Freitag, 3. März 2017

DAS GASTHAUS AN DER THEMSE (1962 Alfred Vohrer)


Ein Killer mit Harpune und Taucheranzug wird schon lange von Scotland Yard gejagt. Als Inspektor Wade von der Wasserpolizei erste brauchbare Spuren findet, wird ihm der Fall übertragen. Sämtliche Spuren führen immer wieder ins Mekka, einem Gasthaus an der Themse, und es dauert bis Wade sich einen Reim drauf machen kann warum...


Hai-Alarm an der Themse...

„Das Gasthaus an der Themse“ ist ein kleines Liebhaberstück aus der Schwarz/Weiß-Phase der Wallace-Reihe aus den Rialto-Studios. Von dem Aufhänger um einen tauchenden Mörder einmal abgesehen, wohnen wir hier einem sehr klassischen Fall bei, einem bei dem es eigentlich nur einen naheliegenden Verdächtigen gibt, welcher der Hai sein kann. Aber das Mörderraten ist in einem Wallacefilm nicht alles, so wie der hier besprochene Streifen zeigt, und wenn man zudem noch einen Beitrag dieser Serie inszeniert von Alfred Vohrer beiwohnen darf, dann weiß man, dass es noch genügend weitere Gründe gibt warum ein Kriminalfilm trotz nicht überraschender Täteraufdeckung ein überdurchschnittlicher Genre-Beitrag sein kann.

Vohrers optische Spielereien fallen weitaus subtiler aus, als das wofür er im Laufe der Reihe noch berüchtigt werden sollte, aufgrund dessen gehören sie jedoch auch zu den Qualitäten des Streifens und nicht zu den kleinen Gimmicks am Rande. Wie verspielt Vohrer die Kamera Spiegel, Luftblasen im Wasser und Lupen einfangen lässt, besitzt nicht nur Reiz, sondern beschert dem Film mitunter auch seine Atmosphäre. Auch die zunächst weniger auffallenden Bilder sind alle sehr hübsch fotografiert, und so manche Einstellung mit Licht, Schatten und Dunkelheit weiß auch im Bewusstsein der weniger auf so etwas achtenden Zuschauer zu gefallen.

Recht schnell steigt man in das eher schlichte, wenn auch reißerisch eingefangene, Szenario ein. Wenn Elisabeth Flickenschildt ziemlich zu Anfang ein Lied in einer üblen Spelunke vortragen darf, dann erkennt man bereits welch besonderem Werk man beiwohnt, weiß sie doch in ihrer Interpretation des Liedes den Zuschauer an ihre Lippen zu binden, so fesselnd wie sie das augenzwinkernde Lied vorträgt. Es begegnet einem zudem als mit witzigen Geräuschen angereichtertes Titellied in Intrumental und im Hintergrund im Film ertönend von einem Akkordeon gespielt.

Die Hintergründe der zunächst nicht durchschaubaren Verbrechen sind verworren wie eh und je in einem Wallace-Film, im Vergleich zu manch anderem Werk der Reihe aber nachvollziehbar. Als Zuschauer darf man immer den Überblick behalten, auch wenn man manche Information erst spät erhält. Gekonnt inszenierte Wasseraufnahmen, deren Tempo weit besser ausgefallen sind als im James Bond-Film „Feuerball“, sorgen für aufregende Ausnahme-Momente der Reihe, während oberhalb des Wassers gekonnt routiniert vorgegangen wird.

Eddi Arents Part mag etwas zu krampfhaft ins Geschehen eingebaut sein, dennoch ist er, wie man es von diesem Mann gewohnt ist, mit dem nötigen Charme verkörpert. Fuchsberger weiß als taffer Ermittler zu gefallen, der sich diesmal weit weniger plump in die (eigentlich minderjährige) weibliche Zielperson verlieben darf. Kinski spielt gekonnt skurril, und auch wenn es nicht sein Zutun ist, so hält das Drehbuch doch was seine Rolle betrifft eine unerwartete Überraschung bereit. Siegfried Schürenberg wird als Sir John diesmal sehr klein gehalten, weiß seine Rolle aber wie gewohnt gekonnt zu verkörpern, und Elisabeth Flickenschildt weiß ihre Mimik für eine Schurkenrolle perfekt einzusetzen. Ohnehin ist jeder offensichtliche Kriminell wunderbar schurkisch besetzt.

„The Inn on the River“ (Alternativtitel) mag man aufgrund seiner zwielichten Personen, aufgrund des klassischen Einhaltens von Gut und Böse und aufgrund seiner professionellen Umsetzung, in welche sich nur wenige, kaum bedeutende Inszenierungsfehler eingeschlichen haben. Der Hai mag nicht der aufregendste Oberverbrecher des Wallace-Universums sein, aber er taucht ohnehin in einer Geschichte auf, die nicht sonderlich innovativ eingefangen ist. „Das Gasthaus an der Themse“ weiß genau deshalb zu gefallen. Anstatt um krampfhafte Innovationen bemüht zu sein, serviert er uns das klassische Krimi-Geschehen hervorragend umgesetzt, dabei nie vergessend, dass es sich bei einem Wallacefilm nie um mehr handelt als um Trivialunterhaltung. sehenswert


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