Sonntag, 27. Dezember 2015

DAS TRAUMA (The Premonition 1976 Robert Allen Schnitzer)


Eine frisch aus der Nervenheilanstalt entlassene Frau möchte ihr Kind zurück, welches man ihr vor der Einlieferung nahm, und plant es zu entführen. Die Adoptivmutter steht jedoch glücklicher Weise in telepathischem Kontakt zu dem Mädchen...


Zunächst die Puppe...

Es mag ja okay sein parapsychologische Phänomene wie Telekinese und Telepathie für das Horror-Genre zu nutzen, zeigen doch Filme wie „Shining“, „Scanners“ und „Carrie“ dass aus dieser Thematik Erzählenswertes zu ernten ist. Diese Werke nutzen das umstrittene Feld jedoch für die Dramaturgie und zum Spannungsaufbau, eben weil es ein mystisches Feld ist, ein unentdecktes, von dem behauptet wird es könne in jedem von uns schlummern, ein faszinierender Gedanke.

„Das Trauma“ von Regisseur Robert Allen Schnitzer nutzt es jedoch, um den Zuschauer zu missionieren. Er möchte die Parawissenschaften neben der akzeptierten Naturwissenschaften etablieren und nutzt die Figur des Adoptivvaters, um aus einem Zweifler einen Gläubigen zu machen. Die Propaganda die er im Dauergeschwafel von seiner Kollegin um die Ohren geschmissen bekommt, richtet sich eigentlich an den Zuschauer. Und dank eines vernachlässigten Spannungsbogens schaut sich der Streifen damit letztendlich nur noch wie ein Esotherikfilm und kaum noch wie ein Horrorfilm.

Vielleicht könnte ich damit noch halbwegs leben, wenn die Geschichte von „The Premonition“ (Orioginaltitel) halbwegs empathisch erzählt wäre, aber es liegt einem nichts an den Figuren, weder am Kind, noch an den Adoptiveltern, noch an den Entführern, geschweige denn an der Parawissenschafts-Tante, die aufgrund kurzer Erzählungen ihres naturwissenschaftlichen Kollegen direkt von übernatürlichen Gaben in dessen Frau überzeugt ist, ohne dass Tests durchgeführt werden und die Erzählungen des Mannes vertieft würden, ganz zu schweigen davon, dass die Frau nur wenige Filmminuten zuvor noch erläuterte wie sehr ihr Zweig der Wissenschaft noch in den Kinderschuhen stecken würde und dass man noch im Testbereich stecke und nicht viel weiß.

Zumindest erklärt uns das mangelnde Wissen bereits warum Mutter und Adoptivtochter urplötzlich in Verbindung stehen, das wäre sonst eine tiefe Lücke im Drehbuch, die jedoch kaum auffallen würde so wackelig die komplette Geschichte erzählt ist, die sich nie darüber im klaren ist für welche Perspektive sie sich entscheiden soll, ewig hin und her springend zwischen den Erlebnissen und Beweggründen der Entführer und der anderen Seite. Wie gesagt ist man emotional an keine von beiden Seiten gekettet, Identifikationsfiguren gibt es nicht, durch welche man die lahmarschige Story erlebt und nachvollziehbar ist da ohnehin nur weniges erzählt.

Die Geisteskrankheit der leiblichen Mutter wird uns durch ein etwas bescheuertes Szenario näher gebracht, wenn ein Entführungsversuch mit dem Entwenden einer Puppe des Mädchens endet, und der befreundete Clown ihr diese wegnehmen will, woraufhin sie die Puppe verteidigt wie ein Hund einen Gegenstand nach einer Scheinschwangerschaft. Leider ist das ganze nicht so gut inszeniert wie es klingen mag, wobei da auch die deutsche Synchronfassung, die ich gesehen habe, dem Film atmosphärisch im Wege steht, so mangelhaft wie diese ausgefallen ist. Doch auch in besserer Vertonung hätten wir mit „Das Trauma“ ein wackelig inszeniertes Werk vorliegen, welches kein Interesse für seine Geschichte wecken kann und mit mittelmäßig besetzen Mimen arbeiten muss.

Die Puppenentführung bleibt der interessanteste Moment des Streifens, und selbst der funktioniert nicht. Der Rest pendelt zwischen Esotherik-Drama und Kriminalfilm hin und her. Ein Großteil der Erzählung dient zum Zeit schinden. Vielleicht dachte der Autor dass dem Zuschauer damit mehr Zeit bleibt die Figuren besser kennen zu lernen, aber das passiert nicht wirklich. Und so bleibt uns am Ende ein unaufgeregt erzähltes Stück Langeweile, eingebettet in Esotherik-Propaganda, und das diesbezüglich derart naiv erzählt, dass der Reiz dieser wissenschaftlichen Schwindelei nicht ausgekostet wird und stattdessen die unangenehmen Aspekte von Leichtgläubigkeit hervorstechen, was zu einer unangenehmen Zutat innerhalb eines ohnehin schon schlecht inszenierten Filmes wird.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen