Mittwoch, 11. Mai 2016

ROBINSON UND SEINE WILDEN SKLAVINNEN (1972 Jess Franco)


Der Träumer Robinson verliert seinen Job und verlässt seine ewig keifende Ehefrau und seine ebenso nervige Schwiegermutter, die bei ihm wohnt, und flüchtet auf eine einsame Insel, wo er es sich im Gegensatz zu seinem berühmten Namensvetter mit zwei sexhungrigen Mädels gemütlich macht. Doch das scheinbare Paradies wird recht bald ungemütlich. Kannibalen und die Ehefrau machen Robinson recht schnell einen Strich durch die Rechnung...


Plädoyer für Träumer...

Es ist nicht einfach sich auf die filmische Welt Jess Francos einzulassen. Hat man den Sprung einmal geschafft, so erwarten einem neben manch ungewöhnlicher Filmperlen immer wieder manch üble Langeweiler, was nicht verwundern muss bei seinem unerschöpflichen Drang Filme zu drehen. Da kann nicht jeder auf den ersten Blick geratene Langeweiler ein getarnter Geheimtipp sein. Im Horrorbereich kann ich eher etwas mit Francos improvisierten Herangehensweise anfangen. Seine völlig dämlich betitelte Komödie „Robinson und seine wilden Sklavinnen“ nervte mich bereits ab da, wo ich einen sprechenden Affen erdulden musste. Ich kann mit sprechenden Tieren in Filmen einfach nichts anfangen, „Mr. Ed“ bleibt da die Ausnahme. Auf mich wirken derartige Einflüsse einfach zu infantil.

Von einem erwachsenen Film kann man allerdings ohnehin nicht sprechen, das soll Francos Werk, welches er unter dem Pseudonym Frank Hollmann drehte, auch gar nicht sein. Immerhin steht hier die Erfüllung des größten Wunsches eines Träumers im Zentrum, eines frustrierten wie naiven Träumers, der neben seinem Wunsch auf einer einsamen Insel zu leben zudem noch die Umwelt retten will, glaubt ein Nachfahre Crusoes zu sein und auf der Arbeit alles andere als geistesanwesend zu nennen ist. Zudem geht es im Film darum, dass Robinson über seine Erlebnisse auf der Insel erwachsen wird, auch hier macht das infantile Getue also durchaus Sinn.

Zwar kommt „Trois filles nues dans l'île de Robinson“ (Alternativtitel) äußerst verspielt daher, z.B. im vollkommen hemmungslosem Umgang mit den Altherren-Klischees um die keifende Ehefrau und ihre dämonische Mutter, gefallen wollte mir dieser lockere Umgang mit der Thematik aber so gar nicht. Francos groteske Ideen, die ich in Horrorfilmen mag, wirken hier einfach nur noch dümmlich. Man sollte meinen ein Freigeist, der es den schlimmsten Frauen seines Lebens heimzahlt, indem er ihnen als Affenmonster erscheint, könnte Sympathiepunkte beim Zuschauer gewinnen, letztendlich ist Robinson aber so unsympathisch wie sein Anhang, und da er bei mir nicht als Identifikationsfigur funktionierte nervte die uninteressante, auf pseudo-lüstern getrimmte Geschichte um so mehr, zumal sie mit lässigem Urlaubsgedudel untermalt ist, was die Stimmung des Streifens nicht viel packender gestaltete.

„Robinson und seine wilden Sklavinnen“ ist ein typischer Franco, er ist mit der typischen Leichtigkeit des Regisseurs umgesetzt, setzt sich bei seinem Spiel mit Phantasien nicht mit der Wirklichkeit auseinander und provoziert mit grotesken Ideen. Von daher kann es sehr gut sein, dass er bei anderen Stammzuschauern Anklang findet. Bei mir war das leider nicht der Fall, ohne dass ich genau erklären könnte woran das liegt.

Franco konnte mich weder für die Geschichte gewinnen, die aus der Feder anderer Autoren stammt, noch mich mit seiner ureigenen Art stilistisch einlullen, die Story komplett vergessen machend. Für mich war der Streifen einfach einer jener auf zu gewollt getrimmten Langeweiler mit denen man bei Franco immer wieder mal rechnen muss, auch wenn man mit seinem Gesamtwerk sympathisiert. Letztendlich erschienen mir der Humor und die Episoden-artigen Erlebnisse des Helden zu dümmlich, als dass ich in den Film freien Geistes intuitiv hätte eintauchen können. Bei guten Francos ist das durchaus möglich.


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