Donnerstag, 14. Januar 2016

LIMONADEN JOE (Limonádový Joe aneb Konská opera 1964 Oldrich Lipský)


Die junge Winnifred und ihr Vater eröffnen eine Bar in der ausschließlich Limonade ausgeschenkt wird. Seit der weißgekleidete Fremdling Limonaden-Joe in der Stadt aufgetaucht ist und bewiesen hat wie toll man im nüchternen Zustand schießen kann, ist jeder Cowboy verrückt nach dem Getränk. Bis auf Badman, den Besitzer des ehemals so florierenden Saloons, der die Leute zurück zum Whiskey locken möchte. Zusammen mit seinem frisch zugereisten verbrecherischen Bruder schmiedet er einen Plan gegen Winnifred und Limonaden-Joe...


Die glockenhelle Stimme der Vernunft...

„Limonaden-Joe“ ist in seiner auf klassische Stummfilm-Komödie gedrehte Art ein fast schon penetrant schriller Film der Komik, der sich die beschleunigten Bilder, die zur Aussagekraftunterstützung eintönige Einfärbung des Schwarz-Weiß-Materials und die schlichte Gut-Böse-Kombination des klassischen Westerns zunutze macht, um mit voller Wucht das Genre der Lächerlichkeit Preis zu geben. Ob da eine bösartige oder freundschaftlich verbeugende Absicht hinter steckt lässt sich nicht erkennen, der Stoff selbst ist jedoch äußerst charmant umgesetzt bei so viel Treffsicherheit und herzerfrischender Übertreibung.

Allerdings schwankt der Klamauk immer zwischen dem sympathisch durchdachten und dem penetrant nervigen. Eine Pause gönnt Regisseur Lipský dem Zuschauer nie. Das erahnt man bereits bei der ersten Szene, die uns eine wüste Barschlägerei in solch flottem Tempo mit so arg vielen gesetzten Schnitten aufzeigt, dass man nur schwer wirklich über die vielen sympathischen humorvollen Ideen schmunzeln kann, so schnell wie diese abgearbeitet und durch das beschleunigte Bild dem Auge vorgesetzt werden.

Damit ist „Limonaden-Joe“ für mich ein zweiseitiges Schwert. Auf der einen Seite weiß er genau was er auf welche Art parodieren möchte, auf der anderen Seite wirkt er wiederum zu unsensibel umgesetzt. Wer die erste halbe Stunde übersteht, der gewöhnt sich so langsam an die anstrengende Sehgewohnheit. Und wenn mit der Zeit deutlich mehr Inhalt in die chaotische Chose bricht, lässt dies „Limonádový Joe aneb Konská opera“ (Originaltitel) auch wesentlich angenehmer gucken. Aber selbst dann bleibt mir persönlich diese Western-Komödie zu anstrengend. Ich kann da beim besten Willen nicht objektiver drüber berichten.

Interessant ist hingegen der Weg mit dem man den klassischen Western parodiert. Das Thema Alkoholverzicht zur völlig weltfremden Gut-Böse-Trennung zu nutzen, erfüllt den Nebeneffekt ebenso über die Werbung und der leichten Beeinflussung des einfachen Bürgers durch diese sich lustig zu machen. Wer streng sein will, der kann Limonaden-Joe und seinen Freunden vorwerfen keinen Deu besser zu sein als seine Gegner. Einzig die Moral unterscheidet sie, und Moral macht noch keinen guten Menschen. Das weiß jeder Freund gepflegter Krimiunterhaltung.

In „Limonaden Joe“ wird viel gesungen. Die Lieder wurden in der deutschen Fassung ebenfalls eingedeutscht, und dies ist so geglückt wie die Rest-Synchronisation, die so einige berühmte Sprecher vorzuweisen hat. Dass der Film nicht erst mit der Übersetzung zum lustigen Ergebnis umfunktioniert wurde, wie es so einigen Spencer/Hill-Werken angetan wurde, erkennt man am völlig überzogenen, albernen Spiel aller Mimen und der herrlich behämmerten Ideen wie man per Übertreibung Gut und Böse im Alltag erkennen kann. Der Bösewicht trinkt Säure und frisst sein Glas danach auf. Der Gute kleidet sich komplett in Weiß, verzichtet auf Alkohol und schießt so perfekt wie Lucky Luke.

Wie bereits erwähnt kann das alles durchaus unterhalten, sofern man vom Inszenierungsstil nicht so erschlagen wird wie ich. Aber da das bei mir nun einmal der Fall war, kann ich das fertige Werk trotz vieler treffsicherer humoristischer Elemente nicht wirklich empfehlen. Wen die Hektik der Erzählung nicht all zu sehr stört, die, wie ich zu erkennen weiß, durchaus bedacht gewählt wurde, der könnte jedoch einen wahren Glückstreffer der Western-Parodie für sich entdeckt haben. Ich würde es dem Film gönnen, wenn er seine Fan-Gemeinde besitzen würde.


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