Samstag, 12. November 2016

GHOSTHOUSE 2 (La casa dell'orco 1988 Lamberto Bava)


Eine Schriftstellerin macht mit ihrer Familie Urlaub auf einem Schloss in Italien, dessen Keller sie an alte Alpträume aus ihrer Kindheit erinnert. Nach diversen Ereignissen ist sie davon überzeugt, dass in dem Schloss ein Monster existiert, welches es auf sie abgesehen hat. Der Ehemann glaubt ihr selbstverständlich kein Wort...


Weshalb man nicht nach Orchideen duften sollte...

Ähnlich wie die Filmreihen „Anthony“, „Jurassic Shark“ und „Paranormal Investigations“ stehen besagte Teile der jeweiligen Reihe nur für sich und wurden von deutschen Titelgebern zu einer fortlaufenden Serie erfunden. Zusammenhänge gibt es nur von der oberflächlichen Thematik her, hin und wieder sind angebliche Fortsetzungen solcher gefälschten Filmreihen gar vor Teil 1 erschienen, was die Täuschung um so lächerlicher macht. Der erste „Ghosthouse“ ist eigentlich der Beginn einer Film-Reihe, die mit „Witchcraft - Das Böse lebt“ und „Horror House 2“ fortgesetzt wurde. „Ghosthouse 2 - Das Ungeheuer lebt“ (Alternativtitel) wiederum gehört zu einem Projekt Lamberto Bavas vier Horrorfilme für das italienische Fernsehen fertig zu stellen.

Dinner with the Vampire“, „Die Gruft“, „Back from Hell“ und „Ghost House 2“ (Alternativtitel) haben inhaltlich wie stilistisch nichts miteinander zu tun, sie sind lediglich ein Gesamtprojekt. Jeder setzt von der Geschichte her einen anderen Schwerpunkt. Der des hier besprochenen „Demons 3 - The Ogre“ (Alternativtitel), der keine Fortsetzung von Bavas „Dance of the Demons 2“ ist, setzt ein Monster in Kombination mit Visionen in den Mittelpunkt, was bedeutet dass sich so ziemlich jede sehenswerte Horror-Szene der ersten Stunde als Traum entpuppt, eine Eigenschaft die ich in den meisten Horrorfilmen nicht mag, in diesem kleinen TV-Filmchen jedoch sehr wohl.

Das liegt aber auch daran, dass es Bava recht gekonnt beherrscht eine grundlegende düstere Stimmung über das Geschehen zu setzen. Ein guter Soundtrack, wie ihn auch Argento verwendet hätte, ist der Hauptgrund für diesen Pluspunkt. Aber auch die Drehorte sind gut gewählt. Das Dorf am absteigenden Berg weiß zu gefallen, das Schloss ist riesig, nicht gerade glaubwürdig zur Anmietung für einen Familienurlaub, aber definitiv stimmig eingefangen. Nach Logik darf ohnehin niemand fragen, „The Ogre“ (Alternativtitel) ist ein esoterischer Film, der folgt seinen eigenen Gesetzen, und die muss man als Zuschauer nicht kapieren, zumal es Bava bei den übernatürlichen Szenarien meist um den Effekt einzelner Situationen geht ohne einen Zusammenhang zur nächsten übernatürlichen Szene zu setzen. Und da dies funktioniert, ist ihm dies auch verziehen.

Auch die Kreatureneffekte wissen zu gefallen. Der grünlich pulsierende Kokon aus welchem eine glibberige Kreatur schlüpft, die naiv schlichten Unterwasserskelette, die wie aus einer Geisterbahn entlaufen scheinen, das monströse Wesen, welches anstelle des Sohnes im Bett des Kinderzimmers hockt, sie alle wissen zu gefallen. Leider trifft dies nicht auf die Hauptkreatur zu, was schade ist, ist sie doch ein so selten in Horrorfilmen auftauchender Oger, und der ist nach dem Schlüpfen nun gar nicht mehr glibberig. Stattdessen steht da ein Schauspieler, der eine behaarte Monstermaske im Gesicht trägt, und der gar nicht erst versucht sich wie eine fremde Kreatur zu bewegen.

Somit fehlt dem eigentlichen Monster genau jene Mystik, mit welcher der komplette Restfilm lockt, indem er in stimmiger Atmosphäre die Neugierde des Zuschauers weckt und lange Zeit hoch hält, was es denn nun mit all den ominösen Geschehnissen auf sich hat. Nicht nur dass der Großteil der Ereignisse im Nachhinein unbeantwortet bleibt, das Monster als finale Bedrohung ist schlichtweg eine Beleidigung, optisch unglaubwürdig, da wie ein Mann mit Maske aussehend und in seiner Bewegung vergleichbar mit jedem psychopathischen Mittezwanziger diverser Horrorfilme.

Trotz des enttäuschenden Finales betrachte ich „La casa dell‘orco“ (Originaltitel) rückblickend eher als sympathisches Filmerlebnis, lebt in ihm doch die typische 80er Jahre Schmuddelfilm-Atmosphäre weiter, und ist es Bava doch für einen ollen TV-Film gelungen die Stimmung über eine Stunde lang, trotz ewigem Hinhaltens, hochzuhalten. Dass die meisten sich im Internet eher reserviert zu „L‘orco“ (Alternativtitel) äußern, verwundert trotzdem nicht, ist das Ergebnis doch recht schlicht ausgefallen. Und wen die Musik in Kombination mit den stimmigen Bildern nicht packt, der erlebt tatsächlich nur Leerlauf mit esoterischem Blabla. Gut dass ich von diesem negativen Eindruck verschont blieb.


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