überall angeknippst. Der Spuk bekommt ein Gesicht, das Gesicht bekommt Persönlichkeit, die Persönlichkeit ein eigenes Drama, das Drama beschert Mitgefühl, Mitgefühl zerstört die Angst.

Interessanter Weise funktioniert „Insidious 2“ trotzdem ganz gut. Er ist recht spannend erzählt ohne wirklich zu gruseln, und verändert weder die Charaktere noch die Geschehnisse des Vorgängers. Damit vereinen sich Teil 1 und Teil 2 gekonnt zu einer Einheit, zumal Wan auf tatsächlich in Teil 1 ungeklärte Momente zurückgreift, denen er nun in einem Plot um diverse Zeitebenen einen Sinn gibt. Damit wird das Ärgernis des Geheimnisselüftens zumindest für eine interessante Idee genutzt, die neue Perspektiven ermöglicht. Freilich wird nichts aufgedeckt, was man als Zuschauer aufgedeckt haben wollte, und das Geheimnis um den Vater hat bereits der Schluss von „Insidious“ verraten, keine Ahnung warum man da wieder ein Mysterium drum spinnen möchte. Aber als gruselfreier Popkornfilm des Horrorbereiches reicht das alles um routiniert nett unterhalten zu werden.

Ärgerlich wird es erst gegen Ende, wenn sich die Ereignisse überschlagen und Wan verkrampft auf ein Ende lenken muss. Dann verhält sich der Besessene so geisteskrank, dass es unglaubwürdig wird, dass er sich überhaupt so lange als normal tarnen konnte. Der eher passive Sohn, der bei seinen Reisen einst verloren ging, wird urplötzlich zum raffinierten Problemlöser, der selbst in einer lebensgefährlichen Situation auf Kommando einschlafen und ganz bewusst seinen Körper verlassen kann. Und das Jenseits ist ein Ort alter Bekannter, an dem sich zwar auch viele Schreckgespenster aufhalten, der aber längst kein solch unheimlicher Ort mehr ist, wie es uns im Vorgänger suggeriert wurde.

Und wieso ist es für den Familienvater so leicht den parasitären Geist aus seinem Körper zu locken und in ihn zurück zu kehren, wenn selbst ein mächtiger Dämon in Teil 1 so lange Zeit benötigte um die leere Hülle zu betreten? Wo zuvor keine Widersprüche sind, da sprudeln die Unsinnigkeiten im Finale nur so hervor, was an einem ärgerlichen Drehbuch liegt, dessen Autoren wohl dachten dass inmitten vieler Parallelereignisse der Zuschauer das chaotische Treiben wohl nicht mehr mit dem Kopf mitverfolgen würde, was einer Beleidigung gleicht.

All zu streng sollte man mit „Insidious 2“ trotzdem nicht umgehen, ist er auf simpler Unterhaltungsebene doch interessant genug ausgefallen um sich nie zu langweilen, zumal er sich selbst in den ruhigeren Passagen nie zu langatmig guckt. Die Rückkehr aller bekannten Gesichter und die tatsächliche Fortführung von Geschehnissen aus Teil 1 sorgen zudem dafür, dass sich „Insidious 2“ auch wirklich wie eine Fortsetzung anfühlt und nicht nur wie ein schnell nachgedrehtes Stück Geldkuhmelken. Das Anknüpfen an Teil 1 läuft teilweise sogar so rund, dass man sich ernsthaft fragt, ob all das in Teil 2 erzählte in Teil 1 schon immer so gedacht war. Falls ja darf es verwundern, dass die Fortsetzung drei Jahre auf sich warten ließ, in Zeiten in denen schnell abzudrehende Werke jährlich aufs Publikum losgelassen werden.


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