Donnerstag, 19. Mai 2016

MANAGEMENT - DIE LIEBE IST EINE BAUSTELLE (Management 2008 Stephen Belber)


Mike arbeitet im Motel seiner Eltern und hat seinen Heimatort nie verlassen. Eines Tages taucht Sue auf, die Mike direkt anziehend findet, was nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Nach einer Art Mitleidssex fühlt sich Mike bestätigt. Wochen später sucht er Sue unverhofft in ihrer Wohnung in der Großstadt auf. Die ist keineswegs begeistert die Nervensäge wiederzusehen, aber so schnell wird man einen Mann nicht los, der glaubt die Liebe des Lebens gefunden zu haben...


Der Po, der Beischlaf, die Emotionen...

Mike ist ein Versager, eine arme Fritte mit der kaum ein anständiger Dialog möglich ist. Mike ist ein Kindskopf, ein ewig Daheimgebliebener, ein junger Mann der die Pflicht des elterlichen Unternehmens stets wichtiger fand als seinen eigenen Interessen nach zu gehen. Mike wächst über sich hinaus nachdem er Sue kennen lernt. Mike wird hartnäckig, lauert ihr auf, ist immer da, immer auf Mitleid pochend, immer die Frau penetrant anbetend, die ihn nicht an ihrer Seite sehen möchte. Es fällt schwer Mike wirklich sympathisch zu finden. Er ist die Identitätsfigur des Filmes, aber mögen tut man ihn nicht, auch wenn man ihn und seine Art durchaus versteht. Oder gerade deswegen!

Sue ist hübsch. Das reicht Mike um in ihr die Liebe seines Lebens zu erkennen. All das romantische Denken um ihre Person herum ist eher fiktiver Natur, Spekulation, manchmal zufällig richtig liegend, da Sue sich selbst falsch einschätzt. Sue findet man als Zuschauer sympathischer. Aber man versteht sie nicht. Warum lässt sie sich auf Mike ein? Warum lässt sie sich daheim von Mike überreden den Tag mit ihm zu verbringen? Mike ist unangenehm, und der Autor nimmt einen nicht an die Hand zu verstehen warum Sue handelt wie sie handelt.

Man versteht warum der Autor es so möchte. Dem schwebt eine Entwicklung beider Seiten vor um am Ende unglückliche Einsame in ein glückliches Paar zu verwandeln. Das gelingt ihm im Laufe seines Filmes sogar. Aber der Einstieg ist arg konstruiert, nicht derart abstoßend wie es sich lesen mag, aber auch nicht liebenswert, verschmitzt oder ansteckend erzählt. „Management“ ist ein Film, der in seiner durch Widersprüchen und Zufällen gelenkten Art eine Wirklichkeit wiederspiegelt die ich nicht verstehe. Ich verstehe meine Mitmenschen sehr häufig nicht. Und Sue und Mike verstehe ich überhaupt nicht. Aber das ist kein Hindernis Gefallen an einer Geschichte zu finden, die von solchen Leuten erzählt.

Da ich vielerlei als normal geltende Menschen nicht verstehe kann ich nicht beurteilen wie realistisch oder unrealistisch „Management“ ausgefallen ist. Klar, er hängt sich stark an Stereotype und Klischees fest, gerade solche die man im Bereich der Liebeskomödien immer wieder antrifft. Und doch wirkt der Film etwas anders, mitten im Leben stehend, provozierend durch seine nichtig erscheinende Geschichte. Hier gibt es keinen strahlenden Prinzen. Hier gibt es keine tiefschürfenden Erkenntnisse die zum Wandel führen, lediglich Eingeständnisse und Reife. Es ist jene Art Reife die mir persönlich immer aufgesetzt erscheint und die ich nicht als reif betrachte. Eine Reife die eher Richtung Angleichung tendiert. Am Ende lernen beide voneinander. Sie gestehen sich ihre Fehler und ihre Liebe ein. Happy End.

Ich bin verwirrt dass mir das gefallen konnte, war ich doch nie Teil dieser Mentalität die hier gelebt wird. Und auch jenseits des Empfindens im Bereich der handwerklichen Umsetzung tue ich mich mit dem Ergebnis etwas schwer. „Management“ ist bemüht den typischen Pflichtbausatz einer solchen Komödie zu erfüllen und geht hierfür verzweifelt erscheinende Wege. Überforderung, Anbiederung, Angleichung oder provokativ anders, die Regeln umschuppsend und neue Wege des Immergleichen entdeckend? Das ist schwer zu beurteilen. Auf mich wirkt diese ganze Art jedoch nicht wirklich professionell, sondern eher verzweifelt.

Und doch funktionierte der Film. Sein Mix aus angeglichen und zwischen den Dingen schwebend, sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich, war verwirrend wie schön anzusehen. Seine distanzierte Romantik machte neugierig, lullte einen aber auch nie ein. „Management“ lud nicht zum Träumen ein. Es war eher ein nüchternes Betrachten zweier Menschen mit denen man zunächst nichts anfangen kann, die einem aber schließlich ans Herz wachsen, einfach weil man sie kennt und ihre Hochs und Tiefs miterlebt, mal verstehend, mal nicht verstehend. Wer den typischen Kitsch sehen will oder eine besonders amüsante Story ist hier fehl am Platz. Belbers Werk ist keine gängige RomCom - zumindest auf den zweiten Blick. Es ist nicht besser oder schlechter als eine typische RomCom. „Management“ ist einfach interessant anzusehen. Wenn auch nicht all zu sehr. Aber genug um auf nette Art distanziert unterhalten zu werden.


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