Samstag, 10. September 2016

IN DER GEWALT DER RIESENAMEISEN (Empire of the Ants 1977 Bert I. Gordon)


Durch radioaktive Abfälle sind Ameisen auf einer Insel zu Riesen herangewachsen. Eine Gruppe Menschen, die an einer Werbeveranstaltung für Immbobilien teilnimmt, muss recht bald um ihr Leben rennen...


H.G. Wells‘ Formicula...

Bert I. Gordon setzte in seiner Karriere als Monsterfilm-Regisseur stets auf das Verfahren Mensch oder Tier (je nachdem was mutieren sollte) hoch zu projizieren um es größer erscheinen zu lassen, anstatt mit Attrappen und Puppen zu arbeiten. Was in den 50er Jahren arg erbärmlich aussah, kann sich im Vergleich dazu in den 70er Jahren angekommen schon eher sichten lassen, sind einige Aufnahmen doch recht geglückt. Vorzuziehen ist diese Methode dennoch nicht, einfach weil Interaktionen zwischen Kreatur und Schauspieler nicht möglich sind. Glücklicher Weise hat Gordon dies im hier von ihm und Samuel Z. Arkoff produzierten Film auch so gesehen, und so kommen hier sowohl die hochprojizierten Wesen als auch Attrappen zum Einsatz.

Dass die einen den anderen kaum ähneln war den beiden Billigfilmern egal, und das sollte es dem Zuschauer auch sein, denn „In der Gewalt der Riesenameisen“, der in einigen Ansätzen auf einer Vorlage von H.G. Wells beruht, will kein realitätsorientierter Horror sein, sondern lediglich ein Stück unterhaltsames Popkorn-Kino, und im Gegensatz zu dem wie ich besagtes Werk in Erinnerung hatte, ist er dies auch geworden. Ich hätte nie erwartet, dass „Angriff der Nuklearmonster“ (Alternativtitel) für eine derartige Billigproduktion so gut besetzt ist, wissen die Schauspieler in ihren interessant charakterisierten Rollen doch allesamt zu überzeugen, und dank ihrer einzelnen kleinen Geschichten, die sie zu einer großen vereint, kommt schnell Sympathie mit einem Werk auf, welches bereits vor zwei Jahrzehnten in seiner Ur-Thematik mit „Formicula“ besser verfilmt wurde.

Obwohl die Riesenameisen recht früh ins Geschehen treten, kommt nie Langeweile aufgrund möglicher sich stets wiederholender Szenarien auf. Die Dialoge zwischen den Charakteren sorgen sowohl in der Einführungsphase, als auch in der längeren Phase der Flucht dafür, dass der Stoff sich stets interessanter guckt als er eigentlich ist. Gordon versucht zudem die monotone Geschichte so abenteuerlich wie möglich zu gestalten, und das ist ihm meiner Meinung nach auch recht gut geglückt.

Im letzten Drittel stößt der eigentliche Tierhorror-Stoff durch eine ziemlich schräge Idee Wells‘ auf Invasions-Filme a la „Die Dämonischen“ und „Puppet Masters“, scheint bei Ankunft in einer Kleinstadt die Gefahr doch vorüber zu sein, bis man merkt dass sich die Bewohner des Ortes arg merkwürdig benehmen. „Twilight Zone“ lässt grüßen, so dass „Killer Termiten“ (Alternativtitel) bevor ihm die Luft ausgeht gegen Ende eine interessante Wendung hinlegt, mit der er noch einmal voll ausholt, was freilich nur für jene Monsterfilm-Freunde eine Freude ist, die gegen Ende keine Nonstop-Action benötigt.

Bevor es zum vorhersehbaren, recht ereignisreichen Finale kommt, wird schließlich erst eine kurze Atempause eingelegt, die sich in Suspense-Momente aufgrund des wachsenden Misstrauens der Helden wandelt, ein Szenario das in der Regel meist zu Beginn eines Horrorfilmes stattfindet. Diese unübliche Herangehensweise finde ich an „Empire of the Ants“ (Originaltitel) lobenswert und interessant, und dank der liebgewonnenen Charaktere weiß dies auch zu funktionieren anstatt den Film auszubremsen.

Freilich muss man trotzdem Freund kostengünstig produzierter Monsterfilme sein. Bei aller Mühe die man sich gegeben hat den Zuschauer auf Trab zu halten, ist „In der Gewalt der Riesenameisen“ doch trotzdem nur ein schlichter Trivialfilm, der keine hohen Anforderungen an sich selbst stellt. Aber ich denke dass diesen Umstand bereits der überdeutliche deutsche Titel klar macht, der sicherlich ohnehin nur den Freak unter den Cineasten zum Einschalten einlädt. Somit dürfte eigentlich kaum wer negativ überrascht werden.


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