Donnerstag, 7. Juli 2016

MR. WOODCOCK (2007 Craig Gillespie u.a.)


Als Kind wurde der damals übergewichtige John von seinem für seine Strenge bekannten Sportlehrer Mr. Woodcock hart rangenommen. Nun ist er erfolgreicher Autor eines Selbsthilfe-Buches und wird zu einer Preisverleihung in seine Heimatstadt eingeladen. Dort angekommen stellt John mit Entsetzen fest, dass seine Mutter eine Liebesbeziehung mit dem noch immer unfreundlichen Mr. Woodcock eingegangen ist. Nach anfänglichen Fehlversuchen sich mit dem Sportlehrer anzufreunden, ohne dabei positive Seiten an dem Mann zu entdecken, versucht John schließlich alles um die beiden auseinander zu bringen...


Der Unterschied zwischen Strenge und Konsequenz...

Als mit seiner Unsicherheit zu kämpfender Intellektueller ist Sean William Scott gegen den Strich seiner Stiffler-Rolle aus „American Pie“ besetzt, mit der er Berühmtheit erlangte. Und auch wenn im Laufe der Geschichte aus dem sich zusammenreißendem Mann mit Stock im Arsch ein hinterhältiger, verpeilter Kämpfer wird, kehrt Stiffler nicht zurück. Trotzdem hatte ich ihn die ganze Zeit im Kopf, ob ich wollte oder nicht, was wahrscheinlich an „American Pie 3 - Jetzt wird geheiratet“ liegt, in welchem Scott für einige Passagen den soften Schleimer mimen durfte, der eine ähnliche Frisur beschert bekam wie seine Rolle des John in „Mr. Woodcock“. Das ist nicht weiter wild, Scott reißt sich für seine Rolle im hier besprochenen Werk kein Bein aus, wirkt dennoch sympathisch und steht dem Film nicht im Weg.

Sehwert des Streifens ist aber ohnehin der auf Arschloch-Rollen abonnierte Billy Bob Thornton, der mich als Nichtkenner seiner ähnlichen Rollen aus „Bad Santa“ und „Die Bären sind los“ mit seiner eiskalten Mimik, in der man ganz versteckt ein gehässiges Schmunzeln zu vermuten meint, beeindruckt hat und einen guten Teil des Filmes zu stemmen wusste, was „Mr. Woodcock“ zumindest halbwegs rettet, ist er doch eigentlich eine zu harmlos ausgefallene Komödie, welche die üblichen Wege dieses Genres geht und dabei auf jegliche Überraschungen verzichtet.

Übler Weise betrifft dies auch die falschen Fährten, die das Drehbuch legen will. Man muss schon ein sehr unerfahrener Filmgucker sein um die Wendungen und Irrtümer nicht zehn Kilometer gegen den Wind zu riechen, innerhalb eines etwas zu bemüht umgesetzten Plots. Dennoch trifft die Geschichte um „Mr. Woodcock“ in Zeiten von in Watte gepackter Kinder und Helikopter-Eltern einen Punkt, der aus der vorhersehbaren Geschichte mit einem auf Nummer Sicher besetzten, aber brillant spielenden, Thornton ein reizvolles, wenn auch die Gemüter spaltendes, Erlebnis macht.

Sicherlich kann man so manche Schikane des Pädagogen nicht schön reden, aber der Grundton seiner Erwartungen, als da u.a. wären die Selbstverantwortung eines jeden Individuums und das Prinzip sich Erfolge auch verdienen zu müssen, sind sicherlich nicht verkehrter Natur und gehören in Zeiten, in denen man dem Nachwuchs in der aktuellen Pädagogik in der Regel einzig positiv entgegen tritt, leider der Vergangenheit an. „Mr. Woodcock“ übertreibt es in seiner Härte, so dass die eigentlich positive Aussage viel konservativer und fragwürdiger daher kommt als es ihr gut getan hätte. Und trotzdem tat es gut, gerade weil der Streifen ansonsten den Mainstream bedient, dass da mal wieder eine überholte Mentalität ausgegraben wurde, um die Generation von heute auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.

Wirklich tadelnd kommt der Streifen aufgrund seines Humoranliegens nicht daher. Er ist diesbezüglich eher moralisch ausgefallen, was nicht gerade zu den guten Eigenschaften amerikanischer Komödien gehört. Und doch war es genau dieser Touch, der mich den Durchschnittsfilm hat entspannter gucken lassen als es den anderen Routine-Komödien Amerikas gelingt. Wo das Ende es ein wenig zu gut mit der wirkungsvollen Pädagogik des strengen Lehrers meint, da kommen Woodcocks Methoden gegenüber dem erwachsenen John im Mittelteil des Films um so angenehmer daher und entlarven den selbstgerechten Buchautor immer wieder berechtigt der Vorurteile und der Eigenschaft des ewig verwöhnten Jammerns.

In Erinnerung wird „Hände weg von meiner Mutter - Mr. Woodcock“ (Alternativtitel) sicher den wenigsten bleiben. Dafür ist er dann doch viel zu belanglos ausgefallen. Ohne große inhaltliche wie humoristische Trümpfe zu besitzen weiß der Streifen jedoch angenehm geistlos zu unterhalten und ist damit genau jene Art leichte Komödie, die man manchmal nach einem harten Arbeitstag benötigt, wenn ein Film ruhig mal in keinster Weise anstrengend oder anspruchsvoll ausfallen soll. Schade ist lediglich, dass in dem Stoff eine richtig böse Satire hätte schlummern können, die so manchem unsportlichem Schüler aus der Seele hätte sprechen können.


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