Sonntag, 19. Februar 2017

DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE (1984 Jürgen Klauß)


Ein Arzt entdeckt in den 20er Jahren im Hinterzimmer eines Trödelladens eine Zeitmaschine und ersteht diese. Herzkrank wie er ist kann der Internist die Reise nicht persönlich angehen, also sucht er gemeinsam mit Freunden nach einer Person, die sie 100 Jahre in die Zukunft schicken können. Nach kurzer Suche ist jemand relativ Unentschlossenes gefunden, aber man bekommt ihn schließlich doch noch überredet auf Reisen zu gehen. Zurückgeblieben im Jahr 1925 warten die Herren nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden...


Ein Fremder kehrt zurück...

Leicht angelehnt an H.G. Wells‘ berühmten Roman und George Pals Verfilmung „Die Zeitmaschine“, erschien in den 80er Jahren ein recht interessant klingendes Produkt aus Deutschland, welches mittlerweile sogar den Weg auf den DVD-Markt gefunden hat. „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, wie das Stück so reizvoll heißt, entpuppte sich schnell als etwas völlig anderes als von mir erwartet, handelt es sich doch um keinen Film, sondern um ein kostengünstig produziertes Fernsehspiel, so wie z.B. auch „Tagebuch eines Frauenmörders“ eines war.

Bei dem aufgedrehten Spiel der beiden zuerst auftauchenden Figuren, hätte man noch eine Komödie vermutet, werden die Charaktere doch überdreht agierend präsentiert, einen Hang zum Klamauk in sich tragend. Die später hinzugestoßenen Figuren bringen aufgrund des ruhiger werdenden Szenarios diese Eigenschaft auf reduzierte Art mit, aber sie schwebt noch immer im Raum, die affige, realitätsferne Übertreibung eines jeden Mitwirkenden. Jeder Darsteller soll eine Parodie des von ihm verkörperten Figurentyps darstellen, was in seiner zu gestellten Art bereits nicht funktioniert. Im Kontext mit der auf Drama orientierten Geschichte macht dieser Ansatz zusätzlich jedoch gar keinen Sinn, so dass sich eine Ernüchterung über das Produkt bereits breit macht, noch bevor das Interesse der Geschichte schwindet.

Dieses wird nie ganz hoch gehalten, so penetrant wie man Zeit schindet. Eine Erwartungshaltung aufbauen wollen, ein Thema vertiefen und Figuren intensiv vorstellen wollen sind alles positive Eigenschaften, aber wenn der Erzählfluss darunter so intensiv leidet, wie hier geschehen, dann ist das nur noch ärgerlich zu nennen. Mit einer Laufzeit von über 110 Minuten überfordert dies die Aufnehmungskraft jener Zuschauer, die auf leichte Unterhaltung hoffen. Wer eher etwas Philosophisches erwartert, bekommt aber ebenfalls eine Geduldsprobe präsentiert, dauert es doch eine gefühlte Ewigkeit bis endlich über das Reisen in die Zeit etwas tiefgründiger gesprochen wird.

Da warten sie nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden und kommen ins Gespräch. Ich wurde endlich neugierig und hoffte gar darauf, dass sich „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ zumindest den Kniff gönnt es bei diesem Szenario zu belassen und den Rest von den Dialogen und somit der Vorstellungskraft der Zurückgebliebenen zu zehren - was zugegebener Maßen bei der uninteressanten Charakterzeichnung der Gruppe selbst bei besserem Ergebnis eine wackelige Angelegenheit gewesen wäre. Aber diese erhoffte Phase der Erzählung ist nur von kurzer Dauer, kehrt die Zeitmaschine kurz darauf doch noch zurück - jedoch mit einer fremden Person an Bord.

Mit diesem unerwarteten Kniff gewann das müde Projekt endlich mein Interesse zurück, aber nun muss man leider warten bis der Rückkehrer auch endlich erzählen kann wer er ist, warum er die Zeitmaschine bedient hat und wie die Welt in 100 Jahren aussieht. Redet er endlich, kommen die Antworten zaghaft aus ihm heraus. Dass manches von ihm Gesprochene den Ohren der Menschen aus dem Jahr 1925, und auch jenen des Zuschauers von heute, rätselhaft klingt und mehr Fragen anstatt Antworten aufwirft, gehört zu einer der wenigen Stärken von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, findet jedoch zu einem Zeitpunkt statt, in welchem der Geduldsfaden des Zuschauers hauchdünn geworden ist, so dass diese Eigenschaft eher eine theoretische Stärke ist, anstatt eine die nun den Unterhaltungswert tatsächlich bereichern würde.

Über den Einfallsreichtum dessen was die Leute mit ihren unterschiedlichen Fachrichtungen nun aus dem Zeitreisenden herauskitzeln, vergleichbar mit dem Szenario aus „Man From Earth“, kann man nun unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich fand das aufgezeichnete Zukunftsbild zu konstruiert darauf gesetzt pseudo-philosophisch über den Verlust von Freiheit und Individuum debatieren zu wollen, wahrer Tiefsinn sieht anders aus, aber das wird manch Anderer sicher anders sehen können/wollen. Wie auch immer: auch diese interessanteste Phase des Stoffes ist nicht das Gelbe vom Ei, so dass ich bis zum Schluss von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ enttäuscht wurde, so sehr sogar, dass mir die Vorstellung dessen, was man mit diesem Fernsehspiel versucht hat, nicht einmal theoretisch gefallen oder imponiert hat.


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