Sonntag, 28. Februar 2016

SADOMANIA - HÖLLE DER LUST (1981 Jess Franco)


Eine Frau gerät in ihren Flitterwochen in ein Frauengefängnis, geleitet von einer sadistischen Direktorin, oft besucht von einem lüsternen Gouverneur, der sich dort Sklavinnen für Sexspielchen besorgt. Der Gatte der Gefangenen befreit seine Holde aus der Hölle, und zusammen mit weiteren Opfern nehmen sie Rache an den Peinigern...


Ein Täubchen auf der Flucht...

Jess Franco, kaum ein anderer schafft es eine solch reine, ehrliche Form des Schmuddelkinos abzuliefern wie er. Und dies beweist er mit „Sadomania“ erneut, welchen Oliver Nöding in seinem Blog „Remember it for later“ als Fiebertraum bezeichnet, und diese Formulierung passt sehr gut, so surreal anmutend sich der Film anschaut. Eine Geschichte gibt es so gut wie gar nicht. Nach logischen Zusammenhängen muss man nicht suchen, die sind auch für den Regisseur nicht von Interesse. Wie der Gatte jeweils auf die geheimen Verstecke stößt um Frauen zu befreien wird nie thematisiert. Das würde wertvolle Fummelzeit rauben. Und dass er einen kompletten Menschenhändlerring allein mit einem Gewehr bewaffnet sprengt, spricht auch nicht gerade für eine glaubwürdige und durchdachte Geschichte.

Aber dank außufernder Sexszenen im Mix mit gewalttätigen Phantasien ist man abgelenkt genug um sich daran nicht zu stören. „Sadomani“ muss man erleben, und die ungewöhnliche Kameraführung, die immer wieder spannende Perspektiven sucht, z.B. wenn sie nah herangezoomt ziellos über die nackten Körper umherwandert, hilft einem dabei den Film einzig als Rausch mit ausgeschaltetem Kopf zu erleben. Abartigkeiten unterbrechen Sinnlichkeiten, Geschmacklosigkeiten reihen sich aneinander, sollen provozieren, werden jedoch nicht in explizit harte Bilder getaucht. Ihre Andeutungen reichen bereits.

Kämpfe auf Leben und Tod, eine abgebissene Brust, dahinsterbend von einem Krokodil verspeist zu werden, eine Menschenjagd im Stile eines „Graf Zaroff“, den Franco bereits 1974 mit „La comtesse perverse“ wesentlich direkter ehrte, an üblen Ideen mangelt es hier nicht. Selbst vor einer deutlich angedeuteten Sodomieszene macht Franco nicht Halt, der selbst in einer kleinen Rolle als schwuler Bordellbesitzer vor der Kamera agiert und dies ebenfalls u.a. mit einer Sexszene. Schwule kommen in diesem frauenverachtendem Werk menschlich gesehen so schlecht weg wie Schwarze, Politiker und Menschenhändler. Es hagelt Schund von jeder Seite, inhaltlich wie mental. Aber „Hellhole Women“ (Alternativtitel) ist darin sehr ehrlich, spielt nicht vor etwas anderes zu sein, so dass es für den Zuschauer keine plumpen Ausreden gibt zu begründen warum man den Film mag, falls man ihn denn mag.

Ich weiß selbst nicht so genau ob ich das tue. Eine Punktebewertung zeigt ihre Grenzen bei Werken wie diesen, die Schund in Reinform sind, aufgrund ihrer Schmuddelkunst aber auch nie langweilig oder uninteressant. „Sadomania - Hölle der Lust“ strahl eine eigene Faszination aus, die man dem Normal-Kinogänger nicht erklären kann. Und der wird es nicht versuchen wollen, muss man doch nicht gerade ein konservativ veranlagter Mensch sein um diesen Streifen als fragwürdig zu empfinden. Es vergeht keine Minute ohne Nacktszenen. Vergewaltigte Frauen bitten um mehr, Minderjährige werden verführt, Menschen gefoltert, an Geschmacklosigkeiten mangelt es nicht. Und Franco untermalt diese Abartigkeiten in ästhetisch gehaltenen Bildern mit einem laut Vorspann von ihm stammendem Soundtrack, der zwar nicht immer auf die Situationen passt auf die er gelegt wurde, der aber zumindest abwechslungsreich und melodisch interessant ausgefallen ist.

Um mit Francos „Sadomania“ etwas anfangen zu können muss man schon tief im Schundfilm zu Hause sein. Die sonst so humoristisch verspielte Art Francos wird hier arg zurückgeschraubt. Das Zentrum Abenteuerfilm anderer Werke wird hier nur zum Beigeschmack, zu zentral widmet sich der Regisseur den quantitativen Schauwerten, als dass man von einem halbwegs entspannten Stück Abenteuer sprechen könnte. Zu sehr gehen vorgetäuschte Kritik und der Voyeurismus an der Pein Hand in Hand, um sich nicht ständig während des Schauens zu fragen warum einem dieser aus niederen Trieben zusammengeschusterte Stoff so fasziniert. So genau kann ich es selbst nicht beschreiben. Die Antwort liegt aber sowohl in dem anfänglich erwähnten Fiebertraum-Feeling, als auch in der schonungslosen Ehrlichkeit des Filmes genau das sein zu wollen, was wir unverfälscht und ungeschönt vors Auge geknallt bekommen.


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