Samstag, 10. September 2016

DIE 5. WELLE (The 5th Wave 2016 J Blakeson)


Eines Tages waren sie da, außerirdische Wesen, deren Raumschiffe über den Städten der USA schwebten. Erst nahm man uns jegliche Form der Elektronik, dann rottete man uns mit jeder weiteren Angriffswelle weiter aus. Die fünfte endgültige Welle steht kurz bevor. Und die junge, in einer völlig zerstörten Zivilisation lebende, Cassie macht sich auf die Suche nach ihrem kleinen Bruder Sam, den das Militär einkassiert hat, um ihn, wie all die anderen Kinder die sie sich holten, zum Soldaten auszubilden...


Liebe und Hoffnung sind keine Irrtümer...

Freunde von Endzeitfilmen sollten sich eines bewusst machen, bevor sie sich mit falschen Erwartungen an „Die 5. Welle“ heranwagen und hinterher womöglich über ihn schimpfen: J Blakesons Werk ist die Jugend-Variante eines Endzeitfilms, und damit kein knallharter, pessimistischer Film, der möglichst detailgetreu seine Geschichte reflektiert. Das machen Jugendfilme so gut wie nie. Jugendfilme verschönern, setzen Charaktere und Liebesinteressen in den Vordergrund und blenden den erwachsenen Alltag bestmöglichst aus.

Wie katastrophal so etwas enden kann zeigen peinliche Werke wie „Twilight“, die vom erwachsenen Publikum aufgrund ihrer Blauäugigkeit überhaupt nicht mehr zu konsumieren sind. Mit „Die 5. Welle“ kann man hingegen auch als Erwachsener seinen Spaß haben. Das liegt aber auch daran, dass man im Gegensatz zu besagtem Vergleichsfilm einer ernstzunehmenden Gefühlswelt begegnet, deren Dramatik greifbar ist und keinesfalls, wie für das Teenie-Alter eigentlich üblich, theatralisch ausgefallen ist. Dementsprechend ist man nicht gezwungen maximal blauäugig mitzufühlen, man darf es richtig. Hierfür erweist sich nicht nur das Drehbuch als sehr treffsicher, auch Moretz Spiel erleichtert es einem mit ihr mitzufühlen, den Druck ihres Schicksals zu spüren, auch wenn es ein häufig gesichtetes im Sub-Genre des Endzeit-Filmes ist.

Es geht nicht nur darum diesen Unterschied erkennen zu können, sondern auch darum dass die durchaus vorhandene Action und der Thrill lediglich im Hintergrund stehen. In „Die fünfte Welle“ geht es um die Dramaik des Stoffes. Wem das Ganze nicht hart genug ausfällt, der ist schlichtweg im falschen Film. Und wer den Weltuntergang nicht aus Kindersicht miterleben möchte, der ist dies erst recht.

Selbstverständlich kann die von mir geäußerte Argumentation nicht Schutz für jegliche getätigte Lücke sein. Gerade gegen Ende verläuft doch alles eine Spur zu glatt und ohne zu große Verluste, was dem Streifen einiges von seinem bisherigen Potential geraubt hat. Hier hätte „The 5th Wave" (Originaltitel) durchaus mehr Laufzeit erhalten können, um es den Protagonisten schwerer zu gestalten ihr Ziel zu erreichen. Dank der Konsequenz dessen was man erzählen wollte und der durchweg gut agierenden Mimen kann man über diese Ärgernisse in der Dramaturgie jedoch versöhnlich hinwegsehen, zumal sich auch der komplette Film rein technisch großartig schaut.

Von der unterschwellig hervorragend passenden, unaufdringlichen Musik, bis hin zur wundervollen Fotografie des Streifens gibt es wahrlich nichts zu meckern, so dass man trotz diverser Abstriche einen sehenswerten Film vorgesetzt bekommt, der das Teenie-Publikum sicher eher begeistern wird als das erwachsene, der aber auch im Herzen Junggebliebene mit offenen Armen empfängt, ohne gleich den Verzicht auf jegliches rationale Empfinden dafür einzufordern. Sicherlich ist die abschließende Weltsicht sehr gefühlsbetont und optimistisch gezeichnet. Aber sie spricht dem hoffnungsvollen jungen Alter definitiv aus dem Herzen - und völlig verkehrt ist sie in ihrem Ansatz nun wirklich nicht.


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