Mittwoch, 13. April 2016

FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT (Le foto proibite di una signora per bene 1970 Luciano Ercoli)


Minou wird eines nachts von einem Mann bedroht. Dieser erzählt ihr auf recht aggressive Art, dass er wüsste dass ihr Mann ein Mörder sei, dann lässt er überraschend von ihr ab. Kaum von diesem Schrecken erholt, erpresst der selbe Mann sie telefonisch mit einem Tonband, auf welchem man hört wie der Mord geplant wird. Minou ist es egal was ihr Mann getan hat. Sie liebt ihn, und sie möchte ihn schützen. Allerdings will der Fremde kein Geld. Er genießt es die Kontrolle über Minou zu besitzen und nutzt dies auch sexuell aus. Als die Belastung für Minou zu stark wird, vertraut sie sich ihrem Mann an. Allerdings scheint nichts von dem Erlebten tatsächlich passiert zu sein...


Von einer Schildkröte die gerne mit Schuhen spielt...

Immer wieder frage ich mich warum Deutschland so oft solch dämliche Titel vergibt. Ich will nicht wissen wie viele Menschen nicht zu „Frauen bis zum Wahnsinn getrieben“ gegriffen haben, weil die deutsche Namensgebung sie abgeschreckt hat, klingt der Titel doch nach einem reißerischen, sogar nach einem geschmacklosen Werk. Wozu also das Risiko eingehen? Hinter Luciano Ercolis Regie-Debut verbirgt sich jedoch ein wunderschöner Film, der von all den italienischen Thrillern, die ich in der letzten Woche gesichtet habe, der beste war, mag seine Geschichte auch nicht so gehaltvoll ausgefallen sein wie manch vergleichbares Werk.

Vielleicht ist es aber auch gerade das was mir an dem Werk so gut gefällt, erzählt der Film doch die düstere Story einer Frau die bedroht wird, eines Mannes der Macht auf sie ausübt und eines Ehemannes der seine eigene Gattin für verrückt hält. Das ist alles nicht neu im Genre des Thrillers, wird jedoch interessant und spannend erzählt, ohne im Glauben zu leben ständig neue überraschende Wendungen liefern zu müssen. Stattdessen bietet der Film die etwas schlichtere Variante in besonders geglückter Umsetzung, was sowohl den Spannungsgehalt als auch die technische Arbeit betrifft, wobei besonders die gute Kameraarbeit hervorgehoben werden muss, als auch der Soundtrack von Ennio Morricone, der vielleicht nicht unbedingt im Gedächtnis bleiben wird, den Film aber stimmig und gekonnt untermalt.

„Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion“ (Alternativtitel) ist ein lupenreiner Thriller, der keineswegs so amourös ausgefallen ist wie die Geschichte vermuten lassen könnte. Die Erotik wird lediglich angehaucht präsentiert und von Härte kann in den wenigen Gewaltszenen keine Rede sein, so zurückgeschraubt wie sie eingesetzt sind. Es ist die Nähe zu den Figuren und das nötige Fingerspitzengefühl Suspenseszenen richtig inszeniert zu bekommen, was „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ zu einem solch packendem Erlebnis macht, solide erzählt bis zum Schluss, und dort glücklicher Weise nicht mit einem zusätzlichen Story-Twist versehen.

Die Auflösung kann man erahnen, muss man aber nicht, so gekonnt wie die eigentliche Geschichte von der Wahrheit ablenkt. Sicherlich benötigt der Film am Ende etwas zu viel Erklärungszeit, um alles halbwegs sinnvoll zu verpacken, aber im Prinzip ist Ercoli ein recht glaubwürdiger Film geglückt, da seine Ideen zwar fies aber nie zu abgehoben sind als dass sie nicht auch in der Wirklichkeit stattfinden könnten. Erst gegen Ende wird die Geschichte endgültig zu Kino, präsentiert ein klassisch trickreiches Verbrechen, mit einer Auflösung die man unbedingt erahnt hätte, wenn das Drehbuch nicht so gekonnt dagegen arbeiten würde. Eine Lüge einer der vier wichtigsten Figuren im Polizeiverhör lenkt ebenso von der typischen Aufdeckung der Erlebnisse ab, wie auch der inszenatorische Stil des Klischees wie der Retter sich ahnungslos dem Ort des Verbrechens nähert.

Wie großartig der visuelle Stil des Streifens ausgefallen ist, kann man wahrscheinlich erst auf DVD wahrhaftig erleben, ist der Film doch hervorragend restauriert worden, dass so manches Farbenspiel zum echten Erlebnis wird, ohne dass „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ diesbezüglich so überfrachtet wäre wie der legendäre „Suspiria“. Auch hier gilt weniger ist mehr für den maximalen Effekt, so wie es für die komplette Story gilt und für den reduzierte Umgang mit Erotik und Gewalt.

Selten sah ein Regenguss so wunderschön aus wie im hier präsentierten DVD-Bild. Einfallsreich wirken durch das Farbenspiel skurrile Ideen des Set Designs. Momente die von Licht zu Dunkelheit und umgekehrt wechseln sind ein Augenschmauß, und besonders positiv fällt diesbezüglich jener Moment auf, in welchem durch eine angezündete Kerze ein Raum erleuchtet wird, weder so unrealistisch umgesetzt wie in alten Schwarz/Weiß-Schinken, noch realitätsgetreu eingefangen, dafür aber wunderschön fotografiert.

„Le foto proibite di una signora per bene“ (Originaltitel) ist mit ruhiger Hand inszeniert und lässt sich alle Zeit der Welt, obwohl der Startschuss aller folgenden Geschehnisse recht früh eingebaut wird. Eine intensive Charakterstudie, die auch gerne mal anhand gekonnt eingesetzter Off-Kommentare stattfindet, sorgt dafür, dass man viel zu dicht im Geschehen ist, als dass die lobenswert langsame Erzählart auch nur im Ansatz Desinteresse hervorrufen könnte. „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ ist ein Thriller wie er sein soll und damit eine Empfehlung meinerseits an alle Thriller-interessierten Cineasten, selbst an jene die sich mit dem Italienkino etwas schwer tun.


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