Sonntag, 19. Februar 2017

MAREBITO (2004 Takashi Shimizu)


Der Kameramann Masukoa ist fasziniert vom Erschreckendem im Leben, sammelt Aufnahmen verstörter Menschen, während er selbst fast lethargisch gefühlsarm durchs Leben geht. Von der Aufnahme eines Selbstmörders fasziniert, stößt er in den Tiefen der U-Bahn-Station, wo der Suizid stattfand, auf eine unheimliche Welt unter der Stadt. Dort trifft er auf eine angekettete, nackte, junge Frau, die er von der Unterwelt hoch in die seine nimmt. Zu Hause erforscht er die Befreite, von der er nicht weiß ob sie Mensch oder Kreatur ist...


Unter Wasser waren wir klüger...

Beim Sichten des hier besprochenen Werkes, das eine Art Mix aus Geisterhorror und Psychopathenfilm sein soll, sind mir mehrere (teilweise erst nach „Marebito" entstandene) Parallelstoffe eingefallen, die phasenweise immer Pate für den jeweiligen Schwerpunkt der Geschichte sind. Da sind Elemente aus „Baby Blood“, „Deadgirl“, „Der kleine Horrorladen“, „Alice im Wunderland“, „Nell", „Freeze Frame“, „Silk“ sowie diverse Filme über Wahnsinnige und Geisterwelten enthalten, quasi ein Mix der es in sich hat, aber trotzdem keinen großen Film hervorbringt. Je nach Phase schaut sich das Werk des Regisseurs Takashi Shimizu, der auch „Shock Labyrinth“, sowie „Ju-on“ im Original, im Remake und in diversen Fortsetzungen gedreht hat, stets unterschiedlich interessant.

Den nüchtern erzählten Part erfährt man zu Beginn, wenn wir den dokumentatorischen Worten der Hauptfigur lauschen, viele Aufnahmen aus der Perspektive seiner Videokamera vorgesetzt bekommen und etwas zu schwerfällig in den Stoff eingeleitet werden. Umständlich, ja geradezu wunderlich und verwirrend wird die Geschichte beim Abstieg in die Phantomwelt, bei der man nie weiß wie der gute Mann nun darauf kommt es mit einer Geisterwelt zu tun zu haben. Erst als er auf den quicklebendigen Selbstmörder trifft, scheint es dafür einen Beweis zu geben. Aber bereits hier stellt sich die Frage ob Masukoa etwas Ungewöhnliches erlebt, oder ob aus dem nah an einer Geisteskrankheit angesiedelten Sonderling ein wahrhaft Wahnsinniger geworden ist.

Wirklich interessant wird „Stranger from Afar“ (Alternativtitel) erst in seiner bodenständigeren Phase, wenn der Film sich in einen Forscherfilm a la „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ wandelt, dürfen wir doch nun das Wesen kennen lernen, welches Masukoa schlicht F nennt und mittels moderner Technik stets unter Beobachtung hält. Ist F eine Frau, der Schreckliches zugestoßen ist? Oder ist sie ein fremdes Wesen? Hat sie ihr merkwürdiges Verhalten deswegen weil sie von etwas Unmenschlichem großgezogen wurde, oder ist nur ihr Aussehen menschlich?

Dass dieser an Fakten gekettete Part nicht das ist was er zu sein scheint, erfährt man erst mit der Zeit. Zumindest stößt der Protagonist nun auf einige wertvolle Informationen über das Wesen, u.a. auch darauf wovon sie sich ernährt, und da beginnt nun die Phase der Selbstzerstörung und endgültig die des Wahnsinns, wird Masukoa doch für F zum Mörder, bis er aus diesem Teufelskreis als Ernährer einer Kreatur schließlich die Flucht ergreift und weit von daheim als Einsiedler unter lauter Obdachlosen versucht sich selbst zu finden.

Erst hier erfahren wir die Wahrheit über die miterlebten Geschehnisse, dessen Masukoa sich im Gegensatz zu uns stets bewusst war. Einige Momenten flammten zuvor auf, in welchen sich Vermutungen auftaten, die nun bestätigt werden, und das komplette Geschehen steht damit final in einem anderen Licht als zuvor. Allerdings ist es, wie erwähnt, weder eine schockierend unerwartete Überraschung, noch sorgt der andere Blick auf die Dinge für einen intelligenten Wandel. Die Sachlage ist einfach eine andere. Punkt und aus. Das kann man so annehmen und sich für gedankenlose, wandlungsreiche 90 Minuten der Unterhaltung bedanken, oder man bleibt enttäuscht zurück, nicht wissend was uns Shimizu mit dem Film überhaupt sagen wollte. Vielleicht verrät er es in dem ebenfalls auf der DVD enthaltendem Interview. Auf dieses hatte ich trotz solider Unterhaltung allerdings keine Lust mehr, dafür ist mir „Marebito“ dann doch zu austauschbar ausgefallen.


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