Dienstag, 19. Januar 2016

GOAL OF THE DEAD (2014 Benjamin Rocher u.a.)


Vor 17 Jahren musste seine Heimatstadt gegen Paris eine heftige Niederlage im Fußball einstecken, dann wurde Sam Lorit selbst Spieler in der Profi-Mannschaft von Paris. Nun kehrt er zurück zur längst überfälligen Revanche und ist als angesehener Verräter seiner Stadt dort überhaupt nicht willkommen. Als einer seiner ehemals besten Freunde und Gegenspieler bei den Vorbereitungen zum Rache-Spiel die falsche Chemikalie beim Doping einnimmt, verwandelt er sich in einen Zombie und steckt im Fußballstadion fast alle Spieler und Fans an. Die wenigen die entkommen können versuchen zu überleben...


Doping of the Dead...

Wenn es auf dem Spielfeld ebenso brutal zugeht wie auf den Zuschauerplätzen und Hooligans im Vergleich wie zahme Lämmer wirken, dann haben sich Zombies in Europas liebste Sportart eingeschlichen, so passiert in der französischen Horrorkomödie „Goal of the Dead“, die eigentlich ein Zweiteiler aufgeteilt in „erste Halbzeit“ und „zweite Halbzeit“ ist und in beiden Hälften von unterschiedlichen Regisseuren umgesetzt wurde. Zu erkennen ist ein Unterschied im inszenatorischen Stil zwischen beiden Teilen glücklicher Weise nicht, und immerhin erklärt diese Aufteilung die etwas ungewöhnliche Filmlänge von fast zwei Stunden, welche gerade in der ersten Stunde für manch kleine Längen im Geschehen verantwortlich ist.

Aufgrund des gelungenen Ergebnisses kann man über diese jedoch freundlichst hinwegsehen, erfindet „Goal of the Dead - Elf Zombies müsst ihr sein“ (unsinniger deutscher Titel) zwar das Genre weder aus Horrorperspektive noch im Komödienbereich irgendwie neu, aber die Figuren, die erst im Laufe der Zeit zu Persönlichkeiten werden, reißen da so einiges wieder heraus wie im englischen TV-Beitrag „Dead Set“. Dieser wie jener zieht das Zombieszenario konsequent am angegangenen Aufhänger durch, sprich Fußball bleibt im hier besprochenen Genre-Beitrag immer Teil der Geschichte, auch wenn wir hier logischer Weise keinem Zombie-Fußballspiel beiwohnen dürfen, wie es der deutsche Beititel uns einreden will. Wie soll das auch gehen? Was müssten das für Zombies sein? Sicherlich keine die man als Bedrohung ernst nehmen könnte.

Eine rasante Umsetzung mit erfreulich wenig Ruckeloptik, die richtige Dosis Komik (wenn im Vergleich auch weit entfernt vom Niveau eines „Shaun of the Dead“), sowie überzeugende Darsteller und Effekte unterstützen die ungewöhnliche Fußball-Thematik innerhalb eines Zombiefilmes. Das Drehbuch nutzt zudem die ein oder andere Möglichkeit zu mal mehr und mal weniger versteckten Seitenhieben auf die Wahrheit des europäischen Fußballs. So bekommen geldgeile Spieler und Manager ihr Fett ebenso weg wie veraltet denkende Idealisten, die mit der Fußball-Realität so wenig zu tun haben wie die Zombies selbst.

Zudem ist es sicherlich kein Zufall, dass die Apokalypse, wenn auch zufällig anstatt abgesprochen, erst durch das Zusammenspiel von Doping und Hooligans zum Ausbruch kommt, also genau durch jene zwei Elemente, die ein spannendes Spiel ohnehin stets kaputt machen können. Ganz nebenbei, auf Fußball-Thematik eingebracht ohne dass die Kritik nicht auch in anderen Bereichen fruchten kann, bekommen all die Hinterwäldler eins auf den Deckel, welche die Schuld auf andere schieben, dass aus ihrem Leben nichts geworden ist.

So ist es schön mit anzusehen, wie jede Seite eins auf den Latz kriegt, freilich weit entfernt von Political Correctness, gleichzeitig glücklicher Weise aber auch nicht so extrem auf provozierend blutige Komik getrimmt wie die Langeweiler „Dead Snow“, „Doghouse“ und „Stalled“. „Goal of the Dead“ schafft es trotz geringem Individualitäts-Bonus immer genau die Kurve zu kriegen um niemals zu langweilig oder zu gewöhnlich zu wirken, was freilich nur wirkt wenn man mit den Figuren etwas anfangen kann, mit denen der Film steht und fällt. Da diese den Autoren so wichtig waren wie mir selbst, ohne dass im Ergebnis gleich eine Charakterstudie abgeliefert wurde, mag ich den Zweiteiler. Mögen Dramaturgie und Spannungsaufbau auch stark reduziert vorhanden sein, so wissen sie in der kleinen enthaltenen Dosis doch trotzdem zu wirken, innerhalb eines Plots der nie zu dumm und gleichzeitig nie zu verkopft daher kommt. Und nur um das zum Schluss noch klar zu stellen: ich interessiere mich nicht sonderlich für Fußball. Man kann den Film also auch mögen ohne Fußball-Fan zu sein.


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