Montag, 29. Februar 2016

INVASION DER BLUTFARMER (Invasion of the Blood Farmers 1972 Ed Adlum)


Ein Pathologe gelangt aufgrund eines Todesfalles in der Kleinstadt in welcher er lebt und arbeitet an eine ungewöhnliche Blutprobe. Das Blut reproduziert sich fortlaufend von selbst. Was er nicht ahnt: eine uralte Druidensekte versucht mittels dieses ungewöhnlichen Blutes seine Königin wiederzuerwecken, damit ihr Kult nicht austirbt und die Weltherrschaft erlangen kann. Um an dieses Ziel zu gelangen ist ihnen jegliches Opfer recht...


Blut wie ein Blob, Schurken wie der letzte Mob...

„Invasion der Blutfarmer“ ist für mich jene Art Trash, die auf der einen Seite auf charmante Art in ihrem Anliegen scheitert, auf der anderen Seite aber auch immer deutlich macht, dass die Verantwortlichen zu wissen scheinen wo der Großteil ihrer Schwierigkeiten bei der Umsetzung lag. Das hat sie glücklicher Weise nicht davon abgehalten den Streifen trotzdem weiterzudrehen, sonst würde heute keiner dieses wunderschöne Stück Horrorfilm kennen, welches nur eine kleine Gruppe Filmliebhaber begeistern dürfte.

Gore-Fans werden enttäuscht von den harmlosen Bluteffekten, dabei ist die Art mit der man tolpatschig versucht harte Bilder mit den allerbilligsten Methoden zu kreieren so unglaublich charmant ausgefallen, dass man als Freund des alternativen Kinos niemals böse drum wäre oder gar beleidigt. Gewalttaten werden in ihrer Ausführung stets angedeutet bis es zum Schnitt kommt. Und nach diesem Schnitt wurde ordentlich unecht aussehendes Kunstblut auf die Stelle geschmiert die angeblich verletzt wurde.

Ein Overacting der Opfer und Täter erweitert den Sehwert dieser Mordsequenzen, und diese Momente sind nicht die einzigen Szenen in denen überforderte Mimen das beste aus ihren (Un)Möglichkeiten herauszuholen versuchen. Ebenso wie in der Art der Inszenierung so hat man trotz aller Ernsthaftigkeit auch im Spiel der Darsteller stets das Gefühl dass jeder seine Arbeit mit einem versteckten Schmunzeln angeht. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein um zu verdrängen, dass es derart naive Menschen geben dürfte, die glauben dass das was sie da bewerkstelligen mehr wäre als es ist.

Die unfreiwillige Komik sprudelt jedenfalls an so ziemlich allen Ecken und Enden. Ein Wissenschaftler entdeckt ein Blut, dessen Menge aufgrund der Eigenschaft, dass es sich pausenlos reproduzieren kann, immer mehr und mehr wird. Und trotz seiner Genialität ist er nur wenige Tage später völlig überrascht, dass das Gefäß in welchem sich das ominöse Blut befindet, nicht mehr groß genug für die entstandene Menge ist, so als könne sich dies nicht jeder Grundschüler aufgrund der vorgegebenen Informationen von alleine ausmalen. Stattdessen regiert das gnadenlos irrsinnige Gegenteil. Mit den Worten „du glaubst nicht was passiert ist“ ruft der Forscher seinen Assistenten zu sich, um ihm zu zeigen wie der Lebenssaft aus dem überfülltem Behältniss überschwappt. Nein was eine unvorhersehbare Überraschung! Herrlich!

Es ist das Glück für uns alle, dass die Gegenseite ebenso dämlich agiert, würden wir ansonsten doch heute von einer Druidensekte beherrscht werden. Aber diese darf in einem Film mit extremst konservativen Weltbild schließlich nicht siegen. Ein Happy End gehört zur Pflicht, und wer es mit eigenen Augen gesehen hat erinnert sich sicherlich mit einem Lächeln an die finale Sequenz, die ebenso aus einer Folge „Unsere kleine Farm“ hätte entspringen können, wenn die Tochter des Wissenschaftlers vom Papa einen neuen Hund geschenkt bekommt. Der alte ist im Laufe der Zeit zum Opfer der Sekte geworden.

Dies ist er übrigens nicht für das Ziel der Sekte selbst. Die Mitglieder bestehen (von ihren Anführern einmal abgesehen) aus degenerierten Vollspacken, und einer von denen hatte mal wieder Lust seiner blutigen Perversion nachzugehen. Wie in so vielen anderen Momenten erkannte Regisseur Ed Adlum in dieser Tat eine Unlogik für die eigentlich erzählte Geschichte, und solche Momente versucht er stets mit einfachen Erklärungen abzuschwächen, so als würde er nicht bemerken dass er gegen Windmühlen kämpft, so Banane wie allein schon der Haupt-Storystrang ausgefallen ist.

Um so lustiger ist es dann vom Sheriff gesagt zu bekommen, dass sein Gehilfe nicht bei einer Rettungsaktion dabei sein kann, weil er zu besoffen für den Dienst wäre. Ebenso holprig kommt die Erklärung daher warum der Sheriff überhaupt so lange Zeit keine Nachforschungen anstellen kann. Krampfhaft versucht Adlum, der bis auf „Invasion der Tollwütigen“ (Alternativtitel) keinen weiteren Film mehr gedreht hat, dem kompletten Nonsens eine glaubwürdige Stütze zu bieten, und dabei scheitert er so charmant wie beim restlichen Vorhaben.

Eine sympathische Synchronisation, deren Sprecher ebenfalls so klingen als wären sie aus einer heilen Welt-Serie entlaufen, unterstreicht diesen stets auf ungewöhnliche Art hervorstechenden Charme, den manche Filmfreunde scheinbar nicht zu spüren vermögen, was ich nicht verstehen kann bei einem solch liebevoll dämlichen Film.

Interessanter Weise wird „Invasion of the Blood Farmers“ (Originaltitel) keineswegs zur großen Lachorgie. Die unfreiwillige Komik kommt eher still daher und läd zum Schmunzeln ein, während der Streifen ansonsten eine gekonnte Schundstimmung zu vermitteln weiß, allein aufgrund seiner veralteten ungeschliffenen Optik, die wie in so vielen Independentfilmen der 70er Jahre, den Sehwert zu stärken weiß, ohne dass man deshalb gleich von Kunst sprechen müsste oder gar könnte.

Es ist der Retro-Look, die trockene Atmosphäre und der theoretisch alberne Versuch die dämliche Story ernst umzusetzen was den Streifen zu einem solch liebenswerten Stück Film macht. Diesbezüglich wäre er in seiner Art ein wenig mit „Invasion der Bienenmädchen“ vergleichbar, auch wenn dort eher die aufkeimende Erotikwelle verarbeitet wurde, was im hier besprochenen Film nicht einmal im Ansatz der Fall ist. Ganz im Gegenteil: „Invasion der Blutfarmer“ ist ziemlich verklemmt erzählt.


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