Sonntag, 17. April 2016

BLUTIGER SCHATTEN (Solamente nero 1978 Antonio Bido)


Stefano kehrt heim auf eine Insel in der Nähe von Venedig, um seinen Bruder, den Priester Don Paolo, zu besuchen. Paolo beobachtet den Mord an einem Subjekt seiner Gemeinde, welches ihm aufgrund okkulter Taten ein Dorn im Auge war. Von da an werden auch immer wieder Mordanschläge auf ihn verübt, wahrscheinlich weil der Mörder glaubt dass Paolo ihn erkannt hat. Während immer mehr Menschen ums Leben kommen ermittelt Stefano auf eigene Faust und entdeckt dass die Taten mit dem Mord an einem Mädchen zu tun haben, welcher schon viele Jahre zurück liegt...


Das okkulte Quartett...

Zwei Jahre nach seinem sachlichen und deshalb so gelungenen Giallo „Die Stimme des Todes“ kehrte Antonio Bido auf den Regiestuhl zurück um erneut einen Beitrag besagten Genres abzuliefern. Das Ergebnis ist ein noch besser ausgefallener Thriller trotz längerer Laufzeit. „Blutiger Schatten“ ist ebenso bodenständig ohne unsinnige Zusätze umgesetzt wie sein Vorgänger, besitzt im Gegensatz zu diesem jedoch den Bonus zudem interessant fotografiert zu sein. Der Mord im Regen, die Flucht des Mörders im Treppenhaus des Glockenturmes, Bidos Folgefilm besitzt unglaublich viele optisch wundervoll eingefangene Momente, ohne dass der Film nun durchgehend zum reinen Kunstobjekt wird.

Wieder einmal ist die Geschichte wohldurchdacht, was gerade die doppelbödige Auflösung deutlich macht. Wieder einmal fesselt die Geschichte allein deswegen weil man zum Mörderraten eingeladen wird. Und wieder einmal stößt man nicht auf Widersprüche, Unsinnigkeiten oder für die Story unnötige provozierende Szenen. So wie das Debut, so konzentriert sich auch Bidos zweiter Giallo auf die Stärke seiner konsequent erzählten Geschichte, dabei wieder einmal stets nur den Kriminalfall im Fokus haltend und gerade dadurch in nüchterner Umsetzung eine dichte Atmosphäre schaffend, die damit von ganz allein ihren packenden Spannungsbogen zu erhalten scheint. Mitdenken ist erwünscht, einfallsreich ist dementsprechend das Ergebnis ausgefallen.

Wer glaubt „Schatten des Todes“ (Alternativtitel) würde aufgrund des okkulten Aufhängers den Bereich des Horrorfilms streifen, der irrt, steht das Abhalten von Seancen doch für die Vielschichtigkeit der Charaktere, wird quasi zu einem austauschbaren Hobby um seiner Außergewöhnlichkeit beraubt, um eine facettenreiche Gesellschaft wiederzuspiegeln, nutzt aber insofern hervorgehoben der Geschichte, als dass das zu beschützende Opfer ein Mann Gottes ist.

„Blutige Schatten“ (Alternativtitel) ist ein ausgesprochen intelligent ausgefallener Giallo, dem die Härte der meisten Beiträge dieses Genres zwar fehlt, aber Freunden von Thriller-Kost, die einem zum Mitdenken einlädt, unbedingt ans Herz gelegt sei, bietet „Bloodstained Shadow“ (Aklternativtitel) doch viele Fährten, interessante bis groteske Figuren, eine wundervolle und seinerzeit sicher provozierende Auflösung und eine intelligent wie unaufgeregt erzählte Geschichte in tollen Bildern. Ich finde es unglaublich schade, dass Bido es mit diesem Talent nur auf vier Filme geschafft hat. Wer weiß welche Schätze er uns noch hätte bescheren können...


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