Dienstag, 5. Juli 2016

GOON - KEIN FILM FÜR PUSSIES (Goon 2011 Michael Dowse)


Da der Türsteher Doug Leuten so gekonnt auf die Fresse hauen kann, wird er als Eishockeyspieler engagiert und macht in diesem Bereich tatsächlich Karriere ohne wirklich Schlittschuh laufen zu können. Seine Eltern sind von seinem Lebensweg wenig angetan, aber die wichtigen Leute in seinem Leben bestärken den jungen Mann in dem was er tut...


Eishockey ist kein Ballett...

Selten hat ein unnötig angehangener deutscher Beititel so viel Wahrheit ausgesprochen wie der von „Goon“, in welchem es heißt „Kein Film für Pussies“. Nicht nur dass er aufgrund seines Brachialhumors damit bereits jenes Publikum wegfiltert, welches bei dem Begriff Pussie sofort peinlich berührt die Nase rümpft und sich Werken angeblich höherem Niveaus zuwendet, auch inhaltlich und mental liegt der Beititel damit gar nicht falsch, ist Michael Dawses Komödie doch ein harter und brutaler, ja geradezu gewaltverherrlichender Film, der das Massaker auf dem Eis fast schon als Selbstverständlichkeit ansieht und damit Eishockey nicht mehr so schön redet wie das 80er Jahre-Drama „Bodycheck“, sondern in satirischer Überspitzung als die gewalttätige Sportart outet, für die sie im Volksmund seit je her bekannt ist.

Zugegeben, das hat es im legendären "Schlappschuss" auch schon gegeben, „Goon“ geht darüber jedoch hinaus. Der Film erklärt die Schlägereien besagten Sports zur Teil-Strategie der Mannschaften und outet im Laufe seiner Erzählung Schläger Doug nie als Peinlichkeit innerhalb eines edlen Sports, sondern setzt ihn als Held ins Geschehen. Der Film provoziert, lässt Doug nie zweifeln oder scheitern, sondern erzählt orientiert an der wenig athletischen Rolle des ewig einprügelnden Schwergewichts eine vortäuschend typische Sportler-Story, wie wir sie im Bereich des Sportfilms spätestens seit „Rocky“ gewohnt sind, was aufgrund der destruktiven Rolle der Hauptfigur innerhalb ihrer Sportart einer ganz eigenen Form der Satire auf diesen Filmbereich entspricht und dank der damit erzielten Treffsicherheit „Goon“ tatsächlich einen Individualitätsbonus beschert.

Wie es sich für eine gute Satire gehört darf es manchmal auch dramatische Momente geben, die „The F-Word“-Regisseur Dowse passend zur Filmmentalität einstreut, was bedeutet dass der Film zum einen nie zur wirklich ernsthaften Tragikomödie wird, sich andererseits aber auch nie der falschen Moral, Theatralik oder dem Sozialkitsch bedient, der gerade in Amerika oft dramatische Stoffe verfremdet und zum Märchen für Erwachsene macht. „Goon“ ist ehrlich wie übertreibend, treffsicher, wenn in seinem Handlungsverlauf auch nicht sonderlich überraschend ausfallend, und aufgrund der guten Besetzung in seiner Art richtig angenehm zu gucken.

Sean William Scott kann endlich erfolgreich gegen sein Stiffler-Image anspielen (und dies obwohl er „American Pie"-Dad Eugene Levy in einigen wenigen Szenen als eigenen Vater an die Seite geschrieben bekommt), Liev Schreiber ist ein glaubwürdiger Gegenspieler, der ruhig etwas mehr Screentime hätte erhalten können, und Alison Pill als die wenig romantisch veranlagte Eva weiß zu bezaubern. Ohnehin ist es die Kunst des Streifens jegliche eigentlich unsympathische Figur des Streifens sympathisch wirken zu lassen innerhalb einer Geschichte, in der es Leute toll finden dass anderen die Fresse eingeschlagen wird.

Lediglich Dauer-Seth Rogen-Anhängsel Jay Baruchel macht das was er immer tut, infantil und pseudo-provokativ herumlabern, und bereitet damit „Goon“ manchen Tiefpunkt, den der Film bei etwas weniger penetranter Zurschaustellung der negativen Seiten der englischen Sprache nicht hätte haben müssen. In einem Rogen-Film mag das meist noch irgendwie funktionieren, so aber wird der Möchtegern-Komiker zum Stifflerersatz innerhalb eines Filmes, der Scott wie bereits erwähnt von diesem Image gekonnt löst.

Aber das macht „Goon“ keinesfalls kaputt. Dieser ist eine unerwartet gut funktionierende Sport-Satire, die komödiantisch sicherlich häufig mit dem Holzhammer daher kommt und wenig sensible Seiten besitzt, aber der kleine Hauch davon den sie in sich trägt reicht bereits um zu signalisieren, dass der Streifen keinesfalls geist- oder emotionslos gemeint ist, sondern ganz im Gegenteil, die Kitsch-getränkte übliche Soße dieses Filmbereichs, die wesentlich realitätsferner, da gefühlsgedopt daherkommt, der Lächerlichkeit preisgibt. Zudem nimmt der Film trotz aller vorhandener Extremmomente seine Figuren ernst. „Goon“ ist ein Ausnahmefilm seiner Sparte, sicherlich nicht wirklich ein Geniestreich, aber mutig und professionell genug umgesetzt um zu gefallen.


Weitere Reviews zum Film: 

Kommentare:

  1. Da gab es aber auch schon "Schlappschuss", der das "Ereignis" Eishockey schon einige Jahre VOR "Bodycheck" als kaum gesellschaftsfähig geoutet hat. Damals mit ner FSK 18 versehen, ist er aber heute auch schon ab 12.

    Gruß
    Harry

    AntwortenLöschen
  2. Ja, das stimmt, den habe ich völlig vergessen. Ich habe die Passage dementsprechend geändert. :)

    AntwortenLöschen