Sonntag, 8. Mai 2016

FRAUEN OHNE UNSCHULD (1978 Jess Franco)


Das reiche Ehepaar bei dem die 24jährige Margeritta wohnt wird ermordet aufgefunden. Völlig verstört wird die junge Frau in eine Nervenklinik eingewiesen. Die Ärzte versuchen mit unkonventionellen Methoden die verwirrte Frau zum sprechen zu bringen, ist sie doch die einzige Zeugin eines Mordes der mit Diamantenschmuggel in Verbindung steht...


Wenn die Klappsmühle zum Freudenhaus wird...

„Frauen ohne Unschuld“ spielt in einer alternativen Gegenwart in welcher sich niemand für sexuelle Wünsche schämt, man stets in vollkommener Selbstverständlichkeit mit jederman Sex haben möchte und der Beischlaf die Lösung aller Probleme bedeutet. So müssen sich die Hippies die Welt vorgestellt haben bevor das böse AIDS ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und die Träumer in die grauenvolle Wirklichkeit zurückgeholt wurden. Jess Franco, der Vielfilmer der gerne lüsterne Themen umgesetzt hat, war der richtige Mann für solch einen weltfremden Stoff, in welchem das Leben auf Erden fast wie das Paradies sein könnte, wenn im Gegensatz zum einvernehmlichen Sex nicht auch fast jeder Mensch korrupt und geldgeil wäre.

Würde der Film in unserer Wirklichkeit spielen, man müsste ihm vorwerfen dass er den sexuellen Umgang mit Schutzbedürftigen verharmlost, Sex mit geistig verstörten Frauen gutheißt unter der heuchlerischen Ausrede wissenschaftlicher Experimente. Doch so funktioniert die Welt in „Wicked Women“ (Alternativtitel) nicht, und sexuell psychologische Experimente bekommen Hand und Fuß, erweisen sich als richtig, und das lüsterne Beobachten der Ärzte, das über rein theoretisches Zuschauen hinaus geht, wird zu einer Selbstverständlichkeit in einer Welt in der jeder jederzeit mit jedem egal wo Sex haben möchte.

So braucht es bei dem Genre-Mix aus Sex, Thriller, Horror und Kriminalfilm auch nicht zu wundern, dass der Nackedeibereich dominant im Zentrum steht und die restlichen Filmgattungen zur Nebensache verkommen, am extremsten der Horrorgehalt, der ohnehin schon minimal vorhanden mit der vorhersehbaren Auflösung auch noch fast komplett relativiert wird. Wer bereits dachte der Kinski-Film „Das Schloss der blauen Vögel“ würde zu dominant auf Erotik setzen und zu wenig auf Thriller achten, der wird sich wundern wieviel mehr nackte Haut man in eine solche Story integriert bekommen kann. Dass man eine derartige Story gar noch mehr in Erotik ertränken kann als hier geschehen, bewies Franco jedoch vier Jahre zuvor mit „La comtesse perverse“, einer Sexvariante des „Graf Zaroff“-Themas.

Der mit meist überraschend gut funktionierender Fahrstuhlmusik untermalte Film lässt es nur selten zu dass Frauen Anziehsachen tragen. Selbst Männer sind zu einem guten Teil nur nackt vertreten, aber angezogene Frauen gibt es so gut wie nie zu sehen, meist nur in jenen Szenen die im Freizeitsaal des Spitals spielen, und selbst dort ist man vor Schamhaaren und Brüsten nicht sicher. „Wicked Women - Das Haus der mannstollen Frauen“ (Alternativtitel) mag völlig unsinnig erzählt sein, erstaunlicher Weise funktioniert er als Unterhaltungsfilm aber recht gut, besitzt Franco doch das Talent Nichtigkeiten nett in Szene zu setzen, ohne dass Nacktszenen wahrlich erotisch oder Sexszenen realistisch wirken würden. Fern tatsächlich ansteckender, prickelnder Erotik macht es einfach Spaß in diese ehrlich andere Welt der selbstverständlichen Gelüste einzutauchen, in welcher grässliche Morde zur Nebensache verkommen.

Für einen Franco-Film ist das Ganze allerdings recht unaufgeregt erzählt, extremst bizarre Situationen oder wahre Widersprüche in der Handlung gibt es eigentlich nicht zu erleben, von seinen typischen Filmfehlern wie nicht auf Tag oder Nacht zu achten ganz zu schweigen. Lediglich die Synchronisation, die trotz der Schweiz als Produktionsland aufgrund fremdsprachigem Drehs nötig war, gönnt sich offensichtliche Missachtungen von Mundbewegungen, die teilweise nicht einmal versucht werden auf die Lippen der Protagonisten gelegt zu werden. Wen sollte das in einem Plot wie diesem bei einem Regisseur wie Franco auch stören? Genau von dieser Lässigkeit leben diese Filme und zeigen dem möglichst fehlerfrei strengen Hollywood dass Perfektion an falscher Stelle überhaupt nicht nötig sein muss.


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